Ludwig-Maximilians-Universität München
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Tokio – Inklusion durch Exklusion? Formationen urbaner Begegnungsräume am Beispiel kleinräumiger Stadtviertel und Transition Towns

Vortragende: Prof. Dr. Evelyn Schulz

Die Frage nach dem Zusammenhalt der Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten auch in Japan intensiviert. Ein wichtiger Auslöser hierfür ist das Platzen der Bubble, einer Immobilien- und Kreditblase, Anfang der 1990er Jahre. Dieses leitete bis heute nachwirkende Stagnations- und Umstrukturierungsprozesse ein. Vielgestaltige ökonomische, regionale und soziale Schrumpfungs- und Polarisierungsprozesse nahmen Kontur an und markieren Bruchzonen im Wachstums- und Fortschrittsnarrativ. Hinzu kommt der beispiellose demografische Wandel: Die Bevölkerung schrumpft seit 2005 aufgrund niedriger Geburtenraten und altert so schnell wie in keinem anderem Land. Diese Prozesse haben auch erhebliche Auswirkungen darauf, wie sich das Leben, sowohl in den Regionen als auch den Städten, zukünftig gestalten wird. So erfordern sie die Entwicklung von Wohn- und Lebensformen, die nachhaltig auf die neuen Verhältnisse reagieren.

Tokio ist als Hauptstadt und größte Metropolregion Japans eine Art Reagenzglas dieser Prozesse und Diskurse. Heutzutage leben nahezu 100 Millionen Menschen, fast 70 Prozent der Bevölkerung Japans, in Städten, mehr als 35 Millionen davon im Großraum Tokio-Yokohama. Dieser gilt gegenwärtig als die größte Metropolregion der Welt und erbringt rund ein Drittel der Wirtschaftsleistung Japans. Tokio wird durch seine starke Ausrichtung auf stetiges Wachstum immer schneller und kompetitiver für die Bewohner, was dazu führt, dass die Anzahl derjenigen, die nicht mehr mithalten können oder wollen, zunimmt.

In meinem Vortrag möchte ich anhand exemplarischer Orte in Tokio aufzeigen, wie Initiativen zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts und die Betonung lokaler Identität dazu beitragen können, das Lebensumfeld zu verbessern. So ist es zur Bildung von Alternativmilieus gekommen, in denen neue Formen von Inklusion erfolgen, die in unmittelbarem Zusammenhang zu Vorstellungen von einem „guten“ Leben stehen. In diesem Zusammenhang entdecken japanische Architekten und Stadtplaner traditionelle Formen des gemeinschaftlichen Wohnens neu und entwickeln diese weiter. Neben den Strukturen kleinteiliger Quartiere dienen dabei auch vormoderne Modelle des Zusammenlebens als Inspiration.