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Uncle Sam rekrutiert auf Facebook, YouTube und Co

Der hagere Mann mit den weißen Haaren und dem Spruch „We want you!“ hat ausgedient: Die US-Army sucht den Nachwuchs mittlerweile auf Facebook, Twitter und YouTube. Und was macht die deutsche Bundeswehr? Regina Scharl hat die Strategien der beiden Länder verglichen.

armee
Grafik: pict rider / fotolia.com

Recruiting läuft mittlerweile digital: Interessenten der US-Army schauen YouTube-Videos oder zocken das Shooter-Spiel „America's Army“. Auf YouTube wirbt die Bundeswehr auch, kämpft aber mit deutlichen größeren Nachwuchsproblemen als die Army. Was machen die Amerikaner anders? Eine Frage, die sich auch Amerikanistik-Studentin Regina Scharl nach der letzten Münchner Sicherheitskonferenz gestellt hat. Damals versprach Ursula von der Leyen, dass Deutschland seine Verteidigungsausgaben anheben würde - was auch einen Anstieg der Recruitingausgaben bedeuten würde.

Die Anwerbestrategien auf den digitalen Kanälen verraten viel über die kulturellen und historischen Unterschiede der Länder. Zum Beispiel, wie Krieg legitimiert wird: „Deutschland ist sehr vorsichtig: Die Bundesrepublik soll nicht als Agressor wahrgenommen werden“, sagt Regina. "Die Bundeswehr verweist bei der Darstellung von Auslandseinsätzen oftmals auf Allianzen mit der EU oder NATO." Ganz anders hingegen die Amerikaner: „Ihr Credo: Wir machen das für uns.“

Regina ScharlDie US-Army setzt beim Recruiting deshalb stärker auf Entertainment, erklärt Regina. "Wissenschaftler nennen die Verbindung zwischen Army und der Entertainment-Industrie ‘Militainment’." So setzen die Recruiter auch auf ein kostenloses Computerspiel, bei dem sich jeder schon mal wie ein Soldat fühlen kann. „America’s Army soll natürlich auch enthemmen", sagt Regina. Dass ein Soldat womöglich selbst zur Waffe greifen und jemanden töten muss, werde durch das Computer-Spiel regelrecht glorifiziert. Die Lebensgefahr, in die der Soldat sich begibt, wird im Computerspiel und auch in den sozialen Netzwerken nicht thematisiert. Die Bundeswehr spricht die Gefahr, die Auslandseinsätze mit sich bringen, auf YouTube kurz einmal an. Doch auch bei der Bundeswehr kommt das Thema zu kurz.

Bei ihrem Vergleich sind Regina aber auch Ähnlichkeiten aufgefallen. Leitbild in beiden Ländern ist der amerikanische Traum: mit harter Arbeit kann jeder etwas erreichen. Als Paradebeispiel führt Regina die Youtube-Serie „Die Rekruten“ an: „Am Anfang sind die jungen Soldaten undiszipliniert und unstrukturiert. Aber einige Trainingsstunden und Folgen später sind sie nicht nur körperlich fitter, sondern auch emotional reifer.“ Allgemein versuchen beide, die junge Zielgruppe eher auf einer emotionalen Ebene anzusprechen anstatt beispielsweise mit finanziellen Aspekten zu werben, die gerade für Anwerber mit schlechtem Schulabschluss eine große Rolle spielen.

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse