Ludwig-Maximilians-Universität München
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Helfer in Not

Viele Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer gehen bei der Arbeit an ihre Grenzen. Burnout und Depression werden zur Berufskrankheit. Lehramtsstudentin für Mathematik und Psychologie Lena hat die psychische Belastung von Flüchtlingshelfern in ihrer Zulassungsarbeit zum Staatsexamen näher betrachtet.

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Eine Zeichnung im Kindergarten der Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf: Viele Kinder sind vom Krieg und ihrer Flucht traumatisiert.

„Ich habe einige gesehen, die sich beinahe aufgearbeitet haben.“ Wenn Lena von Ihrer Zeit als ehrenamtliche Helferin spricht, dann schlagen zwei Herzen in ihrer Brust. Lange organisierte sie in einem Helferkreis Deutschkurse und immer noch spürt man, wie sie für die Arbeit brennt. Andererseits spricht sie auch offen über die Schwierigkeiten, mit denen Helfer zu kämpfen haben. Es war also eine persönliche Entscheidung, als sich die Lehramtsstudentin „Psychische Belastungen in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe“ als Thema ihrer Zulassungsarbeit vorgenommen hat.

Flüchtlingsarbeit: Zwischen Hilfe und Selbstgefährdung

Weiblich, Anfang 50 und mit dem Leben zufrieden. Das ist der durchschnittliche Flüchtlingshelfer. Sie unterstützen die Flüchtlinge bei Arztbesuchen, Behördengängen oder geben Deutschkurse. Auch diese Daten waren wichtig für Lena. „Bevor ich mich der psychischen Belastung zuwenden konnte, habe ich Daten zu Alter, Geschlecht, Lebenszufriedenheit und Motivation erhoben. Damit können Rückschlüsse über besonders gefährdete Gruppen gezogen werden.“ 330 Flüchtlingshelfer nahmen an Lenas Studie teil. Die Teilnehmer zu finden, war mühsame Arbeit. Viele davon musste Lena einzeln anschreiben. „Die Rückmeldungen waren aber vollkommen positiv. Mein Vorteil war, dass ich über etwas geforscht habe, bei dem die Leute voll dahinter stehen und auch gerne darüber reden,“ erklärt sie. „Manchmal haben mich Menschen auch selbst angeschrieben und mir ihre Geschichte erzählt. Zum Beispiel eine Frau, die seit 15 Jahren mit Flüchtlingen arbeitet. Sie ist jetzt in psychologischer Behandlung und muss wohl aus der ehrenamtlichen Arbeit aussteigen.“

Das Einzelschicksal passt zu den Ergebnissen der Erhebung: Ehrenamtliche Helfer haben mit erheblichen Stressfaktoren zu kämpfen. Zwei Aspekte stechen besonders hervor. Die Konfrontation mit den Schicksalen der Flüchtlinge und die Frustration über die politischen Rahmenbedingungen scheinen die Helfer am meisten zu belasten. Zehn Prozent der Befragten gelten als gefährdet. Mögliche Auswirkungen: Burnout, Depression. Eine Lösung kann Lenas Studie nicht präsentieren, alleine mit Geld sei es aber nicht getan: „Schnellere Reaktionszeiten der Politik und eine bessere Unterstützung der Freiwilligen wären besser als einfach nur Geld. Eine Patentlösung gibt es aber wahrscheinlich nicht.“

lena_ploesch_200_webAuch nach der ehrenamtlichen Arbeit und der Zulassungsarbeit kommt Lena nicht von dem Thema weg: „Die Veröffentlichungen zum Thema Flüchtlingshilfe verfolge ich natürlich auch noch. Ich hoffe, dass meine Arbeit Grundlage oder zumindest Anlass für weitere Forschung sein könnte.“ Das Münchner Lehrerzentrum der LMU scheint mit ihr zu hoffen, denn Lena gewann eine Auszeichnung für eine herausragende Zulassungsarbeit. Mittlerweile unterrichtet sie hauptberuflich Berufsintegrationsklassen, in denen junge Menschen mit Migrationshintergrund innerhalb von zwei Jahren auf eine Berufsausbildung vorbereitet werden. Auch hier erlebt sie wieder, wie sich Freiwillige einsetzen und verausgaben. Und sie hofft, dass irgendwann auch den Helfern besser geholfen wird.

ps