Ludwig-Maximilians-Universität München
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Like mich doch am Arsch

Die am stärksten wachsende Social-Media-Plattform ist eigentlich nur pseudo-sozial. Laura Anders, Psychologiestudentin an der LMU, hat untersucht, wie Instagram und Selbstwert zusammenhängen. Sie zeigt: Es dreht sich vor allem ums Ego. Aber spielt es eine Rolle, woher die Likes kommen?

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Laura ist eine Spätzünderin im Social Web. Sie nutzte lange Zeit kein Instagram und so richtig hängt ihr Herz immer noch nicht daran. Zumindest nicht privat. Ihr Interesse ist wissenschaftlich. „Ich komme aus der icq-Generation. Damals konnte ich mir kaum vorstellen, was einmal nach Facebook kommen sollte. Und jetzt ist da Instagram. Die Hintergründe finde ich extrem spannend“, erzählt die Psychologiestudentin. Sie hat ihre Masterarbeit über die „Instafication“ geschrieben – über die Belohnungswirkung von Instagram. „Dass ich selber keine eifrige Nutzerin bin, sehe ich als Vorteil. So kann ich ein alltägliches Phänomen aus rein wissenschaftlicher Perspektive beobachten.“

„Follower statt Freunde“

Dass Facebook-Glück nicht gleich Lebensglück ist, haben Studien bereits gezeigt. Aber wie sieht das bei Instagram aus? „Im ersten Teil meiner Arbeit habe ich untersucht, wie Selbstwert, Statusgefühl und Feedbackwünsche miteinander zusammenhängen“, erklärt Laura. Das Ergebnis war erwartungsgemäß. Je niedriger der aktuelle Selbstwert oder das Statusgefühl, desto höher das Bedürfnis nach externem Feedback. Für Laura ist klar: Jeder Mensch hat ein Grundbedürfnis nach Bestätigung. Durch Instagram ist dieses Bedürfnis allerdings außer Proportion geraten. Angebot – überall und jederzeit – schafft nun einmal Nachfrage. „Dazu kommt, dass es mittlerweile möglich ist, tatsächlich Kapital aus Likes und Followern zu schlagen. Das verstärkt den egozentrischen Drang nach Selbstdarstellung und Bestätigung noch zusätzlich.“

Das Feedback auf Instagram ist eine Einbahnstraße. „Wir sind keine Freunde mehr, sondern Follower“, beobachtet Laura. „Das ist ein weiteres Zeichen dafür, dass es mittlerweile weniger um das Netzwerk und mehr um das Individuum geht. Eigentlich ist Instagram damit ein pseudo-soziales Netzwerk.“ Es zielt mit allen Mitteln auf das Ego der Nutzer ab. Statt Daumen werden Herzchen verteilt. „In Wirklichkeit stellt ein Like nur ein Minimum an Aufmerksamkeit dar. Instagram suggeriert jedoch, dass es mehr ist und spricht damit die emotionalen Bedürfnisse der Nutzer an.“

Quantität vor Qualität?

Pseudo-sozial – der Begriff für egozentrisch anmutende Netzwerke wie Instagram wurde unter anderem von Professor Sarah Diefenbach geprägt. Sie ist Professorin am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Organisationspsychologie der LMU und Betreuerin von Lauras Masterarbeit: „Digitale und nicht-digitale Welt verschwimmen heute immer mehr und wirken wechselseitig aufeinander ein. Das macht die Arbeit von Frau Anders und die Frage, ob uns „Lob“ durch einen Algorithmus genauso viel bedeutet wie die Anerkennung von Freunden so besonders interessant.“

Wenn das Selbstbewusstsein immer stärker von der Zahl der Likes abhängt, dann sollte es ja egal sein, woher die Herzchen kommen. Laura stellte allerdings fest, dass dem nicht so ist: „Im zweiten Teil meiner Masterarbeit hat sich gezeigt, dass zwischenmenschliche Interaktion doch noch eine Rolle im sozialen Netz spielt.“ Es kommt nämlich auf die Authentizität des Like-Gebers an. So werden Likes von fremden Menschen oft als wertvoller empfunden, als die Likes von Freunden. „Das hängt vielleicht damit zusammen, dass Fremde als kritischer und ehrlicher gesehen werden. Enge Freunde dagegen eher als loyal“, erklärt sie. „Weil Bots als naturgemäß unkritisch eingeschätzt werden, ist auch ihr Like wertlos, da es keine selbstwertrelevanten Informationen bereithält.“

Forschungspotential besteht laut der LMU-Absolventin auch nach ihrer Masterarbeit weiter. Während die Auswirkung von Facebook auf den Selbstwert und das Statusgefühl mittlerweile gut erforscht ist, ist Instagram noch ein weitgehend unerschlossenes Forschungsfeld. Künftig müssen allerdings andere die Forschung übernehmen. Laura hat eigene Pläne: „Promovieren will ich erstmal nicht, sondern das, was ich gelernt habe, in der Praxis einbringen.“
ps