Ludwig-Maximilians-Universität München
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Mehr als nur Goldmacherei

Sie widmeten ihr Leben dem Machen von Gold und der Suche nach der Unsterblichkeit – aussichtlos, wie man heute weiß. „Vom Durchhaltevermögen der Alchemisten kann man sich jedoch eine Scheibe abschneiden“, sagt Daniela Lilli. Für ihre Masterarbeit über die Alchemisten am Hof von Herzog Wilhelm V. von Bayern wurde sie von Lehre@LMU mit dem Forscherpreis für exzellente Studierende ausgezeichnet.

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Daniela Lilli präsentiert ihre Masterarbeit bei der Lehre@LMU-Preisverleihung.

Im schlimmsten Fall Scharlatan, im besten Fall verrückter Goldmacher: Das gesellschaftliche Gedächtnis war nicht gnädig gegenüber den alten Alchemisten. „Im Gegensatz zum allgemeinen Glauben wollten Alchemisten aber nicht nur Gold herstellen, sondern waren auch oft Ärzte oder Sachverständige im Bergbau.“ Geschichtsstudentin Daniela trennte für ihre Masterarbeit die Wahrheit vom Mythos. Alles begann ein halbes Jahr vor der Masterarbeit mit zwei Übungen - „Alchemie und Goldmacherei“ und „München im Mittelalter“. „Beides war so spannend, dass ich es unbedingt verknüpfen wollte.“

Diese Schnittstelle ist ein weitgehend weißer Fleck auf der wissenschaftlichen Landkarte. Dementsprechend viel Zeit verbrachte Daniela auch in Archiven und Bibliotheken. Historische Detektivarbeit war gefragt, denn das Leben der Alchemisten konnte meist nur anhand weniger Briefe oder Urkunden rekonstruiert werden: „Es handelte sich hierbei um handschriftliche Quellen, die zum besseren Lesen und inhaltlichen Auswerten erst einmal transkribiert werden mussten. Dabei war oft nicht nur die frühneuzeitliche Sprache ein Problem – manche Alchemisten und Fürsten hatten auch eine ziemliche Sauklaue“, erzählt sie. Ein weiteres Hindernis: Die Schreibweise der Namen in der Frühen Neuzeit. „Es gab keine feststehenden Schreibweisen, wie es sie heute gibt. Ein und denselben Menschen musste ich teilweise unter fünf verschiedenen Namen suchen.“

Ein gefährlicher Beruf

Danielas Masterarbeit zeichnet das Bild mehrerer Alchemisten, die im sechzehnten Jahrhundert am Hof von Herzog Wilhelm V. tätig waren. Das Interesse des Fürsten rührte, wie bei so vielen seiner Zeitgenossen, unter anderem von Geldnot und gesundheitlichen Problemen. Das machte ihn anfällig für Betrüger, wie Marco Bragadino. Bis zu seiner Hinrichtung zog er Wilhelm V. mit eindrucksvollen, aber sinnlosen Experimenten das Geld aus der Tasche. „Es ist heute leicht, die Alchemie in die Schublade von Magie und Aberglaube zu stecken. Man muss allerdings bedenken, dass der damalige Stand der Wissenschaft Transmutationen von unedlen Metallen zu Gold für möglich gehalten hat. Ebenso erschienen lebensverlängernde Elixiere vollkommen denkbar.“ Das machte das Leben des Alchemisten allerdings auch für Forscher mit tatsächlichem wissenschaftlichem Interesse gefährlich. Die Gefahr war groß, als Betrüger abgestempelt und zum Tode verurteilt zu werden.

In Zukunft will Daniela noch tiefer in die Welt der Alchemisten eintauchen: Mittlerweile promoviert sie an der LMU mit einem Fokus auf den Alchemikerkreis um Wilhelm zu Rosenberg. Der war zwar ein böhmischer Fürst, beschäftigte allerdings auch bayerische Alchemisten. „Ich hoffe, dass ich durch meine Arbeit nicht nur ein paar offene Fragen klären kann, sondern auch, dass ich meine Begeisterung für die Alchemie teilen und weitergeben kann“, erklärt Daniela ihre Motivation. „Alchemisten waren in ganz Europa verbreitet und auch heute kann man noch viel von ihnen lernen. Zum Beispiel, dass man nie zu viel versprechen sollte.“