Ludwig-Maximilians-Universität München
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Lehre@LMU

Lohn-Unzufriedenheit ist männlich

München, 08.03.2020

Leonie, Frederic und Bastian untersuchten, wie zufrieden die Deutschen mit ihrem Gehalt sind. Das Ergebnis: Männer legen mehr Wert darauf, dass ihr Lohn auch ihren Vorstellungen entspricht. Das könnte Rückschlüsse auf die Gender Wage Gap zulassen. Für ihre Untersuchung erhielten die VWL-Studierenden einen Lehre@LMU-Forscherpreis.

Leonie_1
LMU-Studentin Leonie (Foto: privat)

Auch im 21. Jahrhundert klafft noch eine Lücke zwischen Männern und Frauen, wenn es um den Verdienst geht. Laut des Global Gender Gap Report verdienen Frauen in Deutschland rund 21 Prozent weniger als Männer. Wie es zu dieser Ungerechtigkeit kommt, wollten die drei Bachelor-Studierenden Leonie, Frederic und Bastian herausfinden. „Uns war wichtig, dass unser Forschungsprojekt nicht nur eine Methodenübung ist, sondern auch gesellschaftliche Relevanz hat“, erzählt Leonie.

„Die zwei größten Strömungen in der Diskussion um die Gender Wage Gap sind der Cinderella-Komplex und die Lohndiskriminierungshypothese“, erklärt die VWL-Studentin. Der Unterschied: Lohndiskriminierung hieße, dass Frauen im Wettbewerb als weniger qualifiziert betrachtet und dementsprechend auch schlechter bezahlt werden. Die Hypothese des Cinderella-Komplexes lautet hingegen, dass Frauen sich selbstständig stärker in Richtung schlechter bezahlter Stellen, beispielsweise Teilzeitstellen, oder weniger wettbewerbsorientierter Wirtschaftssektoren orientieren. „Um diese Hypothesen kritisch zu hinterfragen, wollten wir herausfinden, wie sich die Höhe des Lohnes auf die Zufriedenheit von Männern und Frauen auswirkt.“

Riesige Datenmengen

Die Basis der Untersuchung bildete das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, das repräsentative Daten von rund 30.000 Deutschen beinhaltet. Laut Bastian biete das den perfekten Ausgangspunkt für eine umfassende Analyse: „Das SOEP enthält nämlich nicht nur Auskünfte zum Gehalt, sondern viele weitere Informationen zum beruflichen Werdegang und umfassende Selbsteinschätzungen.“

Frederic_2
Frederic nimmt den Lehre@LMU-Forscherpreis für sich und seine Kommilitonen entgegen. (Foto: LMU)

Aber wie eine Datenmenge von 2,6 Milliarden Sätzen vergleichbar machen? Hier kam Frederic ins Spiel. Er studiert neben Volkswirtschaftslehre auch noch Informatik an der LMU. Mithilfe eines Machine-Learning-Ansatzes, dem sogenannten Deep Learning, ließ er den Marktwert jedes einzelnen Individuums anhand seiner Persönlichkeitsmerkmale errechnen. „So haben wir für jeden Datensatz einen idealen Lohn erhalten, konnten ihn mit dem realen Lohn vergleichen und die beiden Werte mit der Lohnzufriedenheit in Verbindung bringen“, erklärt Frederic die Vorgehensweise. Dabei zeigte sich: Gerade Männer reagieren empfindlich auf positive und negative Abweichungen vom Ideallohn.

Work-Life-Balance – eine Genderfrage?

Bastian
VWL-Student Bastian (Foto: privat)

„Besonders hoch ist die Unzufriedenheit bei Männern, wenn sie weniger als ihren Marktwert verdienen“, fasst Bastian die Ergebnisse zusammen. „Umgekehrt steigt ihre Zufriedenheit auch stärker an als bei Frauen, wenn sie über ihrem Marktwert verdienen. Das lässt vermuten, dass Männer auch aktiver in Gehaltsverhandlungen gehen oder sich nach neuen Jobs umsehen.“ Diese Erkenntnis unterstütze zu einem gewissen Ausmaß die Hypothese des Cinderella-Komplexes, so die Studierenden. Frauen würden unter Umständen eher die Work-Life-Balance und nicht unbedingt das Gehalt priorisieren. Immerhin sei ihr Nutzengewinn dahingehend ja geringer.

Bezeichnend allerdings auch: Die geschlechterspezifischen Zufriedenheitsunterschiede verschwinden in der Personengruppe, die in den letzten fünf Jahren Vollzeit gearbeitet hat. Das würde hingegen die Hypothese stützen, dass persönliche Karrierewünsche enger mit der Lohnzufriedenheit zusammenhängen als gesellschaftliche Geschlechterdynamiken.

Für ihre Arbeit wurden die drei Studierenden mit einem Lehre@LMU-Forscherpreis ausgezeichnet. Aber auch die Erfahrungen, die die drei Studierenden während ihrer Forschungsarbeit sammeln konnten, entschädigten sie für ihren Aufwand. Sowohl Bastian als auch Frederic planen nun eine quantitative Datenanalyse als Bachelorarbeit. Leonie wiederum befindet sich momentan im Auslandssemester und muss sich eigentlich noch keine Gedanken zu ihrer Abschlussarbeit machen. Trotzdem sagt sie: „Ich kann mir schon vorstellen, auch später weiter zu der Thematik zu forschen, aber es wäre ein Traum, wenn die Gender Wage Gap bis dahin kein Thema mehr wäre.“