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Logbuch Digitale Lehre

Teil 1: Die ersten Wochen aus Dozentensicht

München, 11.05.2020

Die Aufregung war groß, aber die ersten Wochen sind geschafft. Grund genug, einmal bei den Dozentinnen und Dozenten der LMU nachzufragen: Wie war denn nun der Anfang des ersten digitalen Semesters?

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Julia Budka, Professorin für Ägyptische Archäologie und Kunstgeschichte:

„Eines ist wie immer – obwohl das Sommersemester noch ganz frisch ist, ist doch vieles wieder bereits Routine und der Alltag hat eingesetzt. Meine Lehrveranstaltungen laufen wie geplant, aber nun eben digital. Proseminar und Vorlesung lassen sich problemlos in einer Kombination von Zoom und Moodle stemmen, Hauptseminar und Übung erforderten etwas mehr Kreativität und sind teilweise auch auf offline Arbeiten/Lektüre umgemodelt worden. Allein die Museumsbesuche und Sitzungen direkt an Objekten fallen momentan leider aus – Ersatz gibt es hier immerhin durch virtuelle Rundgänge in Museen, die aktuell boomen.
Insgesamt war der Semesterstart aus meiner Sicht also problemlos und hat bislang auch technisch bestens geklappt – der Mehraufwand hielt sich bei mir dank bereits bestehender Moodle-Kurse auch sehr gering.

Etwas wurde mir trotz der digitalen Unterrichtsform sehr schnell klar: Wie sehr mir das Unterrichten eigentlich gefehlt hat und was für ein Motivationsschub eine gelungene Veranstaltung sein kann! Das klappt tatsächlich auch wunderbar mit Zoom, doch ist eine volle Unterrichtseinheit im Videoformat eindeutig anstrengender als eine normale Präsenzveranstaltung. Natürlich fehlt zur Normalität auch der Trubel, der Lärm am Gang, die Präsenz der Studierenden. Die verlassene Mensa beim Mittagsspaziergang mit meinem Hund steht symbolhaft dafür, dass aktuell eben nichts normal ist. Umso schöner und wichtiger finde ich die regelmäßigen synchronen digitalen Unterrichtseinheiten und das Zusammenkommen per Video!

Was ich auf jeden Fall auch nach der Corona-Krise beibehalten möchte, sind kleine Tests und Umfragen direkt bei der Vorlesung – hier hat das Digitale neue Wege der Interaktion aufgezeigt, die man im Hörsaal manchmal vermisst, vielleicht gerade von einer Generation, der es so leicht fällt, digital zu kommunizieren.

Der Anschein des reibungslosen Semesterstarts wird natürlich von den Nöten und Problemen vieler Studierender getrübt – finanzielle Sorgen, unzureichende technische Ausstattung und Betreuungsaufgaben treffen sehr viele. Das sind alles Aspekte der Corona-Krise, die sich nicht so leicht „ummoodlen“ lassen wie unser Unterricht."

lorenz_homeoffice_260_webStephan Lorenz, Lehrstuhlinhaber für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung sowie Prodekan der Juristischen Fakultät:

„Viele Sitzungen und ein gutes Ergebnis, so möchte man sagen. Seit der Schließung der Bibliotheken im März war klar, dass dieses Semester nicht wie gewöhnlich ablaufen kann. Sehr schnell hat sich die Fakultät in enger Zusammenarbeit mit unserem Studienbüro und in Abstimmung mit der Studierendenvertretung auf die digitale Lehre in ihrer ganzen Breite eingestellt. Ich persönlich hatte es damit leicht, weil ich seit Jahren meine Vorlesungen als Podcasts aufzeichne und damit zumindest mit dieser Technik gut vertraut bin: quasi ein Return on Investment in digitaler Lehre. Hinzu kommen bei mir digitale Live-Veranstaltungen über Zoom, die auf beiden Seiten eine gewisse Gewöhnung erforderten, welche nach meinem Eindruck allerdings schnell eintrat. Andere Kollegen nutzen das digitale Semester für neue Lehrformate, die im Präsenzbetrieb unseres Massenstudiums kaum darstellbar wären. Hart getroffen hat die Studierenden die Schließung der Bibliotheken für den Publikumsverkehr. Zwar hat die Fakultät die Möglichkeiten digitaler Recherche bedeutend erhöht, jedoch ersetzt das nicht den sozialen Aspekt des gemeinsamen Lernens in der Bibliothek.

Gespannt sind wir auf neue Prüfungsformen. Dank der Satzung der LMU zur Flexibilisierung von Prüfungen können nunmehr Online-Prüfungen durchgeführt werden, deren Planung im Detail nicht ganz einfach war. Der Praxistest steht noch aus – aber auch das werden wir schaffen.

Es zeigt sich, dass diese Krise eine Chance für einen anhaltenden Schub in der digitalen Lehre in sich birgt – wir wollen sie nutzen und uns nicht irgendwie „durchschummeln“. Alles in Allem: Es war ein guter Start.“

stich_homeoffice_260_webLucas Stich, Akademischer Rat am Institut für Electronic Commerce und Digitale Märkte:

„Am Institut für Electronic Commerce und Digitale Märkte haben wir uns bereits früh damit beschäftigt, unsere Veranstaltungen im Sommersemester 2020 möglicherweise ausschließlich digital anzubieten. Dadurch hatten wir ausreichend Zeit, um ein entsprechendes Konzept zu entwickeln und verschiedene Softwarelösungen und Tools für den Einsatz in der digitalen Lehre zu testen.

Ich denke, es war klar, dass dieses Semester mit einigen Herausforderungen verbunden sein wird und von allen Beteiligten ein gewisses Maß an Flexibilität und gegenseitigem Verständnis erfordert. Auf der anderen Seite bietet die aktuelle Situation aber auch Möglichkeiten für Innovation und kreative Lösungen in Forschung und Lehre. Meine Erwartungen an dieses Semester waren daher auch grundsätzlich optimistisch.

Nach den ersten zwei Semesterwochen kann ich sagen, dass wir bisher sehr positive Erfahrungen mit dem digitalen Semester gemacht haben. Natürlich entsteht an einigen Stellen zusätzlicher Aufwand. Zudem fehlt mir der direktere Kontakt zu den Studierenden im Hörsaal. Interaktiver Austausch und Diskussionen sind online, zumindest in größeren Veranstaltungen, definitiv etwas schwieriger umzusetzen. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass unsere Veranstaltungen auch in einem digitalen Format bisher gut funktionieren. Dazu zählen zum Beispiel die Kickoffs und ersten Meetings unserer Projektkurse, bei denen unsere Studierenden reale Aufgabenstellungen eines Praxispartners bearbeiten. Die digitale Zusammenarbeit mit den Unternehmen und deren individuellen Softwarepräferenzen gelingt hier bisher wirklich sehr gut. Auch mit unserem anwendungsorientierten Masterseminar „Data Analytics“, das einen stark interaktiven Ansatz verfolgt und üblicherweise in unseren Computerlaboren stattfindet, sind wir erfolgreich gestartet. An dieser Stelle möchte ich mich auch für die tolle Arbeit der IT-Abteilung unserer Fakultät für Betriebswirtschaft und des Teams der eUniversity bedanken.

Ich bin gespannt auf den weiteren Verlauf des Semesters. Im Augenblick arbeiten wir daran, unser digitales Lehrangebot weiter zu optimieren. Wir experimentieren mit Tools und Möglichkeiten, um die Elemente der Präsenzlehre, die uns online bisher fehlen (insbesondere ein Rückkanal für die Studierenden bei asynchronen Lehrformaten), so gut wie möglich zu ersetzen. Im Laufe des Semesters werden wir evaluieren, welche Formate und Elemente wir vielleicht auch nach der aktuellen Situation beibehalten wollen.“

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Thomas Prokosch, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Informatik:

„Als ich Ende des letzten Jahres gefragt worden bin, ob ich die Vorlesung „Programmierung und Modellierung" für das Bachelorstudium Informatik übernehmen möchte, freute ich mich nicht nur auf viele neue Gesichter, sondern auch insbesondere auf die Interaktivität im Hörsaal. Jedoch mit der Bekanntgabe, dass es aufgrund der Corona-Pandemie in der Informatik zunächst keine Präsenzlehre geben wird, machte sich Enttäuschung breit, denn bei großen Vorlesungen ist Videotelefonie schon alleine aus technischen Gründen schwierig.

Wie kann man also die Interaktivität zwischen Studenten und Dozenten möglichst gut auf Online-Lehre übertragen? Ich wusste, dass eine Umsetzung der Vorlesung mithilfe von vor-aufgezeichneten und passiv konsumierten Videos zur Bewahrung der Interaktivität nicht ausreichen wird, und setzte mich daher stark für einen Videostream ein, den die Studenten live mitverfolgen können. Zur Realisierung dieses Videostreams entschieden wir uns letztlich für die Software Zoom, für die wir kurzfristig und unbürokratisch von der LMU eine Großlizenz erhalten haben; vielen Dank dafür! Wir regten auch die Einrichtung einer Diskussions-Software an, in der sich Studenten und Mitarbeiter in kleinen und auch größeren Gruppen miteinander vernetzen können. Diese Software ist unerlässlich für den Übungsbetrieb und wird auch darüber hinaus von den Studenten ausgezeichnet angenommen.

Die interaktive Online-Vorlesung funktioniert folgendermaßen: Während ich als Dozent den Studenten wie in einem Hörsaal die Lehrinhalte erkläre, sichtet mein Kollege Felix Weitkämper die von den Studenten schriftlich gestellten Fragen und lässt mir diese in einem geeigneten Moment zukommen. Auf diese Weise können sich die Studenten Gehör verschaffen und die Vorlesung wird lebendig! Weil ich mich rein auf die Lehrinhalte konzentrieren kann, hat sich ein Student zu der Bemerkung hinreißen lassen, die Vorlesung sei besser als im Hörsaal. Dies ist ein sehr schönes Lob, welches uns auch zeigt, dass wir scheinbar unserem Anspruch gerecht geworden sind, ein gutes Lehrformat zu entwickeln, welches uns leicht durch diese schwierige Zeit bringt.“

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Neue Traditionen dank Homeoffice: Professor Lipfert und seine Mitarbeiter stoßen nun gemeinsam per Videokonferenz auf eingereichte Paper an.

Jan Lipfert, Professor und Prodekan an der Fakultät für Physik:

„Das Sommersemester 2020 wird uns allen in Erinnerung bleiben: Die fast komplette Umstellung auf digitale Lehre ist vermutlich die größte Umstellung des Lehrbetriebs – in Friedenszeiten – in der über 500-jährigen Geschichte unserer Universität!
Ich muss sagen, dass ich beeindruckt bin, mit welchem großen Engagement und enormer Bereitschaft Studierende und Lehrende diese Herausforderung angehen.

Ich halte aktuell eine Mastervorlesung im Wahlpflichtbereich live über Zoom. Zusätzlich stelle ich die Aufzeichnungen über LMUcast zur Verfügung. Zur Wiederholung und für Studierende, die nicht online an den Vorlesungen teilnehmen können. Darüber hinaus stelle ich Materialien auf der Vorlesungswebseite zur Verfügung. Die Anzahl der Teilnehmer ist ähnlich oder sogar etwas höher als in den letzten Semestern. Viele sind aktuell allerdings gar nicht in München; zwei Studierende nehmen z.B. aus Norditalien teil. Selbst wenn in München wieder Präsenzveranstaltungen angeboten werden, müssen wir bedenken, dass manche unserer Studierenden vielleicht noch in Quarantäne sind.

Zum Glück hatte ich bereits Erfahrungen mit dem Einsatz von digitalen Medien in der Lehre. Zum Beispiel hatte ich schon vor einigen Jahren eine zweisemestrige Vorlesung aufgezeichnet und im LMUcast zur Verfügung gestellt. Auch in Präsenzvorlesungen nutze ich häufig eine Mischung aus fertigen Folien und geschriebenen Herleitungen auf einem Tablet. Aktuell bemühen sich alle Stellen sehr, Ressourcen für die digitale Lehre zur Verfügung zu stellen, und dieses Engagement schätze ich enorm. Allerdings muss man schon auch selbstkritisch sagen, dass die LMU digital zum Teil bislang nicht sehr gut aufgestellt war. Ich hoffe, dass uns die aktuelle Umstellung eine große Motivation ist, auch nach der Krise in diesem Bereich massiv zu investieren.

Die ungewöhnliche Situation zwingt uns, zu experimentieren und ungewohnte Dinge auszuprobieren – etwas, das ja gerade Naturwissenschaftler durchaus schätzen. Wie bei allen Experimenten werden einige Dinge nicht gut funktionieren und wieder verworfen, wenn sich die Situation normalisiert. Gleichzeitig bin ich mir aber sicher, dass es auch bei diesem Experiment überraschende Erkenntnisse und neue Einsichten geben wird, die uns bereichern und ganz neue Möglichkeiten aufzeigen.“

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