Ludwig-Maximilians-Universität München
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Kunst und Multimedia

LMU goes Ars Electronica - digital

München, 11.09.2020

Studierende des Bachelors Kunst und Multimedia, eines interdisziplinären Studiengangs der Kunstpädagogik und Medieninformatik, stellen ihre Projekte bei dem international bekannten Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft Ars Electronica aus. Eine Ausstellung? Nicht so ganz. Denn pandemiebedingt wurde das Konzept des Festivals neu überdacht und so werden die Studierenden ihre Projekte über einen Livestream vorstellen. Wie das geht? Mit viel Geduld und Abstimmung.

Ein Ausschnitt aus der Installation „STORIES OF AN INSTANT".

Es ist laut. Und dann wird es leise. Der Straßenlärm verwischt mit leichten Naturgeräuschen. Es wird heller, plötzlich sind da Bäume, eine Wiese. Weiter vorne sind Blumen, die sich in einer leichten Brise wiegen. Noch ein Schritt eröffnet eine ganz andere Welt, diesmal tiefer im Wald, es ist dämmrig und ein kleiner Bach spiegelt die Sonnenstrahlen. Idylle. Dann nehme ich die Kopfhörer ab, klappe den Laptop zu und bin sofort wieder von Motorenlärm und Stimmengewirr umgeben. Großstadtchaos.

Auf meinem Laptop lief die VR-Installation von Studierenden des Bachelors Kunst und Multimedia, die in einem multidisziplinären Seminar mehrere Projekte erarbeitet haben. TRANSCENDENCE, so heißt die Natur-Installation, soll einen Rückzugsort für Menschen schaffen. „Wir hätten uns während der Pandemie unbedingt einen ruhigen Ort gewünscht. So entstand die Idee, die Natur in einem VR-Projekt zu den Menschen nach Hause zu bringen“, erzählt Finja, die zusammen mit Melissa, Yvonne und Julia für die technische Umsetzung verantwortlich war. Am kommenden Samstag wird TRANSCENDENCE zusammen mit den weiteren Projekten ausgestellt und das geht so:

Ars Electronica und der Garden Bavaria

Im Sommer 2019 entstand die Idee für ein multidisziplinäres Seminar, gemeinsam mit der Hochschule Augsburg, der LMU, der TUM und dem XR HUB Bavaria: Sensing extendend realities. „Bei der Besprechung kam uns schnell der Gedanke, das Seminar auf die Auswirkungen der digitalen Technologien auf Individuen und Gesellschaft zu fokussieren. Genauer: Was verändert sich im Hinblick auf den Einsatz der menschlichen Sinne? Wie verändert sich die Wahrnehmung, wenn vermehrt im virtuellen Raum gehandelt wird?“, erzählt Dr. Karin Guminski, die das Projekt an der LMU gemeinsam mit ihrer Kollegin Aida Bakhitari leitet. Dass das Thema bald so aktuell werden würde, konnte da noch niemand genau wissen. Mit dem Ausbruch der Pandemie geriet die Thematik aber plötzlich in die Medien.

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Being exposed to everything" – ein Zitat aus einem der Interviews, das die Studierenden der 

STORIES OF AN INSTANT-Installation führten. 

Kepler´s Gardens

Wie genau funktioniert das denn jetzt mit dem Festival? „Das war auf jeden Fall ein Prozess“, schmunzelt Guminski. „Wir haben uns in Zusammenarbeit mit dem XR HUB und den anderen Partnern bei der Ars Electronica beworben. Dabei war noch nicht klar, wie das alles ablaufen würde.“ Die Details des Events kamen dann mit der Zeit zustande: Neben Podcasts und Online-Vernetzung in virtuellen Räumen gibt es auch Talks, Panels, Livestreams und Chatportale, die einen Austausch über die Installationen und Kunstwerke ermöglichen. Dabei wird ein kleiner Bruchteil der Veranstaltung vor Ort in der Johannes-Kepler-Universität in Linz stattfinden, draußen, in den Gärten. „Daraus entstand dann die Idee der vernetzten Gärten. Wir haben mit unserem Projekt dann den virtuellen Raum des Garden Bavaria gegründet. Inzwischen sind 120 Gärten aus der ganzen Welt dabei. Das ist beeindruckend.“

Zwischen Wäldern und vernetzten Welten

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Ein Ausschnitt aus der TRANSCENDENCE-Installation. Die Teilnehmer:innen können sich frei bewegen und etwa dem Rauschen des Baches folgen.

„Bei Projektbeginn saßen wir alle noch in der Isolation, über ganz Deutschland verteilt“, erinnert sich Melissa. „Das war superseltsam, sich plötzlich nur noch über Zoom austauschen zu können.“ Das Konzept hinter dem Seminar ließ den Teilnehmer:innen viel Raum für Kreativität. In München bildeten sich zwei Projektgruppen, denen sich Studierende der TU und LMU zuordneten. Die eine Gruppe, STORIES OF AN INSTANT, hinterfragte die coronabedingten Auswirkungen. „Es war uns total wichtig, Menschen eine Plattform zu bieten, die sonst eher nicht in den Medien gezeigt werden. Klar, es wurden Mediziner:innen und Eltern interviewt. Aber wir haben uns gefragt: Wie geht es denn der alten Dame von nebenan, der Journalistin in Hongkong oder der Lehrerin in Spanien?“ Die Projektgruppe führte auf internationaler Ebene Interviews durch und installierte diese in einer VR-Experience. Besucher:innen können sich dann selbstständig durch die virtuellen Gänge bewegen und dabei den Interviews zuhören. Das geht übrigens auch mit der Desktop-Version.

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Bei dem VR-Experience können die Teilnehmer:innen aktiv mitmachen. Je näher sie einem Objekt kommen, desto deutlicher können sie die Interviews hören, die damit verknüpft sind. 

Die zweite Projektgruppe, TRANSCENDENCE, beschäftigte sich mit der Isolation selbst. „Wir haben uns total eingesperrt gefühlt“, erzählt Finja. „Diese Isolation in einer Großstadt, in WG-Zimmern oder im Elternhaus, haben viele von uns als sehr einengend wahrgenommen. Man konnte ihr nicht entkommen.“ Deshalb entstand der Gedanke, einen virtuellen Raum der Ruhe zu gestalten, einen Rückzugsort aus der Isolation. Öffnet man nun das Video, gleitet man durch malerische Wälder, hört den Bach plätschern oder Vögel zwitschern. „Die Natur war für uns ein Ort der Sicherheit und der Ruhe. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, sie in einem virtuellen Raum darzustellen.“

„Kunst entsteht vor allem zwischenmenschlich“

Das Projekt wurde, wie die meisten Seminare, online abgehalten. „Das war nicht immer leicht“, erinnert sich Dozentin Aida Bakhitari. „Denn gerade die Kunst ist auf ein Miteinander und eine gute zwischenmenschliche Verbindung direkt angewiesen.“ Karin Guminski kannte die Studierenden schon aus anderen Semestern, das machte es leichter. „Wir haben natürlich versucht, über ein Online-Treffen mit allen Beteiligten eine gemeinsame Bindung aufzubauen, die Studierenden haben sich auch untereinander vernetzt und online Brainstorming betrieben.“ Um die Ideen dann in die Tat umzusetzen, wurden die Studierenden kreativ. Denn auch die Labore waren gesperrt und so arbeiteten viele mit eigenem Equipment oder konnten auf die Leihgaben des XR HUBs zugreifen. „VR-Installationen sind sehr anspruchsvoll. Der multidisziplinäre Zusammenschluss hat sehr geholfen, denn so konnten die TUM, die Hochschule Augsburg und der XR HUB die eigene Expertise miteinbringen und somit neue Perspektiven zu dem Thema schaffen.“

Ein Klick zur internationalen Sichtbarkeit

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Die Studierenden haben einen Großteil des Projekts online miteinander erarbeitet. Hier die Projektgruppe von STORIES OF AN INSTANT.

Am Samstag, dem 12. September, öffnen die Studierenden den Livestream zu ihrer Ausstellung. „Wahnsinn.“ Lucas ist voller Vorfreude. „Spannend wird, glaube ich, auch der Livechat. Ich freu mich total darauf, in den Austausch mit allen Zuschauer:innen zu treten.“ Zusätzlich zu dem Livestream können dann übrigens auch die wissenschaftlichen Paper der TUM-Studierenden heruntergeladen werden, die sich vor allem aus der sozialwissenschaftlichen Perspektive mit in die Projekte eingebracht haben. „Vor einem Jahr noch sind wir selbst über das Festival gelaufen und waren total beeindruckt. Jetzt hier selbst auszustellen, das ist ein wahrgewordener Traum.“ Viktoria schmunzelt. „Das wird toll!“


Events

Freitag, 11. Sep 2020, 19:00 - 20:00 Uhr
PRE PARTY: MEET THE CREATORS

Samstag, 12. Sep 2020, 14:00 - 14:15 Uhr
STORIES OF AN INSTANT

Samstag, 12. Sep 2020, 14:30 - 14:45 Uhr
TRANSCENDENCE

Berichterstattung zu den Projekten.