Ludwig-Maximilians-Universität München
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Deutschlandstipendiat Tobias Jäger

Vom Geförderten zum Förderer

München, 20.08.2018

Tobias Jägers Leben ist geprägt von Dankbarkeit. Dankbarkeit darüber, dass seine Eltern ihm trotz insgesamt sieben Kindern ein Studium ermöglicht haben. Dass ältere Studierende ihm im ersten Semester geholfen haben, sich im Uni-Alltag zurechtzufinden und in München Fuß zu fassen. Und besonders darüber, dass der Alumniverein der Tierärztlichen Fakultät ihm mit der Übernahme eines Deutschlandstipendiums bei seinem Studium finanziell unterstützt. Jetzt will Jäger nicht länger nur dankbar sein, sondern anderen Menschen etwas zurückgeben.

Foto: Philipp Thalhammer / LMU

„Das kann doch nicht sein!“ Tobias Jäger war völlig überrascht, als er hörte, dass noch kein anderer Stipendiat auf die Idee gekommen ist. Für ihn ist es völlig selbstverständlich, nicht nur zu nehmen, sondern anderen etwas zurückzugeben. Obwohl der Tiermedizinstudent im elften Semester wegen der hohen Lebenshaltungskosten in München selbst wenig Geld hat, will er anderen Studierenden ein Deutschlandstipendium finanzieren. „Dankbarkeit schenken – Stipendiaten für Stipendiaten“ nennt sich die Initiative auf Facebook.

Beim Deutschlandstipendium können Unternehmen, Stiftungen, Vereine und Privatpersonen mit 150 Euro im Monat Studierende unterstützen, die neben guten Leistungen Verantwortung im sozialen Umfeld übernehmen oder erfolgreich Hindernisse im eigenen Lebensweg gemeistert haben. Als Belohnung verdoppelt das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Spende, die bei den Studentinnen und Studenten ohne Abzüge ankommt.

Zuerst wollte Jäger selbst 150 Euro auf die Seite legen und Förderer werden. „Ich habe aber schnell erkennen müssen, dass ich das trotz Bafög und Nebenjobs nicht gestemmt bekomme“, erzählt er. Daher versucht er es jetzt mit Crowdfunding und rührt bei den anderen Stipendiaten kräftig die Werbetrommel. „Bisher habe ich nur positives Feedback erhalten“, berichtet der 30-Jährige. Viele hätten bereits ähnliche Gedanken gehabt, aber keiner war bisher bereit, das Ganze in die Hand zu nehmen.

Stipendium vom Skriptenverein
Ein Stipendium ist durch Jägers Engagement bereits entstanden. Seit dem Sommersemester fördert der Skriptenverein der Tierärztlichen Fakultät einen Studenten. Der Verein verkauft Skripte, die von Studierenden geschrieben wurden, die beim Lernen weiterhelfen. Jäger ist erster Vorsitzender und konnte den Vorstand und die Vereinsmitglieder von seiner Förderidee überzeugen. „Da wir ein wohltätiger Verein sind, hat das auch unsere Satzung zugelassen“, erklärt der gebürtige Mindelheimer.

Doch auch das war Jäger noch nicht genug. „Da muss noch mehr gehen“, dachte er sich. Also schrieb er gemeinsam mit zwei anderen vom Alumni-Verein geförderten Stipendiaten potenzielle Förderer an – von Herstellern für Tiermedizin bis zu Tierspielzeug. Mit Unterstützung von Alejandra Riedmiller, der Programmkoordination des Deutschlandstipendiums an der LMU, wurden 60 Briefe an Unternehmen verschickt. „Dadurch konnten wir zusätzliche Förderer gewinnen“, berichtet der Stipendiat stolz.

Warum Jäger das alles macht? „Ich habe einfach das Bedürfnis zu helfen“, sagt er. Obwohl er dieses Jahr sein Staatsexamen ablegt, will er sich wie in den letzten Jahren auch wieder in der sogenannten Orientierungsphase als Tutor um die Erstsemester kümmern. Nur während seines Praktischen Jahres musste er pausieren. Ziel ist es, den neuen Kommilitonen den Studieneinstieg zu erleichtern und dabei zu helfen, in einer fremden Stadt neue Leute kennenzulernen. „Ich bin mega dankbar, dass sich die Studierenden damals um mich gekümmert haben“, erklärt er. Da sei es nur konsequent, das zurückzugeben.

Jobben im Familienbetrieb
Von Jägers Lebenseinstellung profitieren auch seine Eltern. Obwohl sie selbst Nichtakademiker sind, unterstützten sie seinen Wunsch, an die Uni zu gehen. Nicht selbstverständlich bei insgesamt sieben Kindern. Im Gegenzug hilft Jäger bis heute in seiner freien Zeit seinem Vater, der ein Garten- und Landschaftsbauunternehmen führt. „Das half mir schon früh zu erkennen, dass sich Ziele nur mit harter Arbeit und Einsatz erreichen lassen“, sagt er.

So lässt sich auch erklären, warum Jäger sich trotz zwölf Semestern Wartezeit nicht vom Tiermedizin-Studium abbringen ließ. In dieser Zeit arbeitete er in der Filmbranche als Kameraassistent. „Ich hatte schon immer Tier und Film im Kopf“, erzählt er. Als Kind wollte er Tyrannosaurus-Rex-Forscher werden, nach dem Abitur Cineast. Also verband er beides. Als er endlich zum Tiermedizin-Studium zugelassen wurde, war er trotz der „schönen Erfahrung“ als Kameraassistent sehr froh.

Ob Jäger nach dem Staatsexamen selber einen Deutschlandstipendiaten unterstützen wird? „Ich möchte danach meinen Doktor machen“, sagt Jäger. In dieser Zeit werde das Geld wohl leider auch noch nicht reichen. Aber sobald er endlich genug verdiene, werde er einen Stipendiaten fördern, verspricht er. Ihm habe die Unterstützung so sehr geholfen. „Ich werde das Thema daher nicht aus den Augen verlieren, nur weil ich mit dem Studium fertig bin.“