Ludwig-Maximilians-Universität München
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Klimawandel

Die Last des Risikos

München, 20.09.2019

Sturm, Hochwasser, Dürre: Extremereignisse werden häufiger und intensiver. Sie treffen vor allem die Ärmsten der Armen. Der Geograf Matthias Garschagen untersucht, wie sich Stadtgesellschaften an den Klimawandel anpassen können.

Verwüstung nach dem schweren Sturm: Beira, Mosambik, März 2019. Foto: imago images / ZUMA Press

Nur ein paar Stunden tobte der Sturm über Mosambik. Für das Land aber und seine Bevölkerung war der Zyklon Idai ein Desaster. Etwa 1000 Menschen starben, drei Millionen waren danach auf Hilfe angewiesen. Doch nach diesem ersten Schlag im März dieses Jahres folgte nur einen Monat später der zweite: Kenneth, ein weiterer schwerer Wirbelsturm, verwüstete das Land. Und noch ist nicht ausgemacht, ob und wie schnell es sich von dieser Sturmsaison 2019 erholt.

Die afrikanische Ostküste liegt in der Zugbahn vieler Wirbelstürme, die sich über dem Indischen Ozean aufbauen. Auch wenn Idai womöglich nicht ganz ins Muster passt: Mit dem Klimawandel haben sich die Risiken von Naturkatastrophen in vielen Regionen der Welt dramatisch verschärft. Die Gefahr von Extremereignissen ist deutlich gestiegen: Wirbelstürme, Überflutungen, aber auch Dürren oder Hitzewellen – die Statistiken weisen ein deutliches Plus aus, was ihre Häufigkeit und Zerstörungskraft angeht. Modellierungen lassen zudem vermuten, dass sich dieser Trend mit dem Klimawandel weiter fortsetzt und teilweise sogar beschleunigt.

Matthias Garschagen analysiert, was Stürme, Überschwemmungen und Hitzewellen besonders verheerend macht. Er sucht dafür allerdings nicht nur nach den physikalischen Ursachen der Zerstörungskraft, sondern vor allem nach den politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Gründen, die eine Stadtgesellschaft oder auch nur einzelne Bevölkerungsgruppen verwundbar machen. Verwundbarkeit – das ist der Begriff, der sich in Fachkreisen eingebürgert hat, um die Anfälligkeit von Gesellschaften gegenüber den erwähnten Naturgefahren zu fassen. Vor allem aber untersucht der Geograf auch, welche Möglichkeiten der Anpassung Städte haben, um die Auswirkungen solcher Extremereignisse möglichst klein zu halten.

Er komme ursprünglich aus der klassischen Katastrophenforschung, sagt Garschagen über seine Berufsbiografie. Mit den Jahren aber habe sich – sozusagen aus aktuellem Anlass – der Fokus seiner Forschung immer stärker darauf gerichtet, wie sich Städte auf die Folgen des Klimawandels einstellen können. Mehrere Jahre lang leitete er eine Abteilung bei der United Nations University (UNU), dem „akademischen Arm“ der Vereinten Nationen. In Bonn unterhält sie das Institute for Environment and Human Security. Seit Frühjahr 2019 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Anthropogeographie mit Schwerpunkt Mensch-Umwelt-Beziehungen an der LMU. Außerdem ist er leitender Autor im Weltklimarat IPCC.

Wo die Wohlhabenden sich nicht wohnen wollen

Mosambik ist für Garschagen ein gutes Beispiel dafür, wie die arme Hälfte der Menschheit eine „doppelte Last“ der Ungleichheit trägt – durch das globale Entwicklungsgefälle und die ungleich verteilten Risiken des Klimawandels. Schon die groben Kennzahlen weisen das Land als eines der ärmsten der Welt aus. Fast zwei Drittel der Bevölkerung leben von weniger als 1,90 Dollar am Tag, schrieben Garschagen und sein Kollege Mark Pelling vom Londoner King’s College in einem ausführlichen Kommentar im renommierten Fachblatt Nature. Im Entwicklungsindex der UN steht Mosambik ganz unten: auf Platz 180 von 189 Staaten. Gleichzeitig aber gehört der Staat zu den drei am stärksten vom Klimawandel bedrohten Ländern Afrikas.

Doch auch das bildet nur einen Teil der Wirklichkeit ab, argumentiert Garschagen. Denn solche Durchschnittszahlen vermittelten ein verzerrtes Bild davon, wie hart es einzelne Bevölkerungsgruppen treffen kann. Die Ärmsten der Armen etwa leben innerhalb von Städten häufig in den Lagen mit höchster Exposition gegenüber Hochwassergefahren, etwa an Flussläufen – dort wo wohlhabendere Bevölkerungsteile nicht siedeln möchten. Gleichzeitig haben die Ärmsten die schlechtesten Grundvoraussetzungen, eintretende Extremereignissen bewältigen zu können. Für Nigeria etwa haben Wissenschaftler die Effekte dieses ungleich verteilten Risikos beziffert. Die ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung verlieren danach bei einem Hochwasser mit 50 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit ihr Leben, ihre Existenzgrundlage oder ihre Gesundheit als der Durchschnitt in Nigeria. Noch weit deutlicher sind die Unterschiede für das Risiko, von einer Dürre oder Hitzewelle besonders stark betroffen zu sein.

Umwelt und menschliche Sicherheit: Garschagen hat in seiner Arbeit reichlich Erfahrung dazu in einigen Weltregionen gesammelt, gerade auch in Ländern, in denen aufstrebende Ökonomien einen besonders starken Veränderungsdruck erzeugen. In diesem Herbst ist der Münchner Geograf wieder in Vietnam. Garschagen kennt den sozialistischen Staat mit dem straffen Ein-Parteien-System gut, er hat längere Zeit dort zugebracht. Vietnam gehört zu den Staaten, die mutmaßlich besonders stark mit dem Klimawandel zu kämpfen haben werden. Bereits jetzt verzeichnet die Hauptstadt Saigon eine merkliche Zunahme von Hochwasserereignissen. Der Trend wird bislang vor allem durch das starke Stadtwachstum und unzureichende Kanalisationssystem bedingt, erlaubt aber einen Blick in die Zukunft, wenn Meeresspiegelanstieg und eine Zunahme an Starkniederschlägen das Problem weiter verschärfen werden. Städte in Zentralvietnam wie Hue oder Da Nang sind zudem von Wirbelstürmen betroffen, die in ihrer Intensität zunehmen. Wie also sehen gerade in solchen dynamischen Gesellschaften, deren ökonomische und soziale Entwicklung so schwer zu prognostizieren ist, künftige Risikotrends aus? Und welchen Anteil hat der Klimawandel?

Wann ist die wirtschaftliche Existenz zerstört?

Werden diese Städte irgendwann kollabieren? „Die Städte als solche werden das nicht. Auch Vietnam als Staat ist inzwischen wohlhabend genug, um mit einigen Widrigkeiten umgehen zu können.“ Wichtiger ist für Garschagen eine andere Frage: Wie lang können auch die ärmsten zehn Prozent der Bevölkerung durchhalten? Wann ist deren wirtschaftliche Existenz zerstört? Kann der kleine Händler sich überhaupt noch ökonomisch erholen, wo doch die Stürme der letztjährigen Saison seinen Laster und sein Lager zerstört haben? „Es sind solche Fragen nach den Limits der Adaptation, die uns auch beim Weltklimarat IPCC derzeit umtreiben. Und dabei geht es um die Schwächsten in der Gesellschaft und nicht um den Durchschnitt“, betont Garschagen.

Doch oft ist das Risikomanagement weit von sozialer Gerechtigkeit entfernt. Dafür kennt Garschagen einige Beispiele. Bei dem verheerenden Hochwasser in Bangkok im Jahre 2011 etwa haben die Behörden, um die Regierungs- und Palastbezirke in der Innenstadt vor der Überschwemmung zu bewahren, umliegende ärmere Quartiere „schlichtweg volllaufen lassen“, berichtet er. In Kalkutta haben Stadtplaner und Investoren einen großen innerstädtischen Bereich, den Salt Lake District, weitgehend überschwemmungssicher gemacht. Sie haben das Land höher gelegt, Pumpen installiert, Schleusen und Dammsysteme – ein gigantischer Aufwand zum Hochwasserschutz. Heute wohnt in dem Gebiet eine wohlhabende Bevölkerung. Doch in seinem Umkreis wachsen informelle Siedlungen derjenigen, die für die Reichen Dienstleistungen erledigen. Diese Menschen leben mit einem nochmals höheren Risiko, weil dort zusätzlich das Wasser aufläuft, das in den geschützten Bereichen abgepumpt wird. So gehen derlei Prestigeprojekte an einer Lösung vorbei, weil sie die Frage der sozialen Verwundbarkeit völlig ausklammern, kommentiert Garschagen.

Noch größer sind die Probleme in der indonesischen Hauptstadt Jakarta – und noch größer gedacht ist die vermeintliche Lösung. Die Zehn-Millionen-Metropole versinkt im Untergrund; in den am stärksten betroffenen Bezirken sackt der Boden zwischen fünf und zehn Zentimeter pro Jahr ab, eine atemberaubende Geschwindigkeit. Die Ursache sind vor allem die vielen illegalen Grundwasserentnahmen, derer die Stadtverwaltung nicht Herr wird. Schon heute liegen viele Quartiere unter dem Meeresspiegel, einige mehr als einen Meter; provisorische Betonmauern sollen sie vor der Überflutung bewahren. Bis 2030 könnten 80 Prozent der Stadtfläche betroffen sein, schätzen Experten.

Ein riesiger Damm vor Jakarta

Seit Jahren schon läuft darum ein gigantisches Bauprojekt: Ein riesiger Damm, mehr als 30 Kilometer lang, Dutzende Meter hoch, soll die Bucht von Jakarta abriegeln. Riesige Pumpen, so das Konzept, werden in seinem Schutz ein Bassin entstehen lassen und die Pegelstände der gut 20 Flüsse regulieren, die die Stadt durchziehen. Um das sündteure Megaprojekt zu refinanzieren, werden private Investoren Luxus-Immobilien entlang der Küstenlinie entwickeln. Die angestammte Bevölkerung soll umgesiedelt werden, der ohnehin starke Urbanisierungsdruck wird sie womöglich in hoch exponierte Lagen treiben.

Für Garschagen knüpft sich daran die wissenschaftliche Frage, ob großtechnische Lösungen wie diese eine „Transformation“ des Risikomanagements herbeiführen können, einen Befreiungsschlag sozusagen, der es auf eine andere Ebene hebt. In einer Studie hat er zusammen mit Bonner Kollegen die verfügbaren Daten im Fall Jakarta bewertet. Das Urteil der Forscher fällt ernüchternd aus: „Die Strategie zementiert eher das gängige Paradigma des Risikomanagements, als es zu transformieren – den Grundsatz, die Auswirkungen der Flut zu kontrollieren anstatt die menschengemachten Ursachen anzugehen.“ Die ökologischen und sozialen Kosten seien zudem hoch, der Langzeitnutzen umstritten.

Für Garschagen zeigt das Beispiel Jakarta deutlich: Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob die Anpassung an den Klimawandel technisch und finanziell machbar ist. „Die Instrumente dafür sind bekannt. Die größte Herausforderung halten politische und institutionelle Fragen bereit: Wie bekommen wir das Ganze gerecht aufs Gleis gesetzt?“ Gerade hat Garschagen in Jakarta ein neues Projekt gestartet, um künftige Risikotrends und Anpassungsoptionen zu erforschen. Die Frage, wie es in Zukunft um die soziale Verwundbarkeit der Stadtgesellschaft steht, hänge maßgeblich auch an globalen ökonomischen Fragen: Wie entwickeln sich transpazifischer Handel und internationale Handelsabkommen? Welche Weichenstellungen heute machen die Anpassungsstrategie zukunftsfähig, machen sie robust gegenüber zukünftigen Risikoverläufen und gleichzeitig nachjustierbar? Und nicht zuletzt: Wie lässt sich eine Partizipation der Betroffenen an der Entscheidungsfindung sicherstellen?

Garschagens Team arbeitet mit einer Mischung aus klassischen Methoden der empirischen Sozialforschung und neueren Szenariotechniken. Die Wissenschaftler interviewen Entscheidungsträger, Schlüsselakteure aus der Zivilgesellschaft, die betroffene Bevölkerung, Vertreter der Wirtschaft. Sie machen große Haushalts-Surveys, um ein Bild vom Status quo zu bekommen. Wie steht es mit der sozialen Verwundbarkeit? Wie gehen die Betroffenen mit Risiken um? Wie hoch ist zum Beispiel die Bereitschaft, eine Versicherung abzuschließen? Mit innovativen Szenariotechniken und Modellen wollen die Wissenschaftler dann mögliche Zukunftspfade abbilden, die künftige Stadtentwicklung und Formen sozialer Entscheidungsfindung fassen.

Eine halbe Milliarde Menschen mehr

Seit einigen Jahren lebte erstmals in der Menschheitsgeschichte mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, Tendenz weiterhin stark steigend. Zur Mitte des 21. Jahrhunderts wird der Anteil womöglich bereits bei zwei Dritteln liegen. Und immer, wenn es um städtische Wachstumsdynamiken ging, auch um die Risiken und die Kehrseiten einer ungebremsten Urbanisierung, galten die Megastädte, die riesigen Agglomerationen, die von ihrer schieren Größe schon bald viele Kapitalen der westlichen Welt in den Schatten stellten, als das Maß der Dinge. Doch noch schneller, so schrieben Garschagen und Kollegen aus Deutschland, den USA und Uganda in einem weiteren Beitrag in Nature, wachsen die Klein- und Mittelstädte, wobei der Begriff aus europäischer Sicht relativ erscheinen mag: Er bezeichnet Stadtgrößen von 300.000 bis zu fünf Millionen Einwohnern. Allein für die Jahre zwischen 2015 und 2030 erwarten Experten dort ein Wachstum um mehr als 30 Prozent. Das würde global gesehen einer Zahl von knapp einer halben Milliarde zusätzlicher Einwohner entsprechen. Die Megacities auf dem Globus werden diesen Schätzungen zufolge „nur“ um zusammengenommen 200 Millionen wachsen.

Und was die Risiken von Naturkatastrophen angeht, ist das Tempo des Bevölkerungswachstums entscheidender als die Größe der Stadt, argumentiert Garschagen. „Das ist lange falsch eingeschätzt worden. Kleine und mittlere Städte haben tatsächlich oft eine besonders geringe Anpassungskapazität. Sie sind besonders verwundbar.“ Technische Expertise, Ressourcen, Steuereinnahmen, privates Kapital, politische Aufmerksamkeit – all das, was den Kommunen helfen kann, dem Desaster vorzubeugen oder mit ihm umzugehen, all das ist eher in den großen Städten zu finden, weniger in den kleinen. Dort lässt der Wildwuchs die städtische Verwaltung womöglich schnell kapitulieren. „Die Städte wachsen so schnell, dass die ökonomische Entwicklung nicht Schritt halten kann. Sie haben gar nicht die Wertschöpfung, um Infrastrukturaufbau sinnvoll zu betreiben.“ Eine solche Entkopplung von Urbanisierung und ökonomischem Wachstum lasse sich vor allem in afrikanischen Staaten beobachten.

Doch auch in der sogenannten Ersten Welt, in wohlhabenden Ländern wie Deutschland, in denen Sozialsysteme vergleichsweise viel auffangen, daran erinnert Garschagen, gibt es eine soziale Verwundbarkeit, was die Auswirkungen von Klimaphänomenen angeht. „In München gibt es beispielsweise viele, die von Altersarmut betroffen sind. Das sieht man nicht immer so, wenn man in der hippen Maxvorstadt herumläuft.“ Oft sind dies Alleinstehende, die womöglich sozial isoliert und immobil in engen, schlecht klimatisierbaren Wohnungen leben. Welches Risiko tragen diese Menschen, wenn Hitzeperioden wie in den vergangenen beiden Sommern in Zukunft noch häufiger und intensiver auftreten?

Solche Fragen untersucht Garschagen gemeinsam mit Partnern gerade modellhaft für die Städte Ludwigsburg und Bonn, finanziert vom Bundesforschungsministerium. „Wir versuchen erst einmal zu verstehen, wie sich das Risiko überhaupt verteilt, versuchen diejenigen auszumachen, die von einer Hitzewelle besonders betroffen wären. Wir arbeiten da auch mit Rettungsdiensten und Trägern von Pflegeeinrichtungen zusammen. Wir haben außerdem empirische Befragungen gemacht: Wissen die Stadtbewohner überhaupt noch, wer in ihrer Nachbarschaft bedürftig sein könnte?“ Köln und Kerpen sind die Modellstädte in einem weiteren Forschungsprojekt. Dabei geht es um das Ausfallen kritischer Infrastrukturen: Was etwa passiert, wenn aufgrund eines Stromausfalls die Trinkwasserversorgung gefährdet ist? „Wissen wir überhaupt“, fragt Garschagen, „über welche Größenordnungen der Mindestversorgung wir da nachdenken müssen?“

Autor für den aktuellen Sonderbericht des Weltklimarates

Saubere, „gut durchevaluierte“ Entscheidungsgrundlagen zu liefern, das sieht Garschagen als eine seiner Aufgaben als Wissenschaftler. Dieser Tage veröffentlicht der Weltklimarat den Special Report on the Ocean and Cryosphere in a Changing Climate (SROCC), an dem der Münchner Geograf als leitender Autor beteiligt ist. Was passiert eigentlich mit dem Globus und den Menschen darauf, darum geht es in dem Bericht, wenn etwa die Polkappen schmelzen und die Böden in den Permafrostregionen tauen? Welche Möglichkeiten der Anpassung gibt es? Wo liegen ihre Grenzen? Wo bleibt nur noch, mit Verlusten und Zerstörung zu leben? Der IPCC hat die „goldene Regel“, sagt Garschagen, nicht durch dezidierte, wissenschaftliche Information politischen Entscheidungsträgern den Handlungsspielraum zu nehmen, sondern die Konsequenzen einzelner unterschiedlicher Entwicklungspfade aufzuzeigen. „Die Wissenschaft ist eine wichtige Stimme in der Klimadiskussion. Aber letzten Endes handelt es sich um einen Governance-Prozess, in dem die Gesellschaft als solche aushandeln muss, welchen Weg sie gehen will.“

Was natürlich nicht heißt, dass die Erkenntnisse der Wissenschaftler nicht als Mahnung zu verstehen sind. Eines jedenfalls nahm schon der vorige Sonderbericht des IPCC vor einigen Monaten vorweg. Dafür hatten die Wissenschaftler untersucht, unter welchen Bedingungen sich die globale Erwärmung noch unter 1,5 Grad halten ließe. „Der Report hat gezeigt“, sagt Garschagen, „wie spät wir schon damit dran sind, dem Klimawandel zu begegnen.“


Matthias GarschagenProf. Dr. Matthias Garschagen ist Inhaber des Lehrstuhls für Anthropogeographie mit Schwerpunkt Mensch-Umwelt-Beziehungen an der LMU. Garschagen, Jahrgang 1981, studierte Geografie, Volkswirtschaft und Ethnologie an der Universität Köln und an der Simon Fraser University, Vancouver, Kanada. Er promovierte in Köln. Danach leitete er am Institute for Environment an Human Security der United Nations University (UNU) in Bonn eine eigene Arbeitsgruppe, bevor im Frühjahr 2019 nach München kam. Der aktuelle Sonderbericht des Weltklimarates wird am 25. September 2019 veröffentlicht.