Ludwig-Maximilians-Universität München
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LMU-Historiker erhält Dilthey-Fellowship

München, 07.07.2009

Frithjof Benjamin Schenk vom Historischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München wird durch die Initiative „Pro Geisteswissenschaften“ gefördert. Der Nachwuchswissenschaftler erhält ein Dilthey-Fellowship für sein Projekt „Russlands Aufbruch in die Moderne“. Die Initiative „Pro Wissenschaft“ wird getragen von der Fritz Thyssen Stiftung und der VolkswagenStiftung in Zusammenarbeit mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Sie fördert gezielt innovative geisteswissenschaftliche Forschung durch Mittel, welche auf deren spezielle Erfordernisse zugeschnitten sind, und will damit der Öffentlichkeit die Vielfalt und Bedeutung der Geisteswissenschaften näher bringen.

Frithjof Benjamin Schenk widmet sich in seinem durch das Dilthey-Fellowship geförderten Projekt den Auswirkungen technischer Neuerungen wie Eisenbahn und Telegrafie im imperialen Russland des 19. Jahrhunderts. Seit der gewaltigen territorialen Expansion im 16. und 17. Jahrhundert regierten die russischen Zaren über das größte Kontinentalreich der Erde. Im 19. Jahrhundert wurde die Ausdehnung des Territoriums zunehmend als Problem politischer Herrschaft erkannt. Die Erfindung von Telegrafie und Eisenbahn, die vermeintlich den Sieg über Raum und Zeit versprachen, erschien vielen Zeitgenossen daher wie geschaffen für das Russische Imperium. Als die autokratische Führung nach anfänglicher Zurückhaltung den Befehl gab, das Land mit Telegrafenleitungen und Eisenbahnenschienen zu erschließen, erhoffte sie sich davon nicht zuletzt die Konsolidierung imperialer Macht. Mit der infrastrukturellen Vernetzung des Landes wurde bekanntermaßen eine wichtige Grundlage für die Industrialisierung des Zarenreiches im späten 19. Jahrhundert gelegt. Die mit der verkehrstechnischen Erschließung des Landes einhergehende Intensivierung von Binnenmobilität und Kommunikation leitete zudem eine tief greifende Umgestaltung sozial-räumlicher Beziehungen innerhalb des Vielvölkerreiches ein – ein folgenreicher Prozess, der bis heute nahezu unerforscht ist.

Ziel des Projektes ist es, die politischen, sozialen und kulturellen Folgen der infrastrukturellen Vernetzung des Russischen Reiches von den 1830er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg zu untersuchen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Neuordnung geografischer Räume durch moderne Verkehrs- und Kommunikationstechnik politische Herrschaft, Mobilität und Kommunikation sowie raumbezogene Ordnungsvorstellungen und Wahrnehmungsmuster veränderte. Am Beispiel des imperialen Russland wird das Wechselverhältnis von technischer Innovation, gesellschaftlichem Wandel und Transformation sozialer Räume untersucht. Ziel ist es, für die historische Forschung in Deutschland ein neues, interdisziplinäres Forschungsfeld zu erschließen, das Fächergrenzen der

Geschichte, Soziologie, Geografie und Technikwissenschaften überschreitet, neue Einsichten in die Funktionsweise imperialer Herrschaft im 19. Jahrhundert im Allgemeinen verspricht und gleichzeitig zu unserem Verständnis gesellschaftlicher Veränderungen durch die Intensivierung von Mobilität und Kommunikation im Zeitalter der Globalisierung nachhaltig beiträgt.

Dr. Frithjof Benjamin Schenk wurde 1970 in Stuttgart geboren. Von 1991 bis 1998 studierte er Ost- und Südosteuropäische Geschichte, Neuere Geschichte und Volkswirtschaftslehre in Marburg, St. Petersburg und Berlin. 2002 wurde er an der FU Berlin mit der Arbeit: „Aleksandr Nevskij im russischen kulturellen Gedächtnis. Geschichtsbilder und Konzepte kollektiver Identität 1263-2000“ promoviert. Seit 2003 ist er wissenschaftlicher Assistent am Historischen Seminar der LMU, Abteilung Geschichte Ost- und Südosteuropas. 2006 bis 2007 war er Feodor-Lynen-Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung. Seit 2008 ist er Mitglied im Editorial Board der Zeitschrift „National Identities“.

Dilthey-Fellowships werden an junge promovierte und hoch qualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in den Geisteswissenschaften vergeben. Die Fördersumme für das Projekt „Russlands Aufbruch in die Moderne“ beträgt rund 400.000 Euro für insgesamt fünf Jahre.

Ansprechpartner:
Dr. Frithjof Benjamin Schenk
Historisches Seminar
Geschichte Osteuropas und Südosteuropas
Tel.: 089/ 2180 - 5483
E-Mail: b.schenk@lmu.de

 

 

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