Ludwig-Maximilians-Universität München
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Forschungspräsentation zur Integration hörgeschädigter Kinder in Kindergärten und Schulen

München, 12.07.2006

Hörgeschädigte Kinder zeigen im Vergleich zu Kindern mit anderen Behinderungen eine Vielzahl von Besonderheiten. Es sind vor allem Kommunikationsprobleme, welche die Interaktion mit dem sozialen Umfeld im Kindergarten oder in der Schule deutlich erschweren. Das unterscheidet hörgeschädigte Kinder bei der Integration deutlich von Kindern mit anderen Behinderungen.

Mit diesen besonderen Problemen der Integration hörgeschädigter Kinder und Jugendlicher beschäftigen sich die Mitarbeiter des Lehrstuhls für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München unter der Leitung von Professor Annette Leonhardt seit 1999 in sechs unterschiedlichen Teilstudien. Dieses Forschungsprojekt ist damit bundesweit die umfassendste Studie zur schulischen und vorschulischen Integration Hörgeschädigter und hat auch im Ausland bereits breite Beachtung gefunden.

Jetzt werden die Ergebnisse der letzten zwei Teiluntersuchungen sowie ein Fazit des Gesamtprojekts vorgestellt bei einer

Forschungspräsentation
am Donnerstag, den 20. Juli 2006 von 13.00 bis 18.00 Uhr,
Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung,
Südliches Schlossrondell 23, 80638 München
.

Die zwei aktuellen Teilprojekte befassen sich mit der Integration hörgeschädigter Kinder in Kindergärten sowie mit den Erfahrungen der Eltern hörgeschädigter Schüler mit der schulischen Integration.

 

Hörgeschädigte Kinder in allgemeinen und integrativen Kindergärten

Die Studie zeigt, dass die Integration aus Sicht der Eltern und Erzieherinnen befürwortet wird. Lediglich bei einem der elf Kinder aus der Untersuchung hielt die Erzieherin die Integration für nicht gelungen, da das Kind kaum soziale Kontakte knüpfen konnte. Eltern sprachlich sehr gut entwickelter hörgeschädigter Kinder bemängeln, dass den Erzieherinnen die Hörschädigung des Kindes nicht genug bewusst wird und deshalb keine Rücksicht genommen wird.

Bei allen Kindern waren im Beobachtungszeitraum Fortschritte in der Sprachentwicklung festzustellen. Fünf Kinder sprachen am Ende der Studie altersgemäß. Die anderen Kinder zeigten sprachliche Rückstände von bis zu zweieinhalb Jahren. Zehn der elf Kinder hatten regelmäßige Spielkontakte zu anderen Kindern. Es konnten Freundschaften geschlossen werden. Stigmatisierungen aufgrund der Hörschädigung wurden nicht festgestellt.

In Gruppensituationen mit höheren verbalen Anteilen wie etwa im Stuhlkreis hatten die Kinder vor allem zu Beginn der Kindergartenzeit Schwierigkeiten. Durch den Einsatz von Höranlagen konnten hier deutliche Verbesserungen erreicht werden.

 

Erfahrungen mit der schulischen Integration hörgeschädigter Schüler

In dieser Teilstudie wurden die Eltern der hörgeschädigten Kinder zu ihren Erfahrungen mit der schulischen Integration sowie zu ihrem Belastungsempfinden und ihrer allgemeinen Zufriedenheit befragt. Das Ergebnis zeigt, dass die Mehrheit der Eltern sehr zufrieden (45 Prozent) oder weitgehend zufrieden (35 Prozent) mit der schulischen Integration ihres Kindes ist. Die meisten Eltern würden sich wieder für die Integration entscheiden und sie auch anderen betroffenen Eltern empfehlen.

Es wurden aber auch Unzufriedenheiten und belastende Momente deutlich. So meinten nur 22 Prozent der Eltern, dass die Lehrer der allgemeinen Schule wissen, wie hörgeschädigte Kinder unterrichtet werden müssen. Das fehlende Wissen der Lehrer führt zu Hause zu zusätzlichem Lernaufwand für die hörgeschädigten Schüler und zu Problemen bei der Erledigung der Hausaufgaben. Es belastet auch die Beziehung zwischen Eltern und Kind.

Die Studie unterstrich die Bedeutung des mobilen sonderpädagogischen Dienstes (MSD), der von Lehrern für Hörgeschädigte übernommen wird. Er übernimmt Mittler- und Stützfunktionen für die Eltern. Kritisiert wurde jedoch die geringe Häufigkeit der Kontakte.

Für das Gesamtprojekt zieht Professor Annette Leonhardt folgendes Fazit „Die Mehrheit der integrierten hörgeschädigten Kinder besucht erfolgreich die allgemeine Schule oder den Kindergarten. Probleme treten am ehesten im sozialen Bereich auf.“ So hätte die Studie ergeben, dass Störungen im sozialen Bereich erhebliche Belastungen für das hörgeschädigte Kind und dessen Eltern bedeuten. Extreme Beispiele zeigten sich in den Befragungen von Kindern, die von der allgemeinen Schule in ein Förderzentrum für Hörgeschädigte gewechselt sind. Hier berichteten Schüler und Eltern von Bullying, Schulangst und schweren psychosomatischen Störungen.

Zur Präsentation am 20. Juli werden die gesamte Forschergruppe, betroffene Eltern und Lehrer anwesend sein.

Ansprechpartnerin:
Prof. Dr. Annette Leonhardt
Lehrstuhl für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik
Leopoldstr. 13, 80802 München
Tel.: 089/2180-5117
E-Mail: leonh@spedu.uni-muenchen.de