Ludwig-Maximilians-Universität München
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Archäologie

Auf den Spuren des Purpurs

München, 13.01.2020

Im Rahmen eines DFG-Projekts erforschten deutsche und tunesische Forscher um den LMU-Archäologen Stefan Ritter die antike Metropole Meninx und rekonstruierten alte Handelsnetze.

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Deutsche und tunesische Archäologen legen Reste des römischen Badegebäudes von Meninx frei. (Foto: Stefanie Holzem / MAP)

Es war ein außergewöhnlicher, gut geschützter Hafen. Vom Meer kommend fuhren die Schiffe durch eine tiefe und breite Fahrrinne in die flache Bucht vor Meninx ein, näherten sich dann der Stadt über einen Nebenkanal, der über eine weite Strecke in Sichtweite parallel zur Küste verlief. Über eine breite Flachwasserzone gelangten sie schließlich zu den teils gemauerten, teils hölzernen Piers, die vom Strand aus ins Wasser ragten. Von dort konnten Arbeiter die Waren leicht zu den nahen Speicherbauten transportieren. So detailliert konnte LMU-Archäologe Stefan Ritter den Hafen von Meninx rekonstruieren, eines wichtigen, an der Küste von Djerba gelegenen Handelszentrums. Während der römischen Kaiserzeit unterhielt die antike Metropole Beziehungen in den gesamten Mittelmeerraum.

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Die Projektleiter Stefan Ritter (links) und Sami Ben Tahar diskutieren aktuelle Funde. (Foto: MAP)

Im Rahmen eines bis Ende 2019 laufenden DFG-Projekts zur Stadtgeschichte von Meninx erforschte der Münchner Wissenschaftler zusammen mit seinem Kollegen Sami Ben Tahar (Institut National du Patrimoine) und einem deutsch-tunesischen Team die auf der Insel Djerba vor der Küste des heutigen Tunesiens gelegene antike Stadt und ihre Hafenanlagen. Die Forscher konnten dabei nicht nur mit Hilfe von Magnetometer-Untersuchungen die ungewöhnliche Struktur von Meninx mit ihren parallel zur Küste verlaufenden Straßen ergründen, sondern auch einige Heiligtümer, Wirtschaftsbauten und Wohnhäuser durch gezielte Grabungen erforschen. „Wir entdeckten sogar ein gut erhaltenes Privatbad aus der römischen Kaiserzeit, mit Mosaikböden, prächtigen Wandmalereien und Statuen“, erzählt Ritter.

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Foto: MAP / Paul Scheding

Im Zentrum des Wohlstands stand nach Erkenntnissen der Forscher ein Produkt: wertvoller Purpur, gewonnen aus der Purpurschnecke. „Wir haben starke Indizien dafür, dass Purpur aus Meninx nicht als reiner Farbstoff exportiert wurde, sondern man aus Schafwolle hergestellte Textilien vor Ort färbte und sie dann verkaufte“, sagt Ritter. Das wertvolle Material wurde offenbar in den gesamten Mittelmeerraum geliefert, und im Gegenzug importierte man Nahrungsmittel, insbesondere Wein, Tafelgeschirr und Marmor aus Italien, Spanien, Griechenland, Kleinasien und Ägypten.

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Rekonstruktion der Küstenzone von Meninx zwischen dem Marktbau (Macellum, links) und den Speicherbauten (Horrea, rechts), mit Schiffanleger (Grafik: MAP / Max Fiederling, Tobias Bitterer)

Schon im 4. Jahrhundert vor Christus, also noch zu punischer Zeit, entstand die Siedlung Meninx. Ihre Blüte mit Monumentalbauten wie einem Theater erlebte sie während der römischen Kaiserzeit vom 1. bis zum 3. Jahrhundert nach Christus. Die Stadt war aufgrund ihrer Lage an einer Flachwasserbucht relativ gut gegen Angriffe geschützt. Der Hafen war nur über einen langen Kanal zu erreichen, das Wissen darüber hatten nur Ortskundige, sagt Ritter. Die von der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie durchgeführten unterwasserarchäologischen Untersuchungen ergaben nicht nur Hinweise auf die antiken Hafenanlagen und die komplizierten Zufahrtswege, sondern förderten auch Spuren zahlreicher Schiffswracks und Reste von Piers zu Tage. Die LMU-Archäologen wollen gemeinsam mit den tunesischen Kollegen ihre Untersuchungen auf Djerba im Rahmen regionaler Vergleichsstudien fortsetzen.