Ludwig-Maximilians-Universität München
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Archäologie

Eine vergessene Burg zum Vorschein holen

München, 03.09.2019

LMU-Archäologen haben mit einem internationalen Team bei einer Pilotkampagne auf dem Stätteberg Mauerreste einer der größten südbayerischen Befestigungsanlagen aus der Bronzezeit ausgegraben.

Die Ausgrabung am Stätteberg war als Lehrprojekt angelegt, Studierende der Archäologie halfen, Überreste der vorgeschichtlichen Befestigungsanlage freizulegen. (Foto: Metzner-Nebelsick)

Auf dem Stätteberg über der Donau thronte einst die größte vorgeschichtliche Burg Südbayerns. Wo heute dichter Wald wächst, schützte vor rund 3000 Jahren eine mächtige Befestigungsanlage eine Siedlung auf der Anhöhe. Der innere Befestigungswall umschloss eine Fläche von etwa sechs Hektar. Die Bebauungsstrukturen dieser bronzezeitlichen Befestigungsanlage sind bislang nicht erforscht. Die Bedeutung der Burg war weitgehend in Vergessenheit geraten. Die zunächst unterschätzte enorme Größe der Anlage von insgesamt circa 96 Hektar kann heute durch moderne Fernerkundungstechniken, wie das Airborne Laserscanning (LiDAR) zur Erstellung digitaler Geländemodelle, leicht sichtbar gemacht werden. Ein Team um Carola Metzner-Nebelsick, Inhaberin des Lehrstuhls für Vor- und Frühgeschichte an der LMU, hat nun ein erstes Grabungsprojekt am Stätteberg abgeschlossen – „mit sensationellen Befunden“, wie die LMU-Archäologin sagt.

Bei der Grabung wurde ein Mauerstück des inneren Walls freigelegt, das zeigt: Der Wall war drei Meter breit und bestand aus zwei Reihen tonnenschwerer Steine, wobei der Zwischenraum mit Lehm, Erde und kleineren Steinen aufgeschüttet war. Die mächtige Konstruktion ist heute noch bis zu einer Höhe von 1,80 Meter erhalten und wurde damals von aufrechtstehenden, miteinander verbundenen Holzpfosten zusammengehalten. „Der Stätteberg ist etwas ganz Besonders, das zeigt sich auch bei der massiven Steinarchitektur“, sagt Carola Metzner-Nebelsick. Die wuchtige Befestigung diente nicht nur zur Verteidigung, sondern sollte auch die Macht der ehemaligen Burgherrscher demonstrieren.

Die Ausgrabung war als Lehrprojekt angelegt. Studierende der LMU sowie der Kardynal-Stefan-Wyszyński-Universität Warschau (UKSW) und der Universität Cambridge waren daran beteiligt. Für sie war es eine Möglichkeit, das archäologische Handwerk zu lernen. „Dazu gehören heute auch digitale Techniken“, sagt Carola Metzner-Nebelsick. Neben der Laser-gestützten Vermessung aller Funde und Strukturen der Ausgrabung zählt dazu auch ein fotografisches Verfahren (Structure from Motion - SfM) mit dessen Hilfe alle ausgegrabenen Steinstrukturen auf dem Stätteberg in 3D erlebbar gemacht werden können.

Weitere Ausgrabungen sind zusammen mit Professor Louis Nebensick von der UKSW sowie Professor Wolf Teegen, die auch die Pilotkampagne mit geleitet haben, geplant, um die Geschichte der einst so mächtigen Burg weiter zu erforschen.