Ludwig-Maximilians-Universität München
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Paläontologie

Neuer Artenreichtum nach dem Massenaussterben

München, 28.02.2019

Forscher um die LMU-Paläontologin Adriana López-Arbarello haben drei bisher unbekannte fossile Knochenfisch-Arten identifiziert und neue Einblicke in die Evolutionsgeschichte der Gattung Eosemionotus gewonnen.

Fossiler Knochenfisch E. diskosomus. Bild: A. López-Arbarello

Der Monte San Giorgio im Tessin gehört zu den weltweit wichtigsten Fundstellen von Meeresfossilien aus der Zeit der mittleren Trias vor etwa 240 Millionen Jahren. In den Kalk-und Dolomitschichten des Berges wurden auch die exzellent erhaltenen Fisch-Fossilien gefunden, die Dr. Adriana López-Arbarello vom Lehrstuhl für Paläontologie und Geobiologie und dem Geobiocenter der LMU nun gemeinsam mit Schweizer Kollegen untersucht hat. Wie die Forscher im Fachmagazin Palaeontologia Electronica berichten, gehören die Fische zu drei bisher unbekannten Arten der zu den Strahlenflossern gehörenden Gattung Eosemionotus. „Vor etwa 250 Millionen Jahren hatte das größte bekannte Massenaussterben der Erdgeschichte stattgefunden. Unsere Funde“, sagt die Paläontologin, „sind ein weiterer Beleg dafür, dass sich die Lebenswelt danach relativ schnell erholt hat und es in der mittleren Trias zu einer raschen Diversifizierung und Neubildung zahlreicher Arten kam.“

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Fossiler Knochenfisch E. minutus. Bild: R. Stockar, MCSN

Fast 100 Jahre lang war diese Gattung nur durch eine einzige Art bekannt: den 1906 in der Nähe von Berlin gefundenen E. vogeli. Die zweite bisher bekannte Art wurde wie die neuen Fossilien am Monte San Giorgio entdeckt und im Jahr 2004 als E. ceresiensis beschrieben. Mithilfe detaillierter anatomischer Studien konnte López-Arbarello nun die drei neuen Arten E. diskosomus, E. sceltrichensis, und E. minutus charakterisieren. Alle fünf Arten sind kleine Fische, die sich aber in den Körperproportionen, der relativen Position der Flossen, der Morphologie der Schädelknochen, dem Beschuppungsmuster und der Bezahnung deutlich unterscheiden. „Dies deutet auf eine Anpassung an verschiedene Lebensweisen hin“, sagt López-Arbarello.

Durch die verbesserte Datenbasis konnten die Forscher auch neue Einblicke in die Stammesgeschichte der Gattung gewinnen. „Unsere phylogenetischen Analysen zeigen, dass Eosemionotus das älteste Mitglied einer ausgestorbenen Familie innerhalb der Ordnung Semionotiformes ist. Obwohl im Mesozoikum reichlich und vielfältig, sind die Semionotiformen während der Kreidezeit ausgestorben, nur eine Schwestergruppe überlebte mit einer Familie, den Knochenhechten“, sagt López-Arbarello.
Palaeontologia Electronica 2019