Ludwig-Maximilians-Universität München
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Geophysik

Die Grenzen Ur-Indiens

München, 11.04.2019

Eine paläogeographische Rekonstruktion zeigt den Umfang Indiens, bevor der Kontinent Gondwana vor etwa 150 Millionen Jahren auseinanderbrach.

Die Karte zeigt den Umfang Indiens, bevor der Ur-Kontinent Gondwana auseinanderbrach (rote Markierung). Abbildung: Stuart A. Gilder

Vor vielen Millionen Jahren sah die Erde völlig anders aus als heute. Sie bestand aus nur zwei Kontinenten: Laurasia und Gondwana. Indien war Teil von Gondwana, dem Großkontinent, der vor etwa 150 Millionen Jahren auseinanderbrach. „Paläogeographische Rekonstruktionen legen nahe, dass der nördliche Rand Indiens in der Vergangenheit viel größer war, aber seitdem unter Asien subduziert wurde. Diese verlorene Landmasse ist bekannt als Groß-Indien. Das Wissen darüber, wieviel der Lithosphäre, also der äußersten Gesteinsschicht der Erde, dabei vernichtet wurde, spielt eine wichtige Rolle bei der Erklärung, wie das Tibetische Plateau zeitlich und räumlich aus der Kollision zwischen Indien und Asien hervorgegangen ist“, sagt Professor Stuart A. Gilder vom Institut für Geophysik. Bislang galten die Schätzungen über die Ausdehnung jedoch als sehr unsicher. „Sie lagen im Bereich von einigen hundert bis zu mehr als 2000 Kilometern.“

In Zusammenarbeit mit Kollegen der Chinesischen Universität für Geowissenschaften in Peking legt Stuart Gilder nun neue paläomagnetische Beweise vor, mit denen sich die Mindestgröße festlegen lässt. „Unsere Daten zeigen, dass ein lithosphärisches Gebiet, dessen Umfang größer als die Fläche des heutigen Indiens war, subduziert wurde. Das bestätigt die Annahme, dass das Tibetische Plateau im Känozoikum durch die Anlagerung von aufsteigendem Material gebildet wurde. Mithilfe unserer Ergebnisse lässt sich nun klar abgrenzen, wie viel an indischer Lithosphäre seit dem Aufbrechen von Gondwana mindestens zerstört wurde.“

(Geophysical Research Letters 2019)