Ludwig-Maximilians-Universität München
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ERC Grants

Vier neue Projekte ausgezeichnet

München, 10.12.2019

Der Europäische Forschungsrat vergibt an vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der LMU hochdotierte Consolidator-Grants für ihre Forschung.

Jerc_260_webulia Budka, Corrado Cimarelli, Ali Ertürk und Bärbel Stecher haben erfolgreich zusammen mit der LMU je einen Consolidator-Grant eingeworben. Für Julia Budka ist es bereits der zweite ERC-Grant in ihrer Karriere. Die Auszeichnung ist mit einer Förderung von bis zu zwei Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren dotiert. Mit Consolidator Grants unterstützt der Europäische Forschungsrat (ERC) exzellente Nachwuchswissenschaftler dabei, ihre innovative Forschung weiter auszubauen und zu konsolidieren. Grundlage für die Entscheidung des ERC bei der Vergabe der prestigeträchtigen Grants ist die wissenschaftliche Exzellenz der Antragsteller sowie des beantragten Projekts.


Mehr zu den neuen ERC-Projekten:

budka_200_webDie Archäologin Julia Budka, Professorin für Ägyptische Archäologie und Kunstgeschichte an der LMU, erforscht die Folgen interkulturellen Kontakts entlang des Niltals, im antiken Ägypten und im Sudan. Sie interessiert sich dabei insbesondere dafür, wie in bestimmten Stadtzentren im Mittleren Niltal die lokale nubische Bevölkerung und zugewanderte Ägypter gemeinsam im 2. Jahrtausend v.Chr. einen blühenden Mikrokosmos schufen. In ihrem ERC-Projekt „DiverseNile“ (Cultural diversity in the Middle Nile Valley. Reconstructing biographies in the periphery of urban centres in northern Sudan during the Bronze Age) geht sie einen neuen Schritt und untersucht nun detailliert die kulturelle Vielfalt in dieser Region, dabei insbesondere mit Blick auf bislang vernachlässigte Randbereiche staatlicher Zentren im nördlichen Sudan. Ihre Haupthypothese ist, dass kulturelle Vielfalt in der Peripherie kultureller Zentren besser sichtbar wird. Die Fallstudie zur Rekonstruktion bronzezeitlicher Biographien nimmt dafür gezielt einen „Kontaktraum“ verschiedener Bevölkerungsgruppen in den Fokus, in der Zeit zwischen 1650 und 1200 vor Christus. Es geht Budka darum, etablierte Kategorien wie „ägyptisch“ oder „nubisch“ zu überprüfen und sie gemäß dem modernen Ansatz der „kulturellen Verstrickung“ dynamischer – und damit realistischer - zu beschreiben.

Julia Budka studierte Ägyptologie an der Universität Wien, wo sie mit einer Arbeit über die Grabanlagen im Asasif auch promoviert wurde. Nach Stationen an der der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften kam sie 2015 als Professorin an die LMU. Sie erhielt 2012 noch in Wien einen ERC Starting Grant für ihr Projekt „AcrossBorders“, das sie an der LMU bis 2018 fortführte.

Mehr zur Forschung von Julia Budka:

 

cimarelli_200_webDer Vulkanologe Corrado Cimarelli, Junior-Professor am Department für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU, erforscht vulkanische Blitze und dabei vor allem die Elektrifizierung der Aschewolke. Schon Plinius der Jüngere berichtete in seiner Beschreibung des Vesuv-Ausbruchs in Pompeji im Jahr 79 nach Christus von Blitzphänomenen. Doch bis heute können Forscher Elektrifizierungsprozesse und die daraus resultierenden Blitze in vulkanischen Wolken nicht im Detail entschlüsseln. In seinem ERC-Projekt VOLTA untersucht Cimarelli daher, wie genau es zur Aufladung in der Aschewolke kommt und wie dies die Verteilung der Aschepartikel in der Atmosphäre beeinflusst bzw welche chemischen Reaktionen dadurch in der Umwelt angestoßen werden. Cimarelli wird ein umfassendes 4-D-Modell vulkanischer Eruptionswolken erstellen und damit ein wichtiges Werkzeug für die Vulkanüberwachung liefern. Das Modell lässt sich auch auf Bedingungen anwenden, wie sie in der Frühphase der Erde herrschten, ist also auch für die Fragen nach dem Ursprung des Lebens relevant.

Cimarelli studierte Geologie an der Universität Rom; Promotion und Habilitation dort im Bereich Vulkanologie. Im Dezember 2009 kam er als Marie Curie Research Fellow an die LMU in die Gruppe von Professor Donald Dingwell. Seit 2013 ist Cimarelli Junior-Professor an der LMU, seit 2017 zudem Gruppenleiter im DFG-Projekt „Untersuchung der Bedingungen zum Auftreten von Blitzen während vulkanischer Eruptionen“, darüber hinaus hat ihn das Italienische Ministerium für Erziehung, Universitäten und Forschung (MIUR) 2017 zum Associate Professor für Vulkanologie ernannt.

Mehr zur Forschung von Corrado Cimarelli:

 

 

ertuerk_200_webDer Molekularbiologe Ali Ertürk hat neuartige bildgebende Verfahren entwickelt, um das komplexe Netzwerk der Nervenzellen und seine chronischen Veränderungen nach traumatischen Hirnverletzungen, Schlaganfällen oder aufgrund von Alterungsprozessen zu untersuchen. Mit dieser Technik hat er unter anderem die Skull-Meninges Connections (SMC) entdeckt – eine direkte Verbindung des Knochenmarks des Schädels (Calvaria) mit dem Gewebe der Hirnhaut. Diese Verbindung vermittelt offenbar auch die Wanderung von Immunzellen in das Gehirn. Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Schädelkalotte an verschiedenen Erkrankungen des Gehirns beteiligt ist. Auf der Basis dieser Ergebnisse will Ertürk in seinem ERC-Project CALVARIA (Translational aspects of the discovery of skull-meninges connections) nun neue Wege finden, Entzündungen des Gehirns zu beeinflussen, mit denen Neurodegenerative Krankheiten wie Demenzen oft verbunden sind. Dass die Schädelkalotte leichter zugänglich ist als das Hirngewebe, könnte neue Möglichkeiten eröffnen, Medikamente zielgenau in das Gehirn zu transportieren, etwa um entzündliche Prozesse zu behandeln. Außerdem könnten potenzielle Biomarker, die pathologische Prozesse im Gehirn widerspiegeln, in der Calvaria einfacher und schneller zu erkennen sein. Noch allerdings sind die Strukturen und zellulären Eigenschaften der SMCs und der Calvaria sowie ihr Einfluss auf die Neuropathologie weitgehend unbekannt. Mit seinem Projekt will Ertürk hier Klarheit schaffen.

Ali Ertürk studierte Genetic Engineering und Molekularbiologie an der Bilkent Universität in Ankara, Türkei, und wurde am Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Martinsried, promoviert. Er war Postdoc bei Genentech Inc., South San Francisco, USA, bevor er 2014 als Forschungsgruppenleiter ans Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung am Klinikum der LMU kam. Seit 2017 ist er zudem Adjunct Assistant Professor an der Rochester University, New York, USA und seit Kurzem leitet er das Institute for Tissue Engineering and Regenerative Medicine (ITERM) am Helmholtz Zentrum München.

Mehr zur Forschung von Ali Ertürk:

 

stecher_200_webjpgDie Mikrobiologin Bärbel Stecher, Professorin für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Max von Pettenkofer-Institut der LMU, erforscht das Mikrobiom im Darm – ein hochdynamisches mikrobielles Ökosystem, dessen Funktionieren für die menschliche Gesundheit unerlässlich ist. Das Mikrobiom ist eine hochkomplexe Gemeinschaft verschiedener Mikroorganismen, ihre Stoffwechselnetzwerke besorgen den Abbau der Nahrung, die Produktion bioaktiver Metaboliten und schützen vor Infektionen. Die Bakterienlinien, die den Darm bevölkern, können sich durch Mutationen rasant verändern, um sich den jeweiligen Bedingungen im Darm anzupassen. Doch über diese Evolution und ihre Bedeutung für die mikrobiellen Gemeinschaften und ihr Verhältnis zum menschlichen Wirt ist noch wenig bekannt. Es fehlten bislang geeignete Modellsysteme, um dies detailliert zu untersuchen. Mit ihrem Projekt EvoGutHealth will Bärbel Stecher diese Lücke schließen: Sie arbeitet an einem definierten System aus nur wenigen Modellbakterien, mit dem sich analysieren lässt, wie sich eine mikrobielle Gemeinschaft in einem Wirt formt, wie mit der evolutiven Anpassung kollektive Stoffwechselaktivitäten entstehen, die schließlich in globale Mikrobiomfunktionen wie etwa den Schutz vor der Ansiedlung von Krankheitserregern münden.

Bärbel Stecher hat Mikrobiologie, Genetik und Immunologie an der LMU studiert. Promoviert wurde sie an der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Nach einer Station an der McMaster University in Hamilton, Kanada, und ihrer Postdoc-Zeit an der ETH Zürich kam sie 2010 an das Max von Pettenkofer-Institut der LMU und leitet dort seitdem die Forschungsgruppe „Mikrobiota und Infektionen“. 2011 wurde sie zur Professorin der LMU berufen.

Mehr zur Forschung von Bärbel Stecher: