Ludwig-Maximilians-Universität München
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Neurodermitis

Salz als Akteur

München, 21.02.2019

Salz beeinflusst offenbar allergische Immunreaktionen. Forscher der LMU und TUM konnten in Zellkulturen zeigen, dass Salz die Entstehung von Th2-Zellen fördert, die bei allergischen Erkrankungen wie Neurodermitis aktiv sind.

Foto: Vera Kuttelvaserova /stock.adobe.com

In Industrieländern ist fast jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens von einer Allergie betroffen, jedes zehnte Kind leidet an einer Neurodermitis. T-Zellen spielen eine wichtige Rolle für solche Immunerkrankungen. Sie sind Teil der körpereigenen Abwehr gegen Infektionen, können aber Fehlfunktionen entwickeln. Dann gehen sie fälschlicherweise gegen Bestandteile unseres Körpers oder der Umwelt vor.

Th2-Zellen, eine Untergruppe von T-Zellen, können bei solch einer Fehlfunktion allergische Entzündungen der Haut, zum Beispiel eine Neurodermitis verursachen. Dabei werden verstärkt die Botenstoffe Interleukin-4 (IL-4) und Interleukin-13 (IL-13) ausgeschüttet. Wodurch die Fehlsteuerung ausgelöst wird, ist bislang unbekannt.

Mehr Th2-Zellen durch Einfluss von Natrium-Ionen

Kochsalz, wissenschaftlich Natriumchlorid, ist für Menschen und Tiere lebensnotwendig. Im Körper tritt es in Form von Natrium- und Chlorid-Ionen auf. Ein Team um Christina Zielinski, DZIF-Professorin am Institut für Virologie der TUM, konnte in Zusammenarbeit mit Dr. Dirk Baumjohann, der eine Emmy Noether-Gruppe an der LMU leitet, sowie Julia Maul aus seiner Arbeitsgruppe in einer aktuellen Studie zeigen, dass Natriumchlorid menschliche T-Zellen in einen Zustand versetzen kann, in dem sie vermehrt Botenstoffe wie IL-4 und IL-13 ausschütten. Die Ergebnisse sind aktuell in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine veröffentlicht.

T-Zellen, die eigentlich nicht zu Allergien führen sollten, können durch den Salzeinfluss zu Th2-Zellen umprogrammiert werden. Diese Veränderungen sind rückläufig, sobald die T-Zellen wieder weniger hohen Salzmengen ausgesetzt sind. Zudem konnte das Team in der Haut von Neurodermitis-Patienten erhöhte Salzkonzentrationen nachweisen.

Ob sich durch den Salzgehalt der Nahrung die Entstehung oder der Verlauf der Neurodermitis oder anderer allergischer Erkrankungen beeinflussen lässt, ist eine der Fragen, die die Forscher künftig beantworten wollen.

Mehr zum Thema:

  • Publikation: J. Matthias, J. Maul, R. Noster, H. Meinl, Y.-Y. Chao, H. Gerstenberg, F. Jeschke, G. Gasparoni, A. Welle, J. Walter, K. Nordström, K. Eberhardt, D. Renisch, S. Donakonda, P. Knolle, D. Soll, S. Grabbe, N. Garzorz-Stark, K. Eyerich, T. Biedermann, D. Baumjohann, C. E. Zielinski. „Sodium chloride is an ionic checkpoint for human TH2 cells and shapes the atopic skin microenvironment”. In: Science Translational Medicine 2019. DOI: 10.1126/scitranslmed.aau0683