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Ausstellung

LMU-Forscher liefern archäologische Highlights

München, 02.10.2018

LMU-Experten für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie sind mit ihren Forschungen auf der Ausstellung „Bewegte Zeiten – Archäologie in Deutschland“ im Berliner Martin-Gropius Bau präsent.

Teil des Spangenbarrendepots aus Oberding. Die Bastverschnürung der Barrenbündel ist modern; sie wurde anhand der schlecht erhaltenen Originale für die museale Präsentation angebracht. Foto: Harald Krause, Museum Erding

Archäologische Forschung an der LMU ist auf der Ausstellung „Bewegte Zeiten – Archäologie in Deutschland“ vertreten. Diese größte deutsche Archäologieausstellung aller Zeiten, die unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht, präsentiert die Highlights archäologischer Funde von der Steinzeit bis in das 20. Jahrhundert, die in den vergangen 20 Jahren bundesweit ausgegraben wurden. Die Schau stellt den Höhepunkt des Europäischen Kulturerbejahres „Sharing Heritage“ dar, das den Blick auf Austauschprozesse und Beziehungen innerhalb Europas richtet. So haben die Organisatoren, das Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin und der Verband der Landesarchäologen, die mehr als 1000 Exponate aus über 300 Fundkomplexen nach den Themen Mobilität, Austausch, Konflikt und Innovation gruppiert.

Drei der im Berliner Martin-Gropius Bau gezeigten Fundkomplexe werden derzeit an der LMU erforscht. Zwei bronzezeitliche Funde aus Bayern werden im Themenbereich „Austausch“ präsentiert. Das in das 17. Jahrhundert vor Christus datierte frühbronzezeitliche Spangenbarrendepot aus Oberding im Landkreis Erding ist der bislang mit 796 Stücken größte je gefundene Vorrat an zusammenhängend deponierten Kupferbarren. Es wurde im Rahmen einer Masterarbeit von Sabrina Kutscher bearbeitet. Die Studie ist aus einem interdisziplinären Forschungsprojekt hervorgegangen, das in Kooperation zwischen dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, dem Museum Erding, Carola Metzner-Nebelsick, Inhaberin des Lehrstuhls für Vor- und Frühgeschichte am Institut für Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Archäologie der LMU, und dem Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie Mannheim durchgeführt wird. „Der Fund belegt weitreichende Wirtschaftskontakte und zeigt durch die gleichartigen, mit Bast verschnürten Zehnerbündel, dass bereits im frühen 2. Jahrtausend vor Christus in Mitteleuropa genormte Wertvorstellungen existiert haben“, sagt Carola Metzner-Nebelsick.

Der zweite bronzezeitliche Fund, eine reiche Frauenbestattung aus Ilmendorf im Landkreis Pfaffenhofen, wird derzeit zusammen mit den übrigen dortigen Funden in einer Dissertation an der LMU bearbeitet. „Der Grabfund steht stellvertretend für zahlreiche andere, die die weitreichenden überregionalen Netzwerke in wirtschaftlicher und individueller Hinsicht reflektieren, die die Gesellschaften der europäischen Bronzezeit auszeichneten“, sagt Carola Metzner-Nebelsick, unter deren wissenschaftlicher Leitung der Platz im Rahmen einer studienbegleitenden Lehrgrabung zu einem großen Teil ausgegraben wurde.

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Erding-Kletthamer Feld. Zwiebelknopffibel aus einem Männergrab. Sie weist den Mann als einen militärischen oder zivilen Funktionsträger aus. Foto: Harald Krause, Museum Erding

Spätantike Grabfunde des 4. Jahrhunderts aus einer kleinen Grabgruppe, die bei der Erweiterung des Gewerbegebiets Erding-West zutage kamen, werden auf der Berliner Schau unter dem Motto „Mobilität“ präsentiert. Ganz in der Nähe wurde schon in den 1960er- Jahren das große Reihengräberfeld von Altenerding mit mehr als 1000 Bestattungen des 5. bis 7. Jahrhunderts entdeckt. Von dort stammen auch fremdartig anmutende deformierte Schädel aus Frauengräbern, die an der Anthropologischen Staatssammlung unter Leitung von Michaela Harbeck neu untersucht wurden. „Erding im ersten Jahrtausend“ widmet sich ein interdisziplinäres Forschungsprojekt unter Leitung von Professor Bernd Päffgen vom Institut für Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Archäologie der LMU. „Die Erdinger Funde zeigen eindrücklich, in welchem Umfang Menschen in der Zeit zwischen Spätantike und dem Beginn des Frühmittelalters mobil waren und auch Zuwanderung von Fremden in erheblichem Maß das kulturelle Erscheinungsbild prägte“, sagt Bernd Päffgen.

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