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Neue Projekte

Historische Sprachen digital erschließen

München, 22.10.2018

Die DFG fördert drei Projekte zur Erforschung älterer indogermanischer Sprachen.

Der Rinderhirt Nanda hört die Predigt des Buddha, Kizil Höhle 77 (Statuenhöhle), ca. 6. Jh., Wandmalerei, Inv Nr III 8838 + III 8840. (© Museum für Asiatische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin/ Jürgen Liepe)

Die Geschichte der indoeuropäischen Sprachen, zu denen auch das Deutsche gehört, lässt sich Jahrtausende zurückverfolgen. Einige von ihnen sind zwar bereits seit Langem ausgestorben, haben aber in Form genetisch verwandter Wörter Spuren im heutigen Sprachgebrauch hinterlassen. Für drei Sprachfamilien entstehen nun mehrere lexikalische Grundlagenwerke an den Instituten für Historische und Indogermanische Sprachwissenschaft und Albanologie der LMU. Die Projekte mit einer Gesamtsumme von über einer Millionen Euro werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. „Sie werden einen grundlegenden Beitrag zur indoeuropäischen Sprach- und Kulturgeschichte leisten und zum Verständnis der Dynamik von sprachlichen und kulturellen Kontakten beitragen“, sagt Professor Olav Hackstein. Zudem sind sie aufgrund der sprachlichen Verwandtschaft der indoeuropäischen Sprachen miteinander auch für die Erforschung der deutschen Wortgeschichte relevant. Die geographische Heimat der drei Sprachfamilien reicht von Europa über das Gebiet der heutigen Türkei bis nach Zentralasien.

Das Projekt „Digitales philologisch-etymologisches Wörterbuch der altanatolischen Kleinkorpussprachen“ geht bereits in die zweite Förderrunde. Es gilt Sprachen, die einst auf dem Gebiet der heutigen Türkei gesprochen wurden, aber bereits im ersten Jahrtausend vor Christus ausgestorben sind wie Luwisch und Lykisch. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden ein elektronisches Wörterbuch erstellen, das erstmalig die Textkorpora dieser Sprachen vollständig lexikographisch aufarbeitet. Ihre Pionierarbeit stößt auf interdisziplinäres Interesse, da es unter anderem zwischen den damaligen altanatolischen Sprachgruppen und den mykenischen Griechen im zweiten Jahrtausend vor Christus sprachliche und kulturelle Kontakte gab. „Das Wörterbuch wird zu einem wichtigen Grundlagenwerk für die Altorientalistik, Hethitologie und Indogermanistik werden“, sagt Hackstein. Eine erste Version mit ausgewählten Artikeln ist bereits online zugänglich. An der Erstellung des Wörterbuchs ist auch die Universität Marburg beteiligt.

Gemeinsam mit Professor Bardhyl Demiraj erarbeitet Olav Hackstein zudem ein „Digitales philologisch-etymologisches Wörterbuch des Altalbanischen“, das ebenfalls zu den indoeuropäischen Sprachen zählt. Das gleichnamige DFG-Projekt soll eine Lücke in der albanischen Lexikographie schließen. „Das Altalbanische ist eine der indoeuropäischen Sprachen in Europa, die bislang vergleichsweise wenig erforscht sind. Bislang existiert noch kein synoptisches etymologisches Belegwörterbuch des Altalbanischen“, sagt Bardhyl Demiraj. Das Wörterbuch wird sowohl den Erb- als auch den Lehnwortschatz des Altalbanischen vom Überlieferungsbeginn in der Mitte des 15. Jahrhunderts bis zum Ende der altalbanischen Periode um 1800 nach Christus dokumentieren und voraussichtlich einen Umfang von etwa 7400 Stichwörtern haben.

Ein drittes Projekt reicht weit nach Asien. „Im westlichen China wurde noch bis vor 1000 nach Christus eine indogermanische Sprache gesprochen: das Tocharische“, sagt Olav Hackstein. „Entdeckt wurde die sprachliche Verwandtschaft Anfang des 20. Jahrhunderts von deutschen Indologen auf ihrer Expedition zur Seidenstraße. Heute lassen nur noch einige Ortsnamen auf die Sprache schließen.“ Nun werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Lehrstuhl für Historische und Indogermanische Sprachwissenschaft und der Fakultät für Kulturwissenschaften das Tocharische sprachwissenschaftlich erschließen.

Alle Projekte entstehen in Kooperation mit der IT-Gruppe Geisteswissenschaften unter der Leitung von Dr. Christian Riepl.

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