Ludwig-Maximilians-Universität München
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Personalführung

Wenn Selbstzweifel auf die Leistung schlagen

München, 14.06.2018

Wer meint, seinen Erfolg nicht verdient zu haben, leidet womöglich am sogenannten Hochstapler-Syndrom. Kommt dann noch negatives Feedback hinzu, kann das die Leistung tatsächlich verschlechtern, zeigt eine neue Studie.

Foto: fotolia.com / fizkes

Menschen, die unter dem sogenannten Hochstapler-Syndrom leiden, glauben, dass sie ihre Erfolge nicht verdienen und andere ihre Leistungen überschätzen. Dieses Phänomen wurde erstmals Ende der 1970er-Jahre von den beiden Psychologinnen Pauline Rose Clance und Suzanne A. Imes beschrieben, wobei zunächst sehr erfolgreiche Frauen im Fokus standen.

Seither wird darüber geforscht, wie weit verbreitet das Phänomen ist und wie es sich auf Arbeitsleistung und -ergebnis der Betroffenen auswirkt. So ist inzwischen bekannt, dass sowohl Männer als auch Frauen an dem Syndrom leiden können und vor allem überdurchschnittlich erfolgreiche Menschen zu Hochstapel-Gefühlen neigen – wobei das Phänomen bislang vor allem unter Studierenden untersucht wurde und es auch unterschiedliche Ausprägungen gibt, schränkt Brooke Gazdag ein, Professorin am Institute for Leadership and Organisation der LMU.

Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass Männer und Frauen mit Hochstapler-Syndrom in der Tendenz unterschiedlich mit negativem Feedback und Verantwortung umgehen. Darüber berichtet ein Team um Brooke Gazdag und die Erstautorin, Rebecca L. Badawy vom Department of Management der Youngstown State University in den USA, im Fachmagazin Personality and Individual Differences. Demnach arbeiten betroffene Männer schlechter, sobald sie negative Rückmeldungen erhalten und sich für ihr Ergebnis gegenüber Autoritäten verantworten müssen, während sich bei den Frauen keine Leistungseinbrüche zeigen – im Gegenteil scheinen sich diese daraufhin noch mehr anzustrengen.

Die Forscher haben für ihre Studie zunächst in einem Onlinefragebogen nach Betroffenen gesucht, die Zielgruppe waren auch hier Studierende. Dafür haben sie etwa Fragen eingebaut wie „Ich erledige eine Aufgabe selten so gut, wie ich es eigentlich möchte“ oder „Manchmal habe ich Angst, dass andere bemerken, wie viel mir an Wissen und Fähigkeiten fehlt.“ In einem zweiten Fragebogen mussten die Teilnehmer Aufgaben erledigen und bekamen zwischendurch – unabhängig von ihrer tatsächlichen Leistung – negatives Feedback. Männliche Probanden mit Hochstapler-Syndrom arbeiteten daraufhin in der Regel schlechter. „Männer sind noch gestresster und geben dann schneller auf“, sagt Gazdag. Ganz anders bei den Frauen: Sie gaben sich mehr Mühe, wenn sie wussten, dass ihr Ergebnis noch von jemanden angesehen wurde oder sie eine schlechte Rückmeldung erhielten. „Unsere Studie war explorativ angelegt, aber das Ergebnis lässt sich theoretisch begründen“, sagt Gazdag. „Es entspricht den Annahmen der Gendertheorie, wonach Männer sehr an Kompetenzen und Leistung orientiert arbeiten, während Frauen eher beziehungsorientiert sind. Es passt zum weiblichen Stereotyp und ist einleuchtend, dass sich Frauen mehr anstrengen, wenn sie wissen, dass ein anderer auf ihr Ergebnis sieht.“ (Personality and Individual Differences 2018)

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