Ludwig-Maximilians-Universität München
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Gesellschaft für Immunologie

Georges-Köhler-Preis für Christoph Scheiermann

München, 18.10.2019

Professor Christoph Scheiermann vom Walter Brendel Zentrum für Experimentelle Medizin der LMU, wurde von der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI) mit dem Georges-Köhler-Preis ausgezeichnet. Der Preis wird an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen, deren Arbeiten zum besseren Verständnis des Immunsystems herausragend beigetragen oder daraus resultierende Anwendungen geschaffen haben.

Der Biochemiker Professor Christoph Scheiermann beschäftigt sich mit den tageszeitenabhängigen, also zirkadianen Funktionen des Immunsystems. Immer mehr Erkenntnisse deuten darauf hin, dass viele Komponenten des Immunsystems einem zirkadianen Rhythmus unterliegen und dies auch einen potenziellen Einfluss auf den Verlauf von Krankheiten oder die Wirksamkeit von Therapien haben könnte. Christoph Scheiermann ist einer der Pioniere auf diesem Gebiet. Er untersucht die Bewegungsmuster von Leukozyten in Geweben mit verschiedenen intravitalen Mikroskopietechniken, etwa der Intravitalmikroskopie. Dies ist eine Form der Mikroskopie, mit der biologische Vorgänge und einzelne Zellen im Gewebe lebender Tiere mit einer hohen Auflösung beobachtet werden können. Scheiermanns Forschung konzentriert sich vor allem auf die Betrachtung der neuronalen Einflüsse und wie diese die zirkadiane Wanderung von Leukozyten im Gewebe regulieren, welche bewegungsstimulierenden Faktoren diese Rhythmik kontrollieren und wie diese Regulationsmechanismen durch chirurgische, pharmakologische oder genetische Eingriffe verändert werden.
Ziel ist es, neue mechanistische Erkenntnisse über die systemische Regulation der Leukozytenwanderung zu erlangen, um etwa Behandlungen bei chronisch entzündlichen Erkrankungen zeitbasiert, das heißt chronotherapeutisch optimieren zu können.

So hat Professor Scheiermann entdeckt, dass die Bewegungsmuster von Leukozyten zum Lymphknoten einer zirkadianen Kontrolle unterliegen, und dass dies die adaptive Immunantwort stark beeinflusst. Zudem konnte er zeigen, dass die Tageszeit, zu der das Immunsystem stimuliert wurde, die Gesamtstärke der Immunreaktion sogar noch Wochen nach dem Auftreten des ersten Stimulus beeinflusst. In einer zweiten Studie verwendete er die zirkadiane Rhythmik als Screening-Tool, um neue molekulare Muster in Adhäsionsmolekülen zu erkennen, die die tageszeitabhängige Wanderung von verschiedenen Leukozyten zu bestimmten Organen steuern. Diese Erkenntnisse sollen Wissenschaftler zukünftig bei ihrer Analyse der Leukozytenwanderung im Körper unterstützen.

Der Georges-Köhler-Preis der DGfI wird an Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler verliehen, deren Arbeiten zum besseren Verständnis des Immunsystems herausragend beigetragen oder daraus resultierende Anwendungen geschaffen haben. Die Kandidaten/innen sollten sich bereits ein eigenständiges Profil erarbeitet haben, welches durch die Leitung einer Arbeitsgruppe mit Publikation als Letzt-Autor und durch Einwerbung eigener Drittmittel dokumentiert ist. Sie sollten zum Zeitpunkt der Bewerbung nicht älter als 40 Jahre sein. Eigenbewerbungen und Vorschläge durch andere sind möglich.

Namensgeber des Preises ist Professor Georges Jean Franz Köhler (1946-1995), Nobelpreisträger 1984 für Physiologie oder Medizin und früherer Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie, Freiburg.