Ludwig-Maximilians-Universität München
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Stiftungsfest der LMU

Habilitanden und Promovenden ausgezeichnet

München, 26.06.2018

Im Rahmen des 546. Stiftungsfestes der Ludwig-Maximilians-Universität werden sechs Promovenden und zwei Habilitanden mit Förderpreisen der Münchener Universitätsgesellschaft (UG) ausgezeichnet.

Promotionsförderpreise 2018
Einen Promotionsförderpreis erhält Dr. Nadzeya Laurentsyeva von der Volkswirtschaftlichen Fakultät für ihre Dissertation „Human Capital Mobility and Economic Performance: Microeconomic Evidence from Natural Experiments“. Sie behandelt in ihrer Dissertation Fragen der Migrationsforschung im Kontext der Osterweiterung der Europäischen Union. Laurentsyeva untersucht darin, welche Auswirkungen der Wegzug von Fachkräften auf Unternehmen in den neuen EU-Ländern hat. In ihrer kumulativen Dissertationsschrift zeigt sie zum einen die negativen Effekte auf Firmenebene, kommt aber auch zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Innovationstätigkeit der betroffenen Unternehmen steigt. Zudem zeigt sie am Beispiel der Zusammenarbeit russischer und ukrainischer Software-Entwickler, welche Rolle nationale Identitäten für die Leistung internationaler Teams haben. So weist sie nach, dass im Zuge der Ukrainekrise die Bereitschaft zur Kollaboration gesunken ist.

Ein weiterer Förderpreis geht an Dr. Katharina Ebner von der Katholisch-Theologischen Fakultät für ihre Arbeit „Religion im Parlament. Homosexualität als Gegenstand parlamentarischer Debatten im Vereinigten Königreich und in der Bundesrepublik Deutschland (1945-1990)“. Katharina Ebner untersucht in ihrer religionsgeschichtlichen Studie in einem länderübergreifenden Vergleich der Bundesrepublik Deutschland und des Vereinigten Königreich, in welchem Ausmaß religiöse Begründungen und Normen in den parlamentarischen Debatten zur Frage der Homosexualität präsent waren. Zeitraum der Analyse sind die Jahre zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der deutschen Wiedervereinigung, in denen sich die rechtliche, politische und gesellschaftliche Beurteilung von Homosexualität stark gewandelt hat – von der Affirmation der Strafbarkeit homosexueller Handlungen hin zu Forderungen nach juristischer und gesellschaftlicher Gleichstellung. Die Arbeit erfolgte im Rahmen des Graduiertenkollegs „Religiöse Kulturen im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts“.

Dr. Stefan Stegner von der Juristischen Fakultät wird für seine Dissertation mit dem Titel „Zwischen Souveränität und Ökonomie: Die Konstruktion von Zugehörigkeit im modernen Staat – Eine Geschichte sozialversicherungsrechtlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Polen“ ausgezeichnet. Er widmet sich in seiner Arbeit dem grenzüberschreitenden internationalen Sozialrecht. Stegner analysiert den Wandel der deutsch-polnischen sozialversicherungsrechtlichen Beziehungen im Zeitraum vom Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, in dem sich auch die Grenzziehungen veränderten. Die Arbeit profitiert von der doppelten akademischen Ausbildung des Verfassers in Geschichte und Rechtswissenschaft: Stefan Stegner verbindet geschichtswissenschaftliche Archivarbeit mit sozialrechtlicher Dogmatik und staatswissenschaftlicher Theorie. In seiner Arbeit zeigt er, wie sich das Sozialrecht der Staatsräson fügt oder im modernen Staat selbst zur Staatsräson beiträgt.

Ein weiterer Preis geht an Dr. Gabriel Garcia Caballero von der Tierärztlichen Fakultät. Seine Arbeit „Chicken (Gallus gallus) as Model for Network Analysis of Adhesion-/Growth regulatory Galectins” widmet sich zellulären Rezeptoren, sogenannten Lektinen, die in Zuckerverbindungen gespeicherte biochemische Informationen lesen und in biologische Reaktionen übersetzen. Durch die strategische Kombination verschiedener Arbeitstechniken ist es ihm gelungen, zwei neue Mitglieder der Lektinfamilie der Galektine zu charakterisieren und damit erstmalig ein Lektin-Puzzle zu vervollständigen. Sein besonderes Augenmerk galt dabei dem von ihm isolierten Grifin, einem Galektin der Augenlinse, das als biologischer Kitt eine wichtige Rolle zu spielen scheint.

Dr. Baldassare Scolari von der Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft erhält den Promotionsförderpreis für seine Arbeit „State Martyr. Representation and Performativity of Political Violence”. Er beschäftigt sich mit dem Begriff des Märtyrers im Kontext politischer Gewalt. Scolari geht es um die Frage, warum in säkularisierten Gesellschaften ein Begriff mit einer derart religiösen Konnotation so zentral werden konnte: Was leistet ein Begriff aus der christlichen Antike im modernen gesellschaftspolitischen Diskurs? Die historische Verankerung fokussiert auf die späten 1970er-Jahre in Italien und die Ermordung des Politikers Aldo Moro. Dank seiner akribischen Aufarbeitung verschiedenster Quellen gewinnt Baldassare Scolari völlig neue Einsichten in diesen hochpolitischen Fall und zeigt auf, welche Rolle religiöse Motive im gesellschaftspolitischen Kontext haben.

Dr. Christoph Ziegenhain von der Fakultät für Biologie erhielt einen Promotionsförderpreis für seine Dissertation „Improving and Applying Single-Cell RNA Sequencing“. Er beschäftigt sich in seiner Dissertation mit Technologien zur Einzelzellanalyse mittels Hochdurchsatzsequenzierung von RNA-Molekülen. Diese neuen Technologien ermöglichen die systematische Charakterisierung von Zellen und könnten die Zellbiologie in ähnlichem Maße revolutionieren, wie die menschliche Genomsequenzierung die Genetik revolutioniert hat. Herr Ziegenhain hat diese sehr anspruchsvolle Technologie nicht nur in kurzer Zeit etabliert, sondern auch entscheidend weiterentwickelt und erstmals verschiedene Varianten systematisch verglichen. Die zugehörige Publikation im Fachjournal Molecular Cell wurde zu den zehn besten in dieser Zeitschrift im Jahr 2017 gewählt.

Habilitationsförderpreise 2018
Einen Habilitationsförderpreis erhält PD Dr. Maik Dahlhoff von der Tierärztlichen Fakultät. „Nomen est omen: Epidermal growth factor receptor and its ligands in the epidermis and skin appendages”. Seine Habilitationsschrift besteht aus einem Übersichtsartikel und zwölf Originalarbeiten, die in international renommierten Zeitschriften publiziert wurden. Er untersucht mithilfe einer zielgerichtet ausgewählten Kombination von In-vitro- und In-vivo-Modellen die Funktion der Epidermal Growth Factor (EGF)-Rezeptoren und ihrer Liganden, die als Signalproteine im Organismus eine wichtige Rolle spielen. Mit seinen translationalen Forschungsansätzen zur Rolle dieses EGFR-Systems in der Haut und im Gastrointestinaltrakt schafft Dahlhoff interessante und nachhaltige Verbindungen zur Medizin, Biologie und Chemie/Pharmazie.

PD Dr. Nicolai Hannig von der Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften wird für seine Habilitationsschrift mit dem Titel „Kalkulierte Gefahren. Naturkatastrophen und Prävention seit 1800“ mit dem Habilitationsförderpreis ausgezeichnet. Er untersucht in seiner Forschungsarbeit den Umgang mit Naturkatastrophen seit dem Jahr 1800. Über einen Zeitraum von mehr als 200 Jahren legt er dar, wie der menschliche Umgang mit Naturkatastrophen die Entwicklung des modernen Interventionsstaates, der Wissenschaft und der Gesellschaft grundlegende prägte. Dabei entwickelt er ausgehend von Deutschland und der Schweiz eine global ausgreifende transnationale Geschichte. Nicolai Hannig analysiert, wie Menschen sich zu schützen versuchten – wobei sie ganze Landschaften umgestalteten – und wie sie zugleich Naturgefahren in ihren Alltag integrierten. Zudem zeigt er auf, wie sich in diesem Zusammenhang eine Vielzahl von wissenschaftlichen Disziplinen etablierten, angefangen bei der Geologie bis hin zur Versicherungsmathematik.