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Neurodegenerative Krankheiten

Dieter Edbauer erhält ERC Consolidator Grant

München, 29.01.2014

Der Molekularbiologe Professor Dieter Edbauer erhält für ein Forschungsprojekt zu neurodegenerativen Erkrankungen einen mit rund zwei Millionen Euro dotierten Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC). Mit der Auszeichnung unterstützt der ERC exzellente junge Wissenschaftler, ihre innovative Forschung weiter auszubauen und zu konsolidieren.

Professor Dieter EdbauerDieter Edbauer, Professor an der LMU und Leiter einer Nachwuchsgruppe am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), wird mit Hilfe des Grants seine Forschung zu zwei schweren neurodegenerativen Erkrankungen ausbauen: der erblichen Variante der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) und der Frontotemporalen Demenz (FTD). Beide Krankheiten sind häufig mit Demenz, Persönlichkeitsveränderungen oder auch Sprach- und Bewegungsstörungen verbunden. Oft sterben die Patienten innerhalb weniger Jahre.

Im Fokus von Edbauers Forschung stehen bestimmte Eiweißpartikel, die sich im Gehirn der Patienten ansammeln und dort aggregieren. Edbauer konnte erst kürzlich im Rahmen einer internationalen Kooperation zeigen, dass diese Partikel aus sogenannten Dipeptid-Repeat-Proteinen (DPR) bestehen, die auf einem besonderen Gendefekt beruhen: Bei etwa 10 Prozent aller Erkrankten wiederholt sich ein bestimmter DNA-Abschnitt mehrere hundert oder tausend Mal, der bei gesunden Personen nur wenige Male (<30) vorkommt. Edbauers Team wies nach, dass diese Wiederholungen in die Dipeptid-Repeat-Proteine übersetzt werden, die sehr lang sind und aus einer Verkettung immer gleicher Bausteine bestehen. Dies ist erstaunlich, denn die Wiederholungen liegen in einem DNA-Bereich, der normalerweise nicht in Proteine übersetzt wird.

„DPR sind sehr ungewöhnliche Proteine, die sonst im Körper überhaupt nicht vorkommen. Vieles spricht dafür, dass sie die Nervenzelle schädigen“, sagt Edbauer, „über ihre Funktion und ihre Eigenschaften ist aber noch sehr wenig bekannt. Wir werden dies nun detailliert untersuchen“. Möglicherweise eröffnen die Partikel auch neue Möglichkeiten für Therapien: Da sie in gesunden Menschen nicht vorkommen, sind sie ideale Ansatzpunkte für neue Wirkstoffe. Auch dieses Ziel wird Edbauer weiter verfolgen: „Wir wollen nach Substanzen suchen, die ihre Entstehung gezielt hemmen, ohne die Synthese anderer Proteine zu stören. Man könnte auch gegen ihre Aggregation vorgehen und versuchen, ihren Abbau zu beschleunigen.“

Dieter Edbauer studierte Medizin in München und promovierte 2001 am Genzentrum der LMU. Von 2001 bis 2004 war er am Adolf-Butenandt-Institut der LMU tätig. Nach einem fünfjährigen Forschungsaufenthalt am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge (USA) kehrte Edbauer 2009 als Nachwuchsgruppenleiter an das DZNE nach München zurück. 2012 wurde Edbauer auf eine Professur für Translationale Neurobiochemie am Adolf-Butenandt-Institut der LMU berufen.
göd

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