Ludwig-Maximilians-Universität München
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ARCHES Award

Deutsch-israelische Forschungskooperation erhält hohe Förderung

München, 23.07.2020

Für ihre Forschung zur jüdischen Bibelübersetzung und -exegese sind Professor Ronny Vollandt von der LMU und Dr. Miriam Goldstein von der Hebrew University Jerusalem, Israel, mit dem ARCHES Award ausgezeichnet worden. Die mit 200.000 Euro dotierte Auszeichnung wird von der Minerva Stiftung ausgelobt und durch das Bundeswissenschaftsministerium finanziert.

Die wissenschaftliche Untersuchung, Übersetzung und Exegese eines bedeutenden Teils des jüdisch-arabischen Manuskripterbes – damit befasst sich eine Forschungskooperation zwischen Professor Ronny Vollandt, Inhaber der Professur für Judaistik an der LMU, und Dr. Miriam Goldstein vom Department of Arabic Language and Literature der Hebrew University in Jerusalem, Israel.

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Professor Ronny Vollandt

Im Fokus stehen Quellen der sogenannten Firkovitch-Sammlung, die in der russischen Nationalbibliothek in St. Petersburg aufbewahrt wird. Sie enthält mit dem Codex Leningradensis unter anderem einen der ältesten bekannten Kodizes der hebräischen Bibel, die vollständig erhalten ist. Ein Großteil der Sammlungsmanuskripte ist bereits, als Digitalisat oder auf Mikrofilm aufgenommen, auch an der National Library of Israel vorhanden.

„Wir wollen vor allem die Handschriften, die in Zusammenhang mit der Exegese der Bibel stehen, identifizieren, katalogisieren und die gewonnenen Metadaten für Forschung und Studium in der Judaistik sowie in Nachbardisziplinen verfügbar machen“, sagt Professor Ronny Vollandt. Dazu gehörten die Islamwissenschaft, die Arabistik oder das Studium des östlichen Christentums.

Die Sammlung, auf die sich Goldsteins und Vollandts Forschung konzentriert, geht auf Abraham Firkovitch (1787 – 1874) zurück, das geistliche Oberhaupt der jüdischen Religionsgemeinschaft der Karäer, die vor allem im arabischen Raum, aber auch in Osteuropa, etwa auch auf der Krim, ansässig waren. Die Sammlung, die Firkovitch vor allem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zusammengetragen hat, umfasst etwa 18.000 Manuskripte, die zum Teil jeweils mehrere Hundert Seiten enthalten. Sie dokumentieren eindrucksvoll das intellektuelle und religiöse Leben der jüdischen Gemeinde des Mittelalters – vor allem in der Ära des sogenannten „Goldenen Zeitalters“ zwischen dem 9. und dem 13. Jahrhundert. Die Zeit war geprägt durch eine enorme Gelehrsamkeit und einen ausgeprägten religions- und sprachübergreifenden Wissenstransfer.

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Dr. Miriam Goldstein

Goldstein und Vollandt können bei ihrer Arbeit ihre jeweilige Expertise hervorragend bündeln. Während Miriam Goldstein eine Expertin auf dem Gebiet der Bibelexegese ist, hat sich Ronny Vollandt auf die arabische Bibelübersetzung spezialisiert. Und beide haben sich in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn den Textwissenschaften und der kritischen Philologie gewidmet. „Die Arbeit mit den Texten der Firkovitch-Sammlung ist eine wichtige und vielversprechende Arbeit auf unserem Gebiet“, freut sich Ronny Vollandt.

Für dieses Projekt, das bereits 2019 gestartet ist, hat die Minerva Stiftung den beiden Forschenden nun den ARCHES Award zugesprochen. Der Preis wird jährlich an deutsch-israelische Forschungskooperationen vergeben. ARCHES steht dabei für „Award for Research Cooperation and High Excellence in Science“.