Ludwig-Maximilians-Universität München
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Gemeinsam durch die Krise

Studentisches Engagement in Zeiten der Pandemie (Teil 3)

München, 11.08.2020

Zeiten der Krise sind meist Zeiten, in denen Menschen zusammenrücken. Seit Beginn der Covid-19-Pandemie bekommen nicht nur Krankenhäuser, Nachbarschaftshilfen, Tafeln und Schulen ehrenamtliche Unterstützung. In dieser Reihe stellen wir LMU-Studierende vor, die anderen im Alltag unter die Arme greifen. Nachts, am Zuhörertelefon Nightline oder durch konkrete Hilfe zur Selbsthilfe in Coaching Angeboten von und für Studierende.

Jeden Dienstag und Donnerstag von 21:00 Uhr bis 00:30 können Studierende beim Zuhörertelefon Nightline anrufen. Foto: Philip Kroos

Nightline: „Wir hören immer zu, ohne zu werten“

Ein bis zwei Nachtdienste macht Emma pro Monat, wie die meisten Nightliner. Stress im Studium, Probleme mit dem Anschluss, Einsamkeit, Beziehungsprobleme und Geldsorgen – das sind die Themen, die bei dem studentischen Zuhörertelefon Nightline häufig an sie herangetragen werden. In München findet die ehrenamtliche Zuhörtätigkeit im Rahmen eines Vereins statt, der organisatorisch sowie finanziell vom Studentenwerk unterstützt wird.

Die Literaturstudentin ist seit dem Wintersemester 2017/18 dabei, weil sie selbst schwierige Phasen im Studium hatte und andere durch solche Zeiten begleiten möchte. Bei Nightline rufen Studierende an, wenn sie Probleme haben oder sich einsam fühlen und einen Gesprächspartner suchen.

Die Probleme haben sich verschärft

„Durch die Coronakrise haben sich die Themen zwar nicht grundlegend geändert, viele der Probleme wurden jedoch verschärft“, erzählt Emma. „Man ist mehr auf sich allein gestellt und hat weniger Kommilitonen um sich herum. Der Stress im Nebenjob ist durch die Home-Office-Arbeit gestiegen. Auch die Einsamkeit wird durch Corona verstärkt. Wenn man vorher keinen Anschluss gefunden hat, fällt es einem jetzt noch schwerer“, stellt sie fest.

Interessant findet Emma, dass man so viele unterschiedliche Menschen trifft – und stellt fest, dass man manchmal einfach nur durchs bloße Zuhören hilft. Von den Gesprächen profitieren auch die Nightliner, die lernen, kritische oder emotional belastende Gesprächssituationen im eigenen Leben besser zu meistern. „Außerdem machen wir regelmäßig Supervision und reflektieren uns selbst. Dabei kann man immer etwas für sich mitnehmen!“, fügt Emma hinzu.

Bedingungsfreie Wertschätzung

Auch Jonas empfindet die Tätigkeit bei Nightline als Bereicherung. Lange Zeit konzentrierte er sich ausschließlich auf sein Maschinenbaustudium, dann wollte er etwas anderes ausprobieren und fing bei dem Zuhörertelefon an.

Bei einer Schulung lernen die Nightliner die Grundlagen der klientenzentrierten Gesprächsführung nach dem humanistischen Modell von Carl Rogers kennen. Zentrale Prinzipien ihrer Arbeit sind bedingungsfreie Wertschätzung, Vertraulichkeit und Anonymität. „Wir hören immer zu, ohne zu werten. Und es ist wichtig, dass nichts weitergegeben wird – sowohl Anrufer als auch Zuhörer sind anonym“, sagt Jonas.

„Außerdem sind die Gespräche anruferzentriert: Wir konzentrieren uns nicht auf Probleme und Lösungsvorschläge, sondern hören zu. Wir können Gefühle und Erlebnisse spiegeln, sodass der Anrufer seine Situation klarer sehen und selbst Schlüsse daraus ziehen kann.“

Wie kann man die Nightline in den nächsten Wochen erreichen?

Jeden Dienstag und Donnerstag von 21.00 bis 0.30 Uhr haben die Nightliner ein offenes Ohr für jeden, der jemanden zum Zuhören braucht. Die Telefonnummer hat sich geändert: Da sie aufgrund der Pandemie gezwungen sind, von daheim zu arbeiten, ist der Dienst vorübergehend unter 089-23165656 erreichbar. Über diese Nummer wird man automatisch zu einem der Nightliner nach Hause verbunden.

Coaching von und für Studierende

Wem es schwer fällt, Dinge anzupacken, Herausforderungen zu meistern und Veränderung zu schaffen, kann zudem Coaching-Stunden in Anspruch nehmen. Im Rahmen ihrer Ausbildung als CIKS-Coach bieten drei LMU-Studentinnen Coaching-Sessions per Telefon und Videochat an. Damit möchten Elisabeth (8. Semester Gymnasiallehramt), Lysianne (10. Semester Grundschullehramt) und Anna (2. Master-Semester Pädagogik) zum einen weitere Praxiserfahrung sammeln, zum anderen Mitstudierende in schwierigen Zeiten unterstützen.

Doch was ist Coaching überhaupt? „Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Elisabeth, die sich am Ende ihrer Ausbildung befindet: „Coaching ist eine intensive Förderung zur Erreichung selbstkongruenter Ziele, wobei Selbstreflexion ein wichtiger Bestandteil des Prozesses darstellt.“ Elisabeth ist überzeugt, dass gerade in Zeiten des Social Distancing Coaching vielen helfen kann. Der Fokus liegt dabei nicht auf dem Problem, sondern auf der Lösung.

Ob Zeitmanagement, Lösen von Blockaden, Trennung von Privatleben und Uni oder Stärken von sozialen Kontakten, die Klientin bzw. der Klient bestimmt das Thema und Ziel des Coachings selbst. „Als Coach stehe ich zur Verfügung, um mit Hilfe bestimmter Tools und Techniken einen lösungsorientierten Prozess ins Rollen zu bringen“, erklärt Elisabeth.

Aktuell finden die Coaching-Sessions kostenlos bzw. gegebenenfalls auf Basis freiwilliger Spende statt. Unter der E-Mail-Adresse Coaching.von.Studierenden@gmail.com nehmen Elisabeth, Lysianne und Anna Anfragen entgegen.