Ludwig-Maximilians-Universität München
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Student Perspectives

Zusatzangebote: ein Selbsttest

München, 19.11.2019

Mongolisch lernen, ein Unternehmen gründen, Public Relations: Lust und Zeit, neben deinen Kursen im Studium noch was dazu lernen? Es gibt an der LMU viele Angebote, die das möglich machen. Literaturwissenschafts-Studentin Johanna hat die Angebote gebündelt und sich an den Selbsttest gewagt: Wie viele Zusatzqualifikationen kann man während des Studiums erlangen?

Studentin Johanna macht den Selbstversuch zu Kursen neben dem Studium

Ich hab mich mal umgesehen. Ganz egal, ob man Sprachen lernen, ein Office-Spezialist werden, kreativ Schreiben lernen oder ein Genderzertifikat erwerben will – an der Uni gibt es unzählige Zusatzangebote und Qualifikationsmöglichkeiten. Hier den Überblick über die Angebote zu bewahren, war schon eine erste Herausforderung.

Aber zunächst zur Frage: Wie viel Wissen kann man sich überhaupt im Studium aneignen? Dafür habe ich eine Woche lang einen Selbsttest unternommen und zusätzlich zu meiner normalen Semesterwoche so viele spannende und abwechslungsreiche Zusatzangebote der Universität wie möglich besucht. Eins kann ich gleich verraten: am Freitagabend stand nur noch eines auf meiner ToDo-Liste: schlafen.

Der Klassiker: Sprache lernen
Mein Montag ist noch „entspannt“. Ich gehe in meine Uni-Kurse und bereite ein wichtiges Referat für Donnerstag vor. Das Einkaufen verschiebe ich, dazu habe ich bestimmt in den nächsten Tagen mal mehr Lust. Am Dienstag dann das erste Zusatzangebot: „Mongolische Umgangssprache für Anfänger“. Der Kurs beginnt: gleich mal Vokabelabfrage. Sonne auf Mongolisch? Ich muss passen und bekomme gleich „Das habe ich vergessen“ auf Mongolisch beigebracht. Die Dozentin malt verschlungene Buchstaben an die Tafel, ich male ab, das benötigt mehr Konzentration als gedacht. Die Zeichen sind das eine, die Aussprache das andere. Wie artikuliere ich das nochmal? Ich beginne damit, ganz unprofessionell die Aussprache mitzuschreiben. Bei vergessen wäre das etwa: Marttschrt.

Um mich herum helfen alle zusammen, jeder kann mit einer Silbe oder einem Laut einspringen und den stockenden Kommilitonen helfen: Bis die Silben richtig sitzen, kann es nämlich schonmal drei vier Versuche brauchen und während ich den fünften Versuch starte, überlege ich, ob ich diese Region meines Sprachapparats jemals zuvor gebraucht habe.

Am Ende des Kurses sind die Tafel und mein Block mit Zeichen übersäht, ich hatte richtig Spaß daran, mich in das Mongolische einzuarbeiten. Darauf erst einmal ein Bier, ich bedanke mich auf Mongolisch, der Mensch hinter der Bar ist verwirrt und ich bin es auch. War das jetzt angeben oder die pure Freude an dem ersten fehlerlos ausgesprochenen Wort?

Einhörner vs. Einkaufen
Mittwoch. Frühmorgens, 8.15 Uhr erste Vorlesung. Aber Hauptsache am Abend vorher Bier trinken gehen. Das geht vorüber. Abends dann: Raum M017. Noch nie gehört. Ist das hinten im Hauptgebäude, oder muss ich nach oben? Während ich mich auf Raumsuche begebe, gehe ich im Kopf das Referat für den nächsten Tag durch. Handout ausgedruckt? Thesen im Kopf parat? Sobald die Tür von M017 hinter mir zufällt, versuche ich das Thema beiseite zu schieben. Heute findet der Municorn-Talk des Entrepreneurship Centers statt, Start Ups und Gründer erzählen von ihren Ideen. Es sind super spannende Projekte dabei, immer mal wieder schreibe ich mit, möchte erkennen, was es denn mit dem Gründungsmythos auf sich hat. Doch der aufgeschobene Einkauf von Montag muss heute nachgeholt werden, es hilft alles nichts. Deshalb verdrücke ich mich auch um kurz vor neun, während im Saal noch kräftig diskutiert wird. Ich habe keine Zeit zu gründen, ich muss einkaufen. Zum ersten Mal fällt mir auf: Alles schaffe ich dann doch nicht.

PR und kreativ schreiben – das ist meins
Donnerstag. Eineinhalb Stunden Referat, dann drei weitere Uni-Kurse. Kurz Pause, um 18 Uhr geht es im Gebäude der Geowissenschaften weiter. Im Raum sitzen Studierende der unterschiedlichsten Fächer, wir alle warten gespannt auf die erste Übung von „Einführung in die Public Relations“. Puh. Fast bin ich froh, dass sich unser Dozent verspätet, kann kurz durchatmen. Die erste Kursstunde rennt förmlich vorbei. Gut, dass ich Kaffee dabei habe, das hilft und schürt die Energie für die anstehende Schreibübung. 20 Uhr. Während ich über die mögliche Kombination von Wörtern nachdenke, denke ich auch über mein Bett nach. Eigentlich denke ich nur darüber nach. 21 Uhr, mit einem Heft voller Notizen mache ich mich auf den Heimweg, bin dankbar für das Wissen, aber vor allem eins: müde. Eine Frage begleitet mich: Bleibt bei all den Zusatzkursen noch Zeit für mein Studium, oder umgekehrt?

Der Freitag beginnt mit viel Kaffee und einem Abstecher in die Pettenkoferstraße. Erstmal Tische verrücken. Hier findet gleich der Kurs „Kreativ schreiben!“ statt und die Teilnehmenden haben beschlossen, dass sie gerne in U-Form sitzen möchten: Das sorgt für eine bessere Atmosphäre. Irgendjemand hat Mandarinen dabei. Auch das zählt dazu. Nach einer kurzen Feedbackrunde zu den Hausaufgaben geht es auch gleich mit der ersten Schreibübung los: verfasst einen Brief an einen Kritiker eurer Texte. Kein Problem, das geht gut, habe da jemanden vor Augen. Und jetzt? Jetzt liest jeder seinen Text vor, dann gibt es Feedback. Oh, darauf war ich nicht vorbereitet. Aufregung, kurzes Herzrasen, dann ist es geschafft und man ist unfassbar stolz darauf, seinen Text vorgelesen zu haben, konstruktives Feedback bekommen zu haben. Als ich den Kurs verlasse bin ich überglücklich über den spannenden Kurs und die inspirierenden Menschen, die ich kennenlernen durfte. Gleichzeitig ein bisschen traurig: denn sich jeden Freitag mal zwei, mal vier Stunden lang mit Texten zu beschäftigen und Eigenes produzieren zu dürfen gefällt mir. Bei einem vollgepackten Studium geht das schnell verloren: sich auf Dinge zu konzentrieren, die nicht für den Lebenslauf oder das Master-Zeugnis wichtig sind, sondern für einen selbst.

Blut abnehmen üben – das ist definitiv nicht meins
Gleich weiter, Freitag früher Abend – ich habe mir vorgenommen, mal in was Fachfremdes reinzuschnuppern. Schilder weisen mir den Weg in die Kellergewölbe, es riecht nach Desinfektionsmitteln und irgendwie auch nach Lebewesen. Schilder sagen: Auffangstation für Reptilien, ah, so riecht das also. Dann ein ganz normaler Vorlesungsraum, Tische, Tafeln, Studierende. Der einzige Unterschied: es liegen lebensgroße Hunde- und Katzen-Kuscheltiere auf den Tischen. Eine halbe Kuh-Puppe steht in der Ecke, am hintersten Tisch ist ein Hundebein befestigt – Gott sei Dank auch aus Stoff. Die Studierenden scharen sich um je eine Tutorin. Die erste Gruppe beschäftigt sich mit der Reproduktion, also mit der Untersuchung von Stuten oder Kühen. Die zweite Gruppe übt die Blutabnahme an Hundebeinen und an einem Kaninchen-Ohr. Die Nadel in meiner Hand zittert, puh, für mich ist das jedenfalls nichts. Auf dem Weg nach draußen bin ich so sehr von der halben Kuh fasziniert, dass ich fast über die Skelette von Vögeln stolpere. Eine ganz neue Welt.

Endlich Freitagabend. Mein Selbsttest war genauso spannend wie anstrengend. Mir ist klar geworden: so viele zusätzliche Kurse zu belegen, wie ich es diese Woche gemacht habe, macht keinen Sinn. Denn trotz all der neuen Ideen und Anregungen, blieb manchmal das Wichtigste auf der Strecke: die Freude an der Sache und die Konzentration auf mein Hauptstudium. Aber ist die Zeit des Studiums nicht vielleicht genau dafür gedacht, um über den Tellerrand hinaus zu blicken und Kurse zu besuchen, die nicht im Modulplan vorgemerkt sind? Schlussendlich ist es doch eh so: you do you. Alles eine Frage der eigenen Überzeugung. Ich habe für mich jedenfalls ein paar spannende Kurse entdeckt und arbeite noch an der Balance – schließlich habe ich ja das ganze Studium noch Zeit dafür.


Beispiele für Angebote für Studierende aller Fächer:

 

Beispiele für spezielle Angebote für Studierende bestimmter Fächer: