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Interview mit PD Dr. Weisweiler

„Lernen ist auch ein Lernprozess“

München, 02.07.2019

Die Lernzeit steht vor der Tür. Das heißt: Viele Klausuren, viel Stoff und viel zu wenig Zeit. PD Dr. Silke Weisweiler, Leiterin des Center for Leadership and People Management der LMU, ist auf die Themen Zeitmanagement und Selbstorganisation spezialisiert. Im Interview spricht sie darüber, wie man erfolgreich durch die anstrengendste Zeit des Semesters kommt.

Foto: Philipp Thalhammer / LMU

Am Ende des Semesters kommt es nochmal ganz geballt. Was kann ich tun, um nicht von der schieren Masse an Klausuren und Hausarbeiten erschlagen zu werden?

PD Dr. Silke Weisweiler: Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Jeden erschlägt es ein wenig anders. Deswegen ist es auch keine Patentlösung, einfach früher anzufangen. Manche Menschen brauchen den Druck, um überhaupt einmal anzufangen. Empfehlenswert ist es aber, sich frühzeitig einen Plan zu machen. Das hilft dabei, sich mit sich selbst zu beschäftigen und herauszufinden, wie man am besten lernt. Gibt es vielleicht Zeiten und Orte an denen ich besser lernen kann? Brauche ich viele Pausen? Man kennt sich zwar selbst immer am besten, aber Lernen ist auch ein Lernprozess.

Was sind Last-Minute-Tipps, wenn man das Gefühl hat, dass es eh schon zu spät ist?

Das Schlimmste ist das Gefühl, keine Kontrolle mehr über die eigene Zeit zu haben. Die Frage ist also: Wie kriege ich die Kontrolle zurück? Eine Technik ist, sich genaue Ziele für den Tag zu setzen. Nach dem SMART-Prinzip sollten es Ziele sein, die einerseits ambitioniert, aber andererseits auch realistisch sind. Oft ist es eben so, dass man sich in Drucksituationen vornimmt, alles in einem viel zu kurzem Zeitraum zu erledigen und das kann dann leicht schiefgehen. Statt in einer Woche drei Ordner durchpauken zu wollen, sollte ich mir vielleicht überlegen, auf Lücke zu lernen und zu priorisieren.

Wie mache ich mir das Lernen schmackhaft?

Es hilft, wenn man sich Belohnungen verspricht. Wie auch bei den Zielen gilt allerdings: Die Belohnungen sollten attraktiv, aber auch wieder realistisch sein. Wenn ich fünf Seiten durchgearbeitet habe, kaufe ich mir vielleicht kein neues Auto, aber ich gehe am Abend mit einem Freund etwas trinken. Eine Studie hat belegt, dass man sich eher hinsetzt und lernt, wenn man die Belohnungen artikuliert, als wenn man sie sich nur vorstellt. Als Ritual könnte man die Wenn-Dann-Verknüpfung ein oder zwei Mal aussprechen: „Wenn ich das jetzt lerne, dann gehe ich heute Abend aus.“

Was ist, wenn Smartphones und Netflix unsere Aufmerksamkeit fordern?

Für ein konzentriertes Arbeiten und damit meine ich eine dreiviertel Stunde bis Stunde, ist es sehr sinnvoll, das Smartphone auch mal beiseite zu lassen. Das ist ein Zeitraum bei dem die meisten Menschen sagen würden, das schaffe ich, selbst wenn man jemand ist, der sonst viel Zeit am Handy verbringt. Wenn es mich allerdings belastet, dann ist es auch okay mal draufzuschauen. Auch hier geht es um die Kontrolle über die eigene Zeit. Es ist aber Vorsicht geboten: Die Forschung zeigt, je öfter ich abgelenkt werde, desto länger brauche ich auch, um wieder reinzukommen.

Kann man digitale Hilfsmittel in den Lernprozess integrieren?

Definitiv. Manchmal bietet sich die Möglichkeit ja von selbst, wenn das Lehrmaterial durch die Dozentin oder den Dozenten schon aufbereitet ist und zum Beispiel in Form von Quiz auf Moodle zur Verfügung steht. Man kann auch verschiedene Apps nutzen, um die eigene Arbeitsweise mithilfe von To-Do Listen zu strukturieren. Wichtig ist, dass die Apps einfach zu bedienen sind und nicht viel Einarbeitung bedürfen. Sonst verkommt die Hilfsapp ganz schnell zur Ablenkung.

Gibt es noch einen Tipp, den sie jedem Studierenden vor der Lernphase mitgeben wollen?

In Gruppen zu lernen, kann eine große Hilfe sein. Das gemeinsame Ziel, in der Klausur gut abzuschneiden, motiviert. Außerdem ist auch der Lernerfolg größer, weil man gegenseitige Schwächen ausgleichen kann. Grundsätzlich sollte man aber einfach unterschiedlichste Lernarten ausprobieren. Denn auch in der Prüfungsphase gilt: Aus Fehlern lernt man.

PD Dr. Silke Weisweiler leitet das Center for Leadership and People Management der LMU. Sie berät und coacht Professorinnen und Professoren sowie die studentischen Mentoren des P2P-Mentoringprogramms, wenn es um die Themen Karriereentwicklung, Selbstorganisation und Zeitmanagement geht.


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