Ludwig-Maximilians-Universität München
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Tag der Offenen Tür am BMC

„Wir wollen zeigen: Hey, Forschung ist wichtig"

München, 18.03.2019

Am Tag der Offenen Tür am 23. März gewährt das Biomedizinische Centrum Besuchern zum ersten Mal einen Einblick in den Forschungsbau. Warum man Wissenschaft dort erklären sollte, wo sie gemacht wird, und Grundlagenforschung kein Luxus ist: ein Interview mit Professor Peter Becker, Molekularbiologe und Geschäftsführender Vorstand des BMC.

Das Biomedizinische Centrum am HighTechCampus Großhadern/Martinsried. (Foto: LMU)

Was ist das Biomedizinische Centrum?
Das Biomedizinische Centrum als Gebäude kennt in der Nachbarschaft fast jeder. Doch die wenigsten wissen, wer wirklich hier arbeitet: Acht Lehrstühle aus der medizinischen Fakultät der LMU sind hier untergebracht, zwei biochemische Lehrstühle, zwei physiologische, sowie klinisch-theoretische Einrichtungen wie die Immunologie und ein klinischer Lehrstuhl, die Neuroimmunologie. Diese bilden am BMC eine Arbeitsgemeinschaft zum Thema „Plastizität von Zellprogrammen“. Wir beschäftigen uns mit der Frage, wie Zellprogramme im Organismus angelegt werden und sich – gerade in der Auseinandersetzung mit der Umwelt – verändern.

An welchen Themen forschen die Wissenschaftler am BMC?
Das BMC schlägt die Brücke von der Grundlagenforschung zu klinischen Anwendungen. Jede Abteilung, jedes Institut hat dabei seinen eigenen Schwerpunkt. Von der Genregulation über die Schädigung von DNA und deren Reparaturmechanismen bis hin zur Autoimmunität und Allergien. In der Neuroimmunologie geht es dagegen vor allem um Regeration von Nervenzellen und Multiple Sklerose. Dort wird an Mausmodellen erforscht, was bei MS im Gehirn passiert, und es werden Medikamente und Verfahren entwickelt, um die Krankheit zu stoppen. Es geht also um ganz verschiedene Themen aus der Immunologie, der Neurobiologie und der Grundlagenforschung, bei denen die Wissenschaftler aber sehr viel Gemeinsames finden, über das sie sich austauschen.

Zudem unterrichten wir hier die Studenten der Medizinischen Fakultät vom zweiten bis zum vierten Semester, pro Jahr haben wir etwa 1000 neue Medizinstudenten. Deswegen haben wir hier auf dem Campus auch ein Gebäude, das ausschließlich der Lehre gewidmet ist – mit vielen Seminarräumen für den Unterricht in Kleingruppen und dem großen Hörsaal, der 980 Sitzplätze hat.

Warum gibt es nun zum ersten Mal den Tag der Offenen Tür am Biomedizinischen Centrum?
Das BMC wurde vor rund drei Jahren eingeweiht, und es hat zweieinhalb Jahre gedauert, bis alle Arbeitsgruppen sich eingerichtet hatten. Für uns ist es tatsächlich die erste Gelegenheit, uns vorzustellen.

Unser Ziel ist es, dass die Besucher nach diesem Tag das Gefühl haben, etwas gelernt zu haben. Wir wollen ihnen die schwierige Forschung erklären. Denn letztendlich geht es uns vor allem um die Unterstützung der Bevölkerung für unsere Forschungsvorhaben. Vor einiger Zeit hatten wir Wissenschaftler das Gefühl, dass wir uns auf Protestmärschen wie dem „Science March“ für unsere Arbeit rechtfertigen müssen. Wir wollen allen sagen: „Hey, Forschung ist wichtig!“. Noch wichtiger als diese Protestmärsche sind jedoch konkrete Einblicke in die Wissenschaft wie am Tag der Offenen Tür. Forschung müssen wir dort erklären, wo sie gemacht wird – denn dort kann man am besten verdeutlichen, warum sie so relevant ist.

Über wen würden Sie sich am Tag der Offenen Tür freuen?
Jeder ist willkommen – besonders richtet sich der Tag der Offenen Tür an unsere Nachbarn in Martinsried, Großhadern und im Münchner Umland. Wir freuen uns über diejenigen, die herausfinden möchten, was hier am BMC passiert, sich für lebenswissenschaftliche Fragestellungen interessieren oder mit Wissenschaftlern über ihre Arbeit sprechen möchten. Uns liegt unheimlich viel daran, unsere Forschung verständlich zu machen. Wir wollen erklären, was wir forschen, warum wir forschen und wie wir forschen. Nicht zuletzt deshalb, weil unsere Forschung auch einiges kostet.

„Grundlagenforschung – Luxus oder Notwendigkeit?“ ist der Titel der Podiumsdiskussion am Tag der Offenen Tür. Was ist Ihre Meinung dazu?
Das ist ein Thema über das man trefflich streiten kann: Die finanziellen Mittel für die Forschung sind knapp - kann dann in Deutschland wirklich jeder das erforschen, was er will? Oder sollte das kontrolliert werden?

Ich selbst bin ein leidenschaftlicher Grundlagenforscher und der Meinung, dass Grundlagenforschung kein Luxus, sondern tatsächlich eine Notwendigkeit ist. Das Problem: Die Erträge dieser Forschung werden möglicherweise erst Jahrzehnte später erkannt. Und nicht jede Grundlagenforschung generiert auch relevante Ergebnisse für die Gesellschaft. Zudem glaube ich, dass es ein Wesenszug der Menschheit ist, einfach neugierig zu sein. Und dass es manchmal die ganz grundlegende oder auch etwas abseitige Forschung ist, die die Leute emotional anspricht.

Bekommen die Besucher auch einen Einblick in die Tierhaltung am BMC?
Tiermodelle sind Teil der Forschung am BMC. Und bei uns lässt sich besonders gut zeigen, dass etwa Mausmodelle sehr wichtig sein können. Multiple Sklerose muss man tatsächlich an Mäusen erforschen. Am Tag der Offenen Tür stellen wir die Tierhaltung am BMC vor – neben den Mäusen arbeiten wir auch mit Fliegen, Fröschen, Fischen, Hefe oder Zellkulturen. Und es gibt einen Stand, an dem diejenigen, die die Tierhaltung betreiben, über ihre Arbeit berichten.

Der Tag der Offenen Tür des Biomedizinischen Centrums findet am 23. März 2019 von 10 bis 16 Uhr am BMC in der Großhaderner Str. 9, 82152 Planegg-Martinsried, statt.

Eine Vortragsreihe erklärt mit mehreren Kurzvorträgen die Forschungsaktivitäten der Lehrstühle. An zahlreichen Infoständen können sich Besucher mit Wissenschaftlern über ihre Forschung unterhalten. Zudem gibt es eine Reihe von Laborführungen mit verschiedenen Stationen, an denen man sehen kann, wo und wie die Wissenschaftler arbeiten, und Führungen durch die Kompetenzzentren, die sogenannten Core Facilities, in denen besonders teure und schwer bedienbare Geräte aufgestellt sind – etwa für Proteinanalytik und Bioimaging. Im Kidslab können Kinder an sechs verschiedenen Stationen unterschiedliche kleine Versuche machen oder einen Einblick in die Forschung erhalten. Um 16 Uhr findet die Podiumsdiskussion zum Thema „Grundlagenforschung – Luxus oder Notwendigkeit?“ statt.

becker_peterProf. Dr. Peter Becker ist Inhaber des Lehrstuhls für Molekularbiologie am Biomedizinischen Centrum der LMU.