Ludwig-Maximilians-Universität München
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Professor Wulf Steinmann

Ehemaliger Rektor der LMU verstorben

München, 10.01.2019

„Wulf Steinmann hat [bei seiner Amtsführung als Präsident und Rektor] auch unpopuläre Entscheidungen nicht gescheut, wenn sie im Interesse der gesamten Hochschule lagen. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist es ihm gelungen, die Einheit der Universität zu wahren und zu festigen. Dies erreicht zu haben, ist bei einer Hochschule, die in 20 Fakultäten gegliedert und auf das gesamte Stadtgebiet und Teile des Umlands von München zerstreut ist, alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Die zentrifugalen Kräfte innerhalb eines Konglomerats so unterschiedlicher Fachrichtungen und so disparater Gruppeninteressen sind stark. Sie zu überwinden, ist die vielleicht wichtigste Aufgabe, die der Universitätsleitung gestellt ist. Rektor Steinmann hat sie meisterhaft bewältigt.“ So würdigte Professor Andreas Heldrich seinen Vorgänger im Amt des Universitätsrektors bei der feierlichen Amtsübergabe im Jahr 1994.

Foto: Karl-Heinz Egginger/Süddeutsche Zeitung Photo

Zwölf Jahre stand der Physiker Wulf Steinmann der Hochschulleitung der LMU vor – so lange wie noch kein Rektor vor ihm. Er war von 1982 bis 1990 zunächst Präsident, nach Einführung der Rektoratsverfassung bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1994 Rektor der LMU.

Viele Jahrzehnte gehörte der 1930 in Essen geborene Steinmann der LMU an; hier studierte er von 1951 bis 1956 Physik, hier wurde er im Jahr 1960 promoviert, hier habilitierte er sich 1966 und war schließlich ab 1968 Professor an der Fakultät für Physik mit dem Forschungsschwerpunkt Festkörper- und Oberflächenphysik, insbesondere Photoelektronenspektroskopie mit Synchrotronstrahlung.

Zwischenzeitliche Forschungsaufenthalte führten ihn etwa an die University of Southern California, Los Angeles, USA, sowie an das Deutsche Elektronen-Synchrotron, kurz DESY, in Hamburg. Hierbei befasste er sich mit seiner Forschungsgruppe zunächst mit Fragen der diskreten Energieverluste von Elektronen im Festkörper, dann standen die Probleme der Optik und der Photoelektronen-Physik im Vordergrund.

Von 1966 bis 1968 war Wulf Steinmann Leiter der Abteilung Oberflächenphysik am European Space Research Laboratory im niederländischen Noordwijk.

Von 1978 bis 1982 war Wulf Steinmann zudem Direktor des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung und Hochschulplanung in München.

Neben vielen hochschulpolitischen Umbrüchen fielen in seine Amtszeit so wichtige Entwicklungen wie der Ausbau der Informatik, die zukunftsweisende Verlagerung der Fakultät für Chemie und Pharmazie nach Großhadern sowie die Errichtung des Genzentrums am selben Standort.

Für seine Verdienste um die LMU und den Hochschulstandort München und Bayern erhielt der Vater von drei Kindern im Jahr 1991 den Bayerischen Verdienstorden. Bereits im Jahr 1988 war er mit der Bayerischen Verfassungsmedaille in Silber ausgezeichnet worden.

Am 3. Januar 2019 ist Professor Wulf Steinmann im Alter von 88 Jahren verstorben.

Der Präsident der LMU, Professor Bernd Huber zum Tod von Steinmann: „Wir trauern um Wulf Steinmann, der die LMU entscheidend geprägt und wichtige Weichen für die Entwicklung der Universität gestellt hat. Wir werden ihn nicht vergessen.“ Der Präsident würdigt seinen Vor-Vorgänger im Amt mit Blick auf seinen eigenenen Rektoratsantritt im Jahr 2002 auch persönlich als „umsichtigen Ratgeber, der mich mit seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz sehr unterstützt hat“.