Ludwig-Maximilians-Universität München
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Preis für LMU-Forscher

Mehr Nachhaltigkeit im Unterricht!

München, 30.10.2019

Jeden Freitag gehen Tausende Schülerinnen und Schüler auf der ganzen Welt unter dem Motto „Fridays for Future“ auf die Straße und demonstrieren für einen effektiven Klimaschutz. Trotzdem haben viele Schüler bei diesen Themen Wissenslücken, stellte der Lehrer Christian Hoiß fest. In seiner Doktorarbeit „Deutschunterricht im Anthropozän“, die nun von der Selbach Umwelt-Stiftung ausgezeichnet wurde, geht er der Frage nach, wie man nachhaltige Entwicklung im Deutschunterricht lehren kann.

hoiss_260_webWelchen Einfluss auf die Erdsysteme und das Klima hat der Mensch? Welche Auswirkungen des Klimawandels werden wir zu spüren bekommen? Und was können wir tun, um etwas zu ändern? „Dass diese Diskussionen nicht abreißen, liegt vor allem daran, dass die Dimensionen dieser globalen Phänomene kognitiv schwer zu fassen sind“, erklärt Hoiß. „Und das ist aus meiner Sicht eines der zentralen Probleme.“ Aus diesem Grund sei es so wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, wie man die globale Erwärmung, den Verlust der Biodiversität oder die Folgen exzessiven Ressourcenverbrauchs kommuniziert – gerade im Unterricht.

Doch in der Lehrerbildung hat das Thema nachhaltige Entwicklung bisher keinen festen Platz. Dies will der Deutschdidaktiker Hoiß mit seiner Doktorarbeit, in der er sich mit der Vermittlung des Anthropozäns - der geowissenschaftlichen Hypothese vom Zeitalter des Menschen - auseinandersetzt, ändern: „Allein schon unsere Sprache zeigt, wie ausschlaggebend Kommunikation ist: Reden wir über eine Klimaerhitzung? Eine Klimaerwärmung? Oder doch eher über Klimawandel?“ Eigentlich ist es gesellschaftlicher Konsens, dass diese brandaktuellen Fragestellungen im Unterricht behandelt werden. Die Herausforderung ist dabei vor allem, alle Fächer einzubeziehen. „Und das klappt auch – selbst in Fächern wie Deutsch, Englisch oder Sport“, behauptet er. Ein großer Vorteil dabei ist, dass diese Fragen Schülerinnen und Schüler oft mehr interessieren als ein weiterer Aufsatz über das Für und Wider von Schuluniformen.

Trotz des hohen Interesses an dem Thema stellt Hoiß auch immer wieder Wissenslücken fest: „Die wenigsten Studierenden und Schüler wissen tatsächlich, welche Rohstoffe für ihr Smartphone oder ihren Computer verwendet werden – und welche sozialen und ökologische Folgen der verschwenderische Gebrauch dieser Produkte haben kann.“ Mit seiner Doktorarbeit will Hoiß nun auch künftige Lehrinnen und Lehrer zu mehr Bildung für nachhaltige Entwicklung motivieren. An der LMU war er damit schon erfolgreich. Ab dem Wintersemester 2019/20 gibt es hier das neue Zertifikatsprogramm el mundo, das Lehramtsstudierenden die Möglichkeit bietet, sich mit den Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung auseinanderzusetzen.

Den moralischen Zeigefinger vermeiden
Hoiß weiß wovon er redet, denn er ist nicht nur Wissenschaftler an der LMU, sondern auch Lehrer an einer beruflichen Fachschule. Die Fallstricke seiner Forderung, nachhaltige Entwicklung zum festen Bestandteil im Unterricht zu machen, kennt er daher: „Lehrer sollten den moralischen Zeigefinger vermeiden. Am besten bleibt man bei diesem oft emotionalen Thema deskriptiv – sonst schlägt einem auch im Klassenzimmer schnell eine Abwehrhaltung entgegen.“