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Lehr-Forschungsprojekt „Wählerwanderung“

Die Seminarergebnisse in den Abendnachrichten

München, 09.10.2018

Schon als Bachelor- oder Masterstudent landesweit Wellen schlagen? Wirkt man bei dem Lehr-Forschungsprojekt von Professor Küchenhoff und Professor Thurner mit, dann ist das möglich. Die Teilnehmer der Seminare untersuchen die Wählerwanderung bei der bayerischen Landtagswahl.

Foto: Philipp Thalhammer / LMU

Wahlergebnisse zu sehen ist eine Sache. Zu verstehen, wie sie zustande kommen, noch einmal eine andere. Welche Parteien verlieren Wähler und wo gehen sie hin? Unter der Regie von Professor Küchenhoff vom Institut für Statistik und Professor Thurner vom Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft läuft deswegen ein Lehr-Forschungsprojekt zur Untersuchung der Wählerwanderung. Mit der Landtagswahl am 14. Oktober vor der Tür beginnt langsam die Hochphase. Insbesondere die diesjährige Wahl verspricht spannend zu werden. Denn seit 2013 hat sich in der Parteienlandschaft einiges getan.

Die Untersuchungen werden aufwändig: In den kommenden Wochen führen die teilnehmenden Studierenden Telefoninterviews. Am Wahltag selbst stehen sie als Befrager vor den Wahllokalen und führen so genannte Exit-Polls durch. „Dabei werden Wähler gebeten, ihre Wahl quasi zu wiederholen und noch ein paar Zusatzfragen zu beantworten, wie zum Beispiel, was sie letztes Mal gewählt haben, was der Grund für ein geändertes Wahlverhalten ist oder was ihr sozioökonomischer Hintergrund ist“, erklärt Küchenhoff. Die Studierenden führen diese Befragungen zwar eigenverantwortlich durch, sind aber nicht auf sich allein gestellt. Die beiden Professoren stehen den Studierenden auch am Wahlsonntag mit Rat und Tat zur Seite. Und bringen den Studierenden sogar Verpflegung vorbei.

„Forschung und Lehre ergänzen einander“

Wer jetzt denkt, das wäre schon alles, was an Arbeit in das Lehr-Forschungsprojekt fließt, der liegt falsch. Denn die Fragebögen wurden im Rahmen von Seminaren über lange Zeit entwickelt und getestet. Das Projekt erstreckt sich deswegen über weit mehr als ein Semester - läuft sogar mehrere Jahre. Je nach aktuellem Stand bieten sich den Studierenden unterschiedliche Möglichkeiten, um mitzuwirken und sich selbst weiterzubilden. Kurz vor der Wahlbefragung können sie an Interviewerschulungen teilnehmen und es werden Abschlussarbeiten aller Art vergeben. „Ich würde auf jeden Fall wieder an einem solchen Seminar teilnehmen, da man sich durch die praxisnahen Fragestellungen viele beruflich hilfreiche Kenntnisse aneignen kann“, erzählt Julia, die im Sommersemester an einem Projektseminar teilgenommen hat. Das Konzept funktioniert also. Das ist kein Zufall, sondern bewährt.

Bereits zur letzten Landtagswahl untersuchten Küchenhoff und Thurner das Wahlverhalten der bayerischen Bürger, damals in der Landeshauptstadt München. Das Lehr-Forschungsprojekt wurde damals auch mit einem Lehre@LMU-Preis für innovative Lehre ausgezeichnet. Den Erfolg des Projekts macht Küchenhoff unter anderem an zwei Punkten fest: „Das Konzept unserer Seminare ist, reale Projekte einfließen zu lassen. Wir lassen die Studierenden Daten auswerten, die noch niemand davor ausgewertet hat. Dabei fällt auf, dass sich Forschung und Lehre keineswegs behindern, sondern einander ergänzen.“ Das motiviert. Die Seminarergebnisse stehen online und werden schon einmal in Nachrichtensendungen aufgegriffen. Auch eine Buchveröffentlichung zur Methodik von Exit-Polls gab es. Natürlich auch mit Beiträgen von Studierenden.

„Der andere Ansatz ist interdisziplinäres Arbeiten. Das machen wir so: Tandems aus Politwissenschaftlern und Statistikern bearbeiten zusammen ein Thema, zum Beispiel, wie die Probleme bei Nachwahlbefragungen gelöst werden können.“ Die Studierenden entwerfen Fragebögen, führen Testbefragungen durch und bringen damit statistische Methodik mit politikwissenschaftlicher Theorie auf einen Nenner. An einem weiteren Seminar teilzunehmen, ist durchaus möglich. Denn nach der Wahl ist die Arbeit noch nicht vorbei. Im Wintersemester wird ein Seminar angeboten, das sich mit der Auswertung der gefundenen Daten befasst. Welche Ergebnisse zu erwarten sind, das will Küchenhoff noch nicht sagen. Es bleibt also spannend bis zur Veröffentlichung der Resultate.

Mittlerweile hat sich das LMU-Projekt über die Stadtgrenzen hinaus zu einem bayernweiten Lehr-Forschungsprojekt entwickelt. Auch in Regensburg und Passau führen Studierende Nachwahlbefragungen durch. Unterstützt unter anderem von der Thyssen-Stiftung und der Laufer-Stiftung koordinieren Küchenhoff und Thurner eine großangelegte Studie in Zusammenarbeit mit den Universitäten Regensburg (Prof. Dr. Melanie Walter-Rogg, Politikwissenschaft) und Passau (Prof. Dr. Harry Haupt, Statistik, und Prof. Dr. Tom Knieper, Kommunikationswissenschaft).

 

Lehre@LMU ist das Programm der LMU im Rahmen des "Qualitätspakts Lehre" von Bund und Ländern. Das Konzept bündelt Maßnahmen von der Förderung studentischer Forschungsprojekte und der Auszeichnung innovativer Lehrkonzepte über den Ausbau von Mentoringprogrammen bis hin zur Unterstützung Studierender in besonderen Lebenslagen.

Mehr Informationen zum Lehr-Forschungsprojekt „Wählerwanderung“ gibt es auf der Webseite des Statistischen Beratungslabors (StaBLab) und des Lehrstuhls für Empirische Politikforschung. Über die Ergebnisse berichten wir auch an dieser Stelle, sobald sie vorliegen.


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