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Vor 75 Jahren

"Zeitübergreifend bleibt die Weiße Rose Vorbild"

München, 18.02.2018

Wie aktuell ist die Weiße Rose heute? Was bedeutet sie in der historischen Forschung? Und welche Rolle spielt sie in der Geschichte der LMU? Drei Statements von Hildegard Kronawitter, Vorsitzende der Weiße Rose Stiftung, LMU-Präsident Bernd Huber und LMU-Historiker Andreas Wirsching

huber_260Bernd Huber, LMU-Präsident
"Die Mitglieder der Weißen Rose waren überzeugt, dass Menschen durch Aufklärung in die Lage versetzt werden können, ihre Überzeugungen zu ändern und Haltung zu zeigen. Diesem Geist sind wir verpflichtet: Die LMU will ihren Studierenden eine umfassende Bildung vermitteln, die Analysefähigkeit und ein kritisches Werte- und Geschichtsbewusstsein ermöglicht. Im Gedenken der Weißen Rose müssen wir uns immer im Klaren darüber sein, in welchem Umfeld ihre Mitglieder handelten: Sie wagten Widerstand an einer gleichgeschalteten Universität in einer von der nationalsozialistischen Ideologie durchdrungenen Gesellschaft. Sich dagegen zu stellen war ein unglaublich mutiger Akt, der bis heute nachwirkt und auch Verpflichtung für uns ist."


fabienne gouverneur - hildegard kronawitterHildegard Kronawitter, Vorsitzende der Weiße Rose Stiftung e.V
"Die Erinnerung an die Widerstandsgruppe haben in den vergangenen Jahrzehnten Filme, Zeitzeugenberichte, Monografien oder Namensgebungen von Straßen- und Schulen wach gehalten. Sophie Scholl, nicht nur jüngstes Mitglied, sondern auch einzige Frau im Kern der Widerstandsgruppe, erhielt mit großer Zustimmung der Bevölkerung 2003 einen Ehrenplatz in der Walhalla, was zeigt, dass Widerstand zu unserem nationalen Verständnis gehört. Auch der LMU gereicht es zur Ehre, wenn sie regelmäßig an die Weiße Rose erinnert. In dem Bemühen zu vergegenwärtigen und zu würdigen, sehen wir uns als Weiße Rose Stiftung in enger Partnerschaft mit der Universität, wofür die DenkStätte ein beredter Ausdruck ist. Des Weiteren konzentrieren wir uns auf Wanderausstellungen - deutschlandweit und im Ausland -, auf pädagogisch-historische Arbeit mit Schulen und themenbezogene Veranstaltungen.

Mit unserer Arbeit wollen wir aber auch Impulse für ein Nachdenken über die heutige Bedeutung der Widerstandsgruppe setzen. Zentral sind bei dieser Vermittlungsaufgabe daher jene in den Flugblättern formulierten Werte, die damals ein flammender Protest gegen den Unrechtsstaat waren und heute moralische Basis für unser Zusammenleben sein sollen. Die Weiße Rose steht für Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Toleranz und Zivilcourage; sie wandte sich gegen Rassismus und antidemokratisches Verhalten. Zeitübergreifend bleibt die Weiße Rose also Vorbild insbesondere dann, wenn unsere Haltung gegen Rassismus, Intoleranz und antidemokratisches Verhalten gefragt ist."


wirsching_260_webAndreas Wirsching, LMU-Historiker und Leiter der Insituts für Zeitgeschichte

Immer wieder beschworen die Mitglieder der Weißen Rose die Deutschen, sich zu entscheiden, den „Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt“, zu zerreißen und entsprechend zu handeln. Mit ihren Flugblättern wandten sie sich in erster Linie an die Gebildeten: an Schriftsteller und Professoren, Schuldirektoren und Ärzte. Denn für die Weiße Rose stand fest, dass sich die deutschen Eliten in ihrer großen Mehrheit entweder falsch entschieden hatten, indem sie Hitler folgten; oder dass sie sich der notwendigen Entscheidung gegen Hitler verweigerten, indem sie die Nationalsozialisten gewähren ließen und sich anpassten.

Tatsächlich entschieden 35 der 100 Empfänger der ersten vier Flugblätter anders als erhofft. Sie lieferten die Flugblätter bei der Gestapo ab, sei es aus Angst, sei es aus Überzeugung. Sie unterwarfen sich damit den engen Grenzen, mit denen das Regime die freie Entscheidung eingeschränkt hatte. Umso klarer erkennbar wird die historische Größe, die darin lag, diese Grenzen zu überschreiten und unter Einsatz des eigenen Lebens sich ohne Wenn und Aber dem nationalsozialistischen Regime und seiner pervertierten Moral zu widersetzen.

Dabei handelt es sich um die Größe jener inneren Freiheit zum Handeln, die der Selbstüberwindung entspringt: einer Freiheit, die sich aus Gründen von Recht und Moral, von Glauben und Gewissen jeder äußeren Bindung entledigt hat und daher alle Grenzen zu übersteigen vermag. Diese historische Größe der Mitglieder der Weißen Rose, dieses bewusste Einstehen für Recht und Moral, Glauben und Gewissen, nötigt uns höchste Bewunderung ab. Zusammen mit anderen steht die Weiße Rose als dauerhaftes Zeugnis für ein anderes, ein besseres Deutschland, dessen Anhänger im richtigen Augenblick die richtige Entscheidung trafen und diese Entscheidung mit dem Leben bezahlten.

 

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