Ludwig-Maximilians-Universität München
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Herzogliches Georgianum

"Thronenede Gottesmutter" restauriert

München, 30.11.2018

Rund vier Monate brauchten die Restauratoren, um der „Thronenden Gottesmutter“ ihre mittelalterliche Originalität zurückzugeben. Jetzt ist die sakrale Sitzfigur aus dem 13. Jahrhundert wieder dorthin zurückgekehrt, wo sie seit Ende des 19. Jahrhunderts zu Hause ist: In der Kunstsammlung des Herzoglichen Georgianums am Professor Huber-Platz.

Die Thronende Gottesmutter vor der Restauration (links): Unter zahlreichen Schichten aus Farbe oder Leinwand ging die feine Nuancierung der spätgotischen Schnitzkunst weitgehend verloren. Die Restaurierung brachte sie wieder zum Vorschein.

Moderne Outdooraktivisten würden vom „Zwiebelschalenprinzip“ sprechen. Damit ist der Zustand gut beschrieben, in den die Thronende Gottesmutter oder „sedis sapientiae“ im Laufe von rund sieben Jahrhunderten versetzt wurde und in dem sie schließlich in die Restaurationswerkstätte von Rolf-Gerhard Ernst in München gelangte. Zahlreiche Künstler oder solche, die sich dafür hielten, hatten sich am spätgotischen Schnitzwerk versucht, hatten Farben aufgetragen, Unebeneinheiten mit dem Aufkleben von Leinwand ausgeglichen, haben angeflickt und entfernt – so etwa das Kind, gleichsam das wichtigste Attribut der sitzenden Gottesmutter: Nur ein Dübelloch verweist noch auf die Befestigungsstelle.

Die teilweise höchst unprofessionell ausgeführten Arbeiten, die die Plastik ihrer mittelalterlichen Originalität weitgehend beraubt haben, stellten die Restauratorinnen und Restauratoren vor große Herausforderungen: Mit viel Fingerspitzengefühl mussten sie Schicht um Schicht von großzügig aufgetragener Farbe, von Leinwand- und Leimresten abtragen, sehr vorsichtig, um das ausgehöhlte und recht dünne Schnitzwerk nicht zu beschädigen. Entsprechend des Aufwandes waren denn auch die Kosten der Restaurierung, die mit rund 28.000 Euro zu Buche schlugen. Davon übernahm ein Großteil die Ernst von Siemens Kunststiftung, auch die Werkstätte von Rolf-Gerhard Ernst beteiligte sich noch mit rund 7.000 Euro.

Jetzt wurde die Gottesmutter wieder an ihren alten Standort zurückgebracht: In die Kunstsammlung des Herzoglichen Georgianums, die von Professor Andreas Schmid, von 1876 bis 1909 Direktor des Priesterseminars, aufgebaut wurde und der auch die Sitzfigur seinerzeit für fünf Mark von einem Münchener Künstler erworben hat. Die Kunstsammlung des Georgianums sollte vor allem die Bedeutung der süddeutschen Kunstlandschaft zeigen, aber zugleich auch die Seminaristen des Georgianums mit der Kunst und den dargestellten Heiligen vertraut machen. Heute werden auf Nachfrage Führungen durch die Kunstsammlung angeboten.

Das 1494 von Herzog Georg dem Reichen von Bayern-Landshut gestiftete Priesterseminar Georgianum gehört seit seiner Gründung zur LMU – damals noch die „Hohe Schule“ in Ingolstadt. Es steht nicht nur bayerischen, sondern allen deutschen und internationalen Priesteramtskandidaten und Priestern offen und ist das einzige unter staatlicher Aufsicht stehende Priesterseminar der Welt. Bekannte Seminaristen waren der emeritierte Papst Benedikt XVI. und der Pfarrer und Heilkundler Sebastian Kneipp.