Ludwig-Maximilians-Universität München
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Vor 75 Jahren

„Das Gesetz ändert sich, das Gewissen nicht“

München, 21.02.2018

Gerechtigkeit, Verantwortung, Freiheit, Menschenwürde, Gewissen, Mut: Nur wenige haben Anfang der 40er-Jahre den Mut, sich gegen die Diktatur zu stellen und für ihre Überzeugung einzutreten. Sieben Mitglieder der Weißen Rose bezahlen diesen Mut mit ihrem Leben.

Mitglieder der “Weißen Rose”: von links Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst. Aufnahme Wittensteins bei der Militärsammelstelle ihrer Münchner Studentenkompanie am Ostbahnhof München zur Abkommandierung an die Ostfront. Foto: George (Jürgen) Wittenstein / akg-images

Im Gedenken an:

Sophie Scholl
„Wenn ich auch nicht viel von Politik verstehe und auch nicht den Ehrgeiz habe, es zu tun, so habe ich doch ein bißchen ein Gefühl, was Recht und Unrecht ist. Denn dies hat ja mit Politik und Nationalität nichts zu tun.“
Brief an Fritz Hartnagel, 29. Mai 1940

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Während Hans Scholl im Verhör versucht, seine Schwester zu schützen, übernimmt diese die volle Verantwortung für ihr Tun und versucht, Freunde zu schützen. Auf die letzte Frage des Gestapobeamten, ob sie ihre Taten bereue, gibt die zu Protokoll: „Von meinem Standpunkt muss ich diese Frage verneinen. Ich bin der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue deshalb meine Handlungsweise nicht und will die Folgen, die mir aus meiner Handlungsweise erwachsen, auf mich nehmen.“ Am 22. Februar 1943 wird Sophie Scholl in München-Stadelheim enthauptet.


Christoph Probst
„Und wenn ihr euch entschieden habt, dann handelt.“
Entwurf zum siebten Flugblatt

Christoph Probst

Als sich Christoph Probst am 20. Februar in der Kaserne seiner Luftwaffenkompanie einen Urlaubsschein abholen will, um seine neugeborene Tochter zu sehen, wird er verhaftet und sofort ins Gestapo-Gefängnis nach München gebracht. Vier Stunden nach dem Todesurteil durch den Volksgerichtshof wird der 23-jährige Familienvater in München-Stadelheim enthauptet. Einen Tag später erfährt Herta Probst von der Ermordung ihres Mannes. Am 22. Februar hatte sie noch ein telegrafisches Gnadengesuch eingereicht.

 

Hans Scholl
„Inmitten einer Welt der brutalen Negation erkenne ich die positiven Werte. (…) Die Schatten sind um des Lichts willen da. Aber das erste ist das Licht.“
Brief an Rose Nägele, 12. August 1941

Hans Scholl

Hans Scholl bezeichnet den Schauprozess am Volksgerichtshof als „Affentheater“. Noch am selben Tag des Todesurteils wird Hans Scholl hingerichtet. Im Protokoll der Strafvollstreckung wird Hans Scholl als „ruhig und gefasst“ beschrieben. Ergänzt wird das Protokoll mit seinen letzten Worten: „Es lebe die Freiheit.“

 

Willi Graf
„Jeder einzelne trägt die ganze Verantwortung. Für uns aber ist die Pflicht, dem Zweifel zu begegnen und irgendwann eine eindeutige Richtung einzuschlagen.“
Brief an seine Schwester Anneliese, 6. Juni 1942

Wilhelm Graf

In der langen Haftzeit schreibt Willi Graf insgesamt 17 Briefe an seine Familie. Die Briefe zeugen von einer emotional starken Bindung an seine Familie und von seinem unerschütterlichen Glauben an Gott. Er hadert nicht mit seinem Schicksal und ist voller Empathie für seine Familie und seine Freunde.

Kurt Huber
„Jedes Volk, jeder einzelne hat das Recht auf die Güter der Welt! Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa.“
Abschnitt im fünften Flugblatt, den Kurt Huber formulierte

Professor Kurt Huber

In seinem Schlusswort gelingt es Kurt Huber vor dem Volksgerichtshof, Teile seiner in der Haft vorbereiteten Verteidigungsrede vorzutragen. Er bittet das Gericht um Gnade für seine jungen Freunde und nimmt die Verantwortung für ihr und sein eigenes Handeln auf sich. Bis zum Tag seiner Hinrichtung arbeitet Kurt Huber an verschiedenen Projekten seiner Forschung, besonders an seiner „Volksliedtypologie“. Seiner Familie schreibt er jede Woche.

 

Alexander Schmorell
„Denn nichts ist schöner, als die Freiheit des Gedankens und die Selbstständigkeit des eigenen Willens, wenn man sie nicht fürchtet. Hier versucht man, uns sie zu rauben und sie uns vergessen zu machen oder sich von ihr zu trennen, aber das wird ihnen nicht gelingen!“
Brief an Angelika, Schwester von Christoph Probst 1. Mai 1937

Alexander Schmorell

In Haft verfasst Alexander Schmorell sein Politisches Bekenntnis. Darin wiederholt er seine Ablehnung der nationalsozialistischen Diktatur und bekräftigt seine Forderung nach Freiheit und Gerechtigkeit. Ein Freund Schmorells plant, ihm zur Flucht aus dem Gefängnis zu verhelfen. Als Schmorell von dem Vorhaben erfährt, lehnt er ab, da er keine anderen gefährden möchte. Im Alter von 25 Jahren wird Alexander Schmorell am 13. Juli 1943 hingerichtet.

 

Hans Leipelt
„…und ihr Geist lebt trotzdem weiter!“
aus dem sechsten Flugblatt

Hans Leipelt

Zusammen mit seiner Freundin Marie-Luise Schultze-Jahn vervielfältigt Hans Leipelt das 6. Flugblatt der Weißen Rose. Als Leipelt und Jahn Geld für die Witwe des hingerichteten Professors Kurt Huber sammeln, werden sie denunziert und verhaftet. Hans Leipelt wird am 29. Januar 1945 als letzter politischer Häftling in Stadelheim hingerichtet.

 

Bild- und Textnachweise:
Die Textpassagen entstammen der Ausstellung in der DenkStätte Weiße Rose
Titel: Zitat von Sophie Scholl (Gestapo Vernehmungsprotokolle, 1943)
Foto Sophie Scholl: Archiv LMU
Foto Christoph Probst: Archiv LMU
Foto Hans Scholl: Geschwister-Scholl-Archiv/Süddeutsche Zeitung Photo
Foto Willi Graf: Knoop/Baez
Foto Professor Kurt Huber: Familie Huber
Foto Alexander Schmorell: Markus Schmorell
Foto Hans Leipelt: Angela Bottin 

 

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