Ludwig-Maximilians-Universität München
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Neue E-Learning-Kurse

ECTS-Punkte vom Sofa aus

München, 13.06.2018

Immer zur selben Zeit am selben Ort studieren? Viel zu unflexibel für viele Studierende. Stattdessen lernen sie lieber, wann und wo es ihnen gefällt. Möglich wird das durch die vielen neuen E-Learning-Angebote an der LMU. In den Online-Kursen können Studierende in ihrem individuellen Tempo lernen und durch Simulationen selbst abstrakte Inhalte leicht verstehen. Für E-Learning braucht man allerdings ausreichend Selbstdisziplin. Und Dozenten, die einen gewissen Mehraufwand bei der Kursvorbereitung nicht scheuen.

Foto: georgejmclittle / fotolia.com

Wenn Masterstudent Michael Seidel morgens an die LMU kommt, hat er schon die erste Vorlesung hinter sich. Der angehende Biologe pendelt jeden Tag von Augsburg nach München. Während andere Kommilitonen im Zug auf dem Smartphone rumdaddeln, beschäftigt er sich mit dem Nachweis von „biomolekularen Interaktionen“. Das Thema ist im Bereich der Lebenswissenschaften extrem wichtig. Dieses Sommersemester kommt daher zum ersten Mal die E-Learning-Plattform „Biomolecular Interactions“ zum Einsatz, wo Studierende die Techniken online erlernen können. „Das ist so cool, weil ich nicht an eine feste Zeit oder einen festen Ort gebunden bin“, erzählt Seidel. Natürlich gehöre zum Selbststudium aber auch viel Selbstdisziplin.

Die Plattform ist eine der ersten an der LMU, in der die Studierenden nach erfolgreicher Teilnahme an einer Abschlussklausur ECTS-Punkte erhalten. „Unser Projekt stellt eine komplette Lehrveranstaltung dar“, erklärt Initiator Dr. Ralf Heermann. Insgesamt 80 Studierende nutzen die neue Plattform schon. „Viele glauben, man muss sich abends auf dem Sofa nur ein paar Videos anschauen“, sagt Heermann. „Aber insgesamt 90 Arbeitsstunden muss man schon investieren.“ Damit möglichst viele Studierende bis zum Ende des Semesters dranbleiben, haben sich der Mikrobiologe und sein Projektpartner Dr. Frank Landgraf viel einfallen lassen. So gibt es zum Beispiel jede Woche ein Quiz, um den Lernerfolg zu überprüfen. Fragen können über einen Chat direkt an die Dozenten gestellt werden. Und zum besseren Lernen gibt es jede Menge Videos, Spezialsoftware und weiterführende Links.

Die Virtuelle Hochschule boomt
Wie gut E-Learning bei Studierenden ankommt, zeigt ein Blick auf die Zahlen der Virtuellen Hochschule Bayern (vhb). Dort haben im Studienjahr 2016/2017 rund 60.400 Personen die angebotenen Kurse genutzt – vor zehn Jahren waren es lediglich 16.800. Die LMU als größte Universität in der vhb ist aktuell mit 56 Kursen vertreten, davon allein 35 aus den Bereichen Humanmedizin, Zahnmedizin und Tiermedizin. Zwar treten weniger als die Hälfte der Teilnehmenden nicht zur Prüfung an. Für vhb-Projektmanagerin Ingrid Martin ist das aber für Online-Kurse dennoch ein guter Wert: „Viele nutzen die Kurse als zusätzliche Übungsmöglichkeit oder zur Wissensergänzung, um damit ihre Leistungen in den Prüfungen an ihrer Präsenzhochschule zu verbessern“, ist sie überzeugt.

Die Vorteile von E-Learning liegen auf der Hand: Neben der Flexibilität können zum Beispiel auch abstrakte Inhalte durch Simulationen anschaulich dargestellt werden. Im Gegensatz zu Lehrbüchern sind Online-Kurse interaktiv und durch die Einbindung von Audio und Video abwechslungsreich. Außerdem trainiert E-Learning laut Erkenntnissen aus der Mediendidaktik die Selbstorganisation und hilft später bei der beruflichen Weiterbildung – die meisten Unternehmen setzen bei ihren Weiterbildungsprogrammen auf E-Learning-Methoden. Beim Inverted-Classroom-Modell wird der Stoff digital zur Verfügung gestellten und in den Präsenzveranstaltungen gemeinsam vertieft. Dadurch kann zu Hause jeder in seinem individuellen Tempo lernen und in der Vorlesung zügig gemeinsam vorangeschritten werden.

Die LMU fördert 29 E-Learning-Projekte
So verwundert es nicht, wenn es an der LMU bereits seit 18 Jahren E-Learning-Programme gibt. Seit 2017 werden 29 im Rahmen von Lehre@LMU nochmal verstärkt gefördert. Schon seit letztem Jahr wird am Sprachenzentrum zum Beispiel „Spanisch IN – innovativ, individualisiert, interaktiv“ angeboten. Nach einem Jahr ist Projektleiterin María Victoria Rojas Riether überzeugt: „Das E-Learning trainiert die Selbständigkeit.“ Da kein E-Learning-Modell dem anderen gleiche, müsse das Konzept zum Auftakt eines E-Learning-Kurses allerdings den Teilnehmern genau erklärt werden. Um die Abbruchrate gering zu halten, sind laut Rojas Riether auch regelmäßige Feedbackgespräche zur Motivation wichtig. Sie ist überzeugt: E-Learning ist aus unserer Lebenswelt nicht mehr wegzudenken.

In diesem Jahr neu an E-Learning-Projekten an der LMU hinzugekommen ist zum Beispiel das Projekt „GEOWiki@LMU – Ein Methodenhandbuch als interaktives E-Learning-Tool“. Geowissenschaftler und Geographen können bei der Probenaufbereitung viel falsch machen. Wie es richtig geht, ist aber in einem Curriculum nur schwer zu vermitteln. Mit dem E-Learning-Projekt will Initiatorin Donjá Aßbichler (Geologie) daher gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen Eileen Eckmeier (Geographie), Miriam Dühnforth (Geologie) und Ulrich Küppers (Mineralogie) Studierenden Tipps und praktische Anleitungen für die Anwendung wissenschaftlicher Methoden an die Hand geben. „GEOWiki@LMU soll selbstständiges Lernen und interdisziplinäres Arbeiten fördern“, erklärt Aßbichler. „Es soll ihnen aber auch über das Studium hinaus im Arbeitsleben als Nachschlagewerk dienen.“

Die Kunstgeschichte setzt auf Big Data
Ein weiteres E-Learning-Projekt stammt von Hubertus Kohle. Der Kunstgeschichts-Professor nutzte schon vor über zehn Jahren das Internet, um Kunstbilder im Rahmen eines Onlinespiels zu verschlagworten. Das neue Tool zur Analyse musealer Datenbestände von LMU-Statistikerin Stefanie Schneider baut darauf auf. Denn Museen investieren immer mehr in Datenbanken. So bietet das Metropolitan Museum of Art in New York fast 500.000 Kunstwerke online der Öffentlichkeit an. Die Kunstgeschichte kann diese Daten für die Forschung nutzen. „Durch das Tool lassen sich ohne umfangreiche technische Kenntnisse Sammlungskonjunkturen für bestimmte Werktypen bestimmen, die Rezeption von Ereignissen der Französischen Revolution in der Kunst des 19. Jahrhunderts genauer einordnen oder die Museen bestimmen, die schon früh begonnen haben, weibliche Künstler zu sammeln“, erklärt Kohle.

„Einfach mal Luftholen“ heißt das E-Learning-Projekt von Prof. Dr. Thomas Göbel von der Tierärztlichen Fakultät. „In der Physiologielehre hat sich immer wieder herausgestellt, dass das Thema Atmung bei den Studierenden als schwierig empfunden wird“, erläutert er. Bei „Einfach mal Luftholen“ werden daher die wichtigsten Grundzüge der Lungenphysiologie abwechslungsreich und interaktiv erklärt. Besonders viele E-Learning-Projekte gibt es auch an der Medizinischen Fakultät. „Wir haben seit längerer Zeit das Thema Inverted-Classroom-Methode als Schwerpunktthema gewählt und verfolgen dies in mittlerweile sechs Projekten“, berichtet Gesundheitswissenschaftler Dr. Daniel Tolks. Zusätzlich bietet die Fakultät Workshops, Publikationen und einen Dozentenkurs über dieses Thema an.

Ein Online-PDF ist noch kein E-Learning
Denn wenn Studierende E-Learning-Kurse abbrechen, kann das auch an den Kursentwicklern liegen. Genauso wie es schlechten Unterricht gibt, kann es auch schlechte E-Learning-Umgebungen geben. „Manche Dozenten nennen es schon E-Learning, wenn sie ein PDF ins Netz stellen“, sagt Prof. Dr. Stephan Lorenz von der Juristischen Fakultät. Er lädt alle seine Vorlesungen als Podcast ins Internet. Wobei Lorenz auch das nicht E-Learning nennen würde. Jedoch verzeichnete er allein im vergangenen Jahr 280.000 Downloads von Studierenden aus aller Welt. Der Jurist rät allen Dozenten, ihre Vorlesungen online verfügbar zu machen. „Natürlich ist der Vorbereitungsaufwand höher, aber es dient auch der Selbstverbesserung“, sagt Lorenz und lacht. So habe er zum Beispiel erst durch die Videoaufzeichnung gemerkt, dass er in seinen Vorlesungen früher viel zu schnell gesprochen hat.

Egal ob Dozenten auf LMUcast für Videos, Massive Open Online Courses oder Lern-Management-Systeme wie Moodle setzen: Sie müssen sich vorher die Frage nach den Lernzielen stellen, erklärt Armin Rubner, Leiter des Referats eUniversity – Konzepte und Dienste an der LMU. Also, geht es um reine Wissensvermittlung oder um die Aktivierung der Lernenden? Geht es um Kompetenzaufbau oder die Förderung von Reflexionsmöglichkeiten? „Sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen zeigt schon, dass die Nutzung verschiedener Medien und deren Kombination einen gewissen Zeitaufwand mit sich bringt“, verdeutlicht Rubner. Zum einen können sich Dozenten für die Erstellung von virtuellen Lehrangeboten aber 25 Prozent auf das Lehrdeputat anrechnen lassen. Zum anderen bietet die eUniversity Schulungen, Trainings und einen Geräteleihpool an. Das wichtigste für Dozenten ist laut Rubner aber, die Lernenden bei ihrem Weg durch den Stoff auch hinsichtlich der optimalen Stoffaneignung „an die Hand zu nehmen“ – egal ob es sich um E-Learning oder einen Präsenzkurs handelt.