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ScienceHistory

Die erste Privatdozentin Deutschlands

München, 10.12.2018

Der Widerstand gegen Frauen an Universitäten kommt Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem aus der Wissenschaft selbst. Viele berühmte Forscher wehren sich vehement gegen das Eindringen der Frauen in ihre „Bastion“. Und so ist der Weg zur ersten Habilitation in Deutschland für eine Frau auch alles andere als ein Selbstläufer.

Adele Hartmann

Als vor wenigen Jahren das Hauptgebäude der LMU saniert wird, werden die Toiletten rechts und links des Audimax vertauscht – weil die Herrenräume viel größer sind und mittlerweile mehr Frauen an der Universität studieren. Denn sie haben die Männer in der Bildung längst überholt. Im ersten Wintersemester, als Frauen endlich zum Studium zugelassen werden, ist das noch anders: Nur 15 Studentinnen schreiben sich 1903 an der Medizinischen Fakultät ein. An jener Fakultät, wo zuvor Professoren vom Typ eines Theodor von Bischoffs wirkten, der aus dem angeblich um wenige Gramm leichteren Gehirn von Frauen deren Studierunfähigkeit ableitete. Genau dort – vor 100 Jahren – habilitiert sich die erste Frau in Deutschland: die LMU-Medizinerin Adele Hartmann.

frauenstudium_260_webFrauen in der Wissenschaft seien gegen die Natur – diese Auffassung vertreten viele der bekanntesten Wissenschaftler dieser Zeit. Frauen werden an Universitäten häufig verspottet und diskriminiert. Schon vor dem Zugang zu höherer Bildung haben Frauen es schwer. Nur wenige, sehr privilegierte Frauen können regulär ihr Abitur machen. Auch Adele Hartmann geht den üblichen Weg, muss sich selbst vorbereiten und erwirbt ihr Abitur als „Externe“. Danach verläuft ihre akademische Karriere rasant – bis zum summa cum laude ihrer Doktorarbeit über die „Entwicklung der Bindegewebsknochen“. Ihr akademischer Lehrer, der berühmte Anatom Siegfried Mollier, fördert Hartmann und spricht von einer „für die Wissenschaft begeisternden Autorin“.

Verlust der „Lilienhaftigkeit“
Zu dieser Zeit gibt es die Behauptung, Frauen würden durch ihre Arbeit im „harten“ Wissenschaftsbetrieb ihre „Lilienhaftigkeit“ verlieren. So heißt es etwa – fast rechtfertigend – im Antrag auf Ernennung Hartmanns als außerordentliche Professorin: „Als Persönlichkeit hat Frl. Dr. Hartmann es immer verstanden, bei ihrer wissenschaftlichen Ausbildung dennoch die feingebildete taktvolle Dame zu bleiben.“ Ebenso gibt es die These, der Krieg habe diese Entwicklung begünstigt. Letztlich ist es aber allein die Leistung der Wissenschaftlerin oder des Wissenschaftlers und so äußert sich Adele Hartmann selbst dazu: „Ich bestreite, dass die Revolution die erste Privatdozentin in Deutschland geschaffen hat.“ Ihre Anerkennung schreibt sie einzig den „Jahren intensiver Tätigkeit“ zu. Auch, wenn Adele Hartmann später keine besondere Hochschulkarriere macht, bleibt 1919 in Punkto Gleichstellung der Frauen ein historisches Jahr, in dem sich die LMU-Medizinerin ihre Habilitation und Ernennung zur Privatdozentin erarbeitet und verdient.


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