Ludwig-Maximilians-Universität München
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100. Geburtstag Hans Scholl

„Es lebe die Freiheit“

München, 20.09.2018

„Ohne Hans Scholl hätte es die Weiße Rose nicht gegeben – das legen auch alle Biographien nahe“, sagt Hildegard Kronawitter, Vorsitzende der Weiße Rose Stiftung. „Mit seinem Einsatz, seiner Energie und seiner klaren politischen Haltung entschied er sich für den Widerstand und konnte seine Freunde davon überzeugen.“

Hans Scholl (Foto: Geschwister-Scholl-Archiv/Süddeutsche Zeitung Photo)

Am 22.September 1918 wird Hans Scholl in Crailsheim geboren. Er wächst zusammen mit seinen fünf Geschwistern auf. Sein Vater Robert Scholl ist politisch liberal und entschiedener Gegner der Nationalsozialisten. Seine Mutter Magdalena ist gläubige Christin und sozial engagiert. Gegen den Willen der Eltern tritt Scholl in die Ulmer Hitlerjugend ein und wird dort Fähnleinführer.

1939 beginnt Hans Scholl sein Medizinstudium an der LMU. Während seines Studiums ist er in der Studentenkompanie kaserniert – dort lernt er die späteren Mitglieder der Weißen Rose, Alexander Schmorell und Willi Graf, kennen. Er beginnt, seine Weltanschauung zu hinterfragen. Vor allem die Kriegserfahrungen prägen Scholl und sein Bild vom Terrorregime. So schildert er etwa in einem Brief an die Eltern: „Ich weiß nicht, ob ich unsere Metzelei noch lange mitansehen kann.“ Nicht nur hier zeigt Hans Scholl große Empathie für die Leiden der Menschen im Krieg.

In zahlreichen Tagebucheinträgen, Briefen und Gedichten reflektiert Hans Scholl seine Erlebnisse. „Dieser damals erst 24-Jährige hat noch immer eine prägende Wirkung auf uns“, sagt Kronawitter. „Das liegt sicher auch daran, dass Hans Scholl eine besondere Sensibilität und Klarheit im Denken hatte.“

Seine Entschlossenheit und Überzeugungskraft machen Hans Scholl zu einer zentralen Figur der Weißen Rose und zu einem der Hauptverfasser der Flugblätter gegen das NS-Regime. Am 18. Februar 1943 gegen elf Uhr legt Hans Scholl zusammen mit seiner Schwester Sophie das sechste Flugblatt vor den Hörsälen im Hauptgebäude aus, restliche Blätter lassen sie in den Lichthof fallen. Dabei werden sie vom Hausmeister beobachtet und festgehalten. Beide werden sofort an die Gestapo ausgeliefert.

Am 22. Februar wird Hans Scholl zusammen mit seiner Schwester Sophie und dem jungen Familienvater Christoph Probst vom Volksgerichtshof in einem Schauprozess, den Scholl als „Affentheater“ bezeichnet, zum Tode verurteilt. Noch am selben Tag werden sie im Gefängnis München-Stadelheim enthauptet. Im Protokoll wird Hans Scholl dabei als „ruhig und gefasst“ beschrieben. Seine letzten Worte: „Es lebe die Freiheit“.

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Foto: George (Jürgen) Wittenstein / akg-images

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