Ludwig-Maximilians-Universität München
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Vulkan Bárðarbunga auf Island

Bilder des Infernos

München, 19.09.2014

Der isländische Vulkan Bárðarbunga kommt nicht zur Ruhe: Seit Ende August schießt Lava aus einem Riss des Vulkans. Forscher des LMU-Projekts IsViews waren schon Stunden nach dem Ausbruch vor Ort, um das Ereignis zu dokumentieren.

Bárðarbunga / Holuhraun (Foto: Max Schmid)

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Rotglühende Lava quillt aus dem Boden, dichte Wasserdampfschwaden und Schwefelwolken steigen in den isländischen Himmel. Zu sehen ist dieses Inferno am Bárðarbunga auf einem Luftbild des LMU-Projekts IsViews. Bereits fünf Stunden nach dem Spaltenausbruch des isländischen Vulkans konnte ein Spezialflugzeug im Auftrag von IsViews und dem isländischen Projektpartner Fjarkönnun ehf. hochaufgelöste Aufnahmen vom Bárðarbunga machen. „Wir haben bereits darauf gewartet, dass am Bárðarbunga ein solcher Spaltenausbruch erfolgt", berichtet Dr. Ulrich Münzer von der Sektion Geologie vom Department für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU. „Die hohe seismische Aktivität in der Region ließ darauf schließen, dass ein Ausbruch unmittelbar bevorsteht.“ Seit mehr als 25 Jahren überwacht Münzer subglaziale Vulkane in Island. Das LMU-Projekt IsViews soll mithilfe hochauflösender Luftbildaufnahmen und Satellitendaten Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche, Gletscherbewegungen und Bergstürze frühzeitig erkennen und ein Frühwarnsystem für Island aufbauen.

Am 29. August ist einige Kilometer nordöstlich des Bárðarbunga erstmals Lava ausgetreten. Seitdem schießt aus einer mehrere Kilometer langen Spalte im Lavafeld „Holuhraun" glühend heiße Lava aus der Erde. Der Lavastrom hat sich inzwischen auf über 20 Quadratkilometer ausgebreitet. Zudem setzt der Ausbruch große Mengen Schwefeldioxid frei. Offen ist, ob obendrein der Krater des Bárðarbunga-Vulkans ausbrechen wird. Rund um den Vulkan rumort es gewaltig. Seit Beginn der Eruption erschüttern Erdbeben mit einer Stärke von bis zu 5,7 das Gebiet im Nordwesten des Vatnajökull, dem größten Gletscher der Insel. Münzer und seine Kollegen vermuten, dass mit einem gewaltigen Vulkanausbruch am Bárðarbunga zu rechnen sei. „Vor allem die Erdbeben weisen darauf hin, dass die Ausbrüche noch nicht vorbei sind“, erklärt Dr. Julia Jaenicke vom Projekt IsViews. So habe sich auch der Ausbruch des Eyjafjallajökull im Jahr 2010 durch eine erhöhte Erdbebentätigkeit angekündigt. Allerdings sei es noch immer schwer vorherzusagen, wann ein Ausbruch bevorsteht, sagt Jaenicke. 

Warten auf den großen Knall
Isländische Forscher haben nun durch GPS Messungen auf dem Plateau der bis zu einem Kilometer dicken Eisdecke auf dem Bárðarbunga festgestellt, dass sich die Caldera, ein früherer Einsturzkessel des Vulkans Bárðarbunga, um 20 Meter abgesenkt hat. Die Gründe dafür seien noch unklar, erklärt Münzer. Einerseits könnte sich die Oberfläche der Caldera durch den enormen Lavaausfluss gesenkt haben. Der Ausbruch von Lava könnte so den Druck im Vulkan abgebaut haben. Das Absinken des Eisplateaus in der Caldera könnte aber auch mit einem subglazialen Schmelzprozess zusammenhängen. Das spreche dafür, dass im Inneren des Vulkans Magma nach oben gepresst werde. „Dann kommt es irgendwann zum großen Knall“, prognostiziert Münzer. Die Forscher versuchen nun mit hochaufgelösten Radarsatellitendaten des deutschen Satelliten TerraSAR-X und mit optischen RapidEye-Satellitendaten ein Abschmelzen des Eises durch ein kontinuierliches Monitoring zu belegen.

Verhängnisvoll sei vor allem das Zusammenspiel von Feuer und Eis auf Island: „Wenn weitgehend saures Magma beim Ausbruch mit abgeschmolzenem Eis in Kontakt kommt, ist mit einem sogenannten phreatomagmatischem Ausbruch, also einer schlagartigen Explosion mit hohem Aschenanteil, ähnlich wie beim Eyjafjallajökull zu rechnen“, sagt Münzer. Die Folgen wären verheerend: Bei einem Vulkanausbruch am Bárðarbunga könnten in kürzester Zeit gewaltige Eismassen abschmelzen und einen sogenannten Gletscherlauf auslösen. Beim Ausbruch des Katla-Vulkans 1918 verwüstete eine solche Flutwelle mit bis zu 300.000 Kubikmeter pro Sekunde das periglaziale Vorland Islands. Auch beim Bárðarbunga rechnet der Leiter von IsViews mit einer großen Flutwelle, die das gesamte Flusssystem der Jökulsá á Fjöllum und den nahezu unbewohnten Norden der Insel überschwemmen könnte, darunter auch viele Sehenswürdigkeiten wie den Wasserfall Dettifoss oder die Schlucht Àsbyrgi.

Ein Ausbruch des Bárðarbunga könnte zudem – wie beim Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull – erneut den Flugverkehr beeinträchtigen: Vor vier Jahren sorgte die Asche des Vulkans Eyjafjallajökull dafür, dass weite Teile des europäischen Luftraums Tage lang gesperrt waren. Wie schädlich Vulkanasche für Flugzeugmotoren ist, haben Vulkanologen unter der Leitung von Professor Donald Dingwell, Direktor des Departments für Geo- und Umweltwissenschaften an der LMU, nachgewiesen. In Experimenten konnten sie zeigen, dass sich Vulkanasche bei hohen Temperaturen an Teilen des Flugzeugmotors anlagern kann und dadurch die Turbinen stark beschädigt. „Ob es wieder zu einem solchen explosiven Ausbruch kommt, werden wir auch weiterhin durch die Auswertung von Satellitendaten verfolgen“, erklärt Münzer.
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muenzer_130Dr. Ulrich Münzer ist Leiter des Projekts IsViews (Iceland subglacial Volcanoes interdisciplinary early warning system), einem Verbundprojekt von LMU, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (Institut für Methodik der Fernerkundung), der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Kommission für Erdmessung und Glaziologie) und der Remote Sensing Solutions GmbH. IsViews wird gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie.