Ludwig-Maximilians-Universität München
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Bibliotheken im Wandel

Baukunst für Bücher

München, 17.07.2014

Bibliotheken haben sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Das Philologicum der LMU, mit dessen Bau im Herbst nächsten Jahres begonnen werden soll, spiegelt diesen Wandel – an der Ludwigstraße 25 entsteht eine moderne, zu Austausch und Konzentration einladende Fachbibliothek.

So soll das Philologicum aussehen (Bild: cukrowicz nachbaur architekten)

Bibliotheken gehören als Sammlungsorte für Wissen zu den ältesten Gebäudetypen – und sie unterliegen, ebenso wie die Medien, die sie beherbergen, einem ständigen Wandel. Die wissenschaftliche Bibliothek ist mitten in der digitalen Revolution, in der die Nutzung von Medien eigentlich immer ortsunabhängiger wird, zu einem neuen Hort der Konzentration und des Austauschs geworden – die Nutzerzahlen steigen, nicht nur an der LMU, sondern an Hochschulbibliotheken weltweit.

Eine Entwicklung, die selbst Bibliothekare überrascht
„Diese neue, gestärkte Attraktivität der Bibliothek, mitten in einem Medienwandel vom Analogen zum Digitalen, scheint ja zunächst einmal wie ein Paradoxon,“ sagt Dr. Klaus-Rainer Brintzinger, Direktor der Münchner UB. „Aber zugleich ist es auch unmittelbar einleuchtend. Mit dem Zeitenbruch, in dem wir uns befinden, wird der Bedarf an Bibliotheken nicht weniger, sondern nur anders: Sie erfahren eine neue Bedeutung als Ort und als Raum.“ Die Studierenden suchten einen Ort, wo sie mit anderen gemeinsam in gewisser Enthaltsamkeit lernen, arbeiten, sich vorbereiten könnten. „Die Bibliothek ist da wie ein klösterlicher Raum auf Zeit, ein Ort der Inspiration und Konzentration,“ meint Brintzinger.

Insbesondere die geisteswissenschaftlichen Bibliotheken haben in den vergangenen Jahren eine neue Bedeutung erfahren. Für den Bau einer neuen Bibliothek für die Sprach- und Literaturwissenschaften hatte sich die LMU deshalb schon seit vielen Jahren eingesetzt; 2013 gab dann Ministerpräsident Horst Seehofer den Startschuss für das Philologicum. Ab Herbst 2015 soll mit dem Bau der Bibliothek, die rund 700 Arbeitsplätze und 420.000 Medien beherbergen wird, begonnen werden.

Drei wichtige Kriterien: Harmonie von Neu und Alt, verschiedene Zonen für verschiedene Tätigkeiten, Flexibilität für die Zukunft
Drei Punkte haben an dem Entwurf der Bregenzer Architekturbüros Fink Thurnher und Cukrowicz Nachbaur, die nach einem Wettbewerbsverfahren mit dem Umbau des sanierungsbedürftigen Gärtner-Gebäudes an der Ludwigstraße 25 zur Bibliothek beauftragt wurden, besonders überzeugt, wie UB-Direktor Dr. Brintzinger erklärt: „Erstens haben sie einen Entwurf geschaffen, der den neuen funktionalen Anforderungen an Bibliotheken besonders gerecht wird – und zugleich die Historizität des Gärtner-Gebäudes würdigt und im Inneren fortsetzt“, sagt er. Dazu haben die Architekten sich darauf besonnen, die ursprüngliche Geschosshöhe von fünfeinhalb Metern, die dem Gebäude von außen noch anzusehen ist, wieder herzustellen – und zwar, indem im mittleren Gebäudeteil Galeriegeschosse eingezogen werden, die die hohen Räume zweifach nutzbar machen.

Diese Idee überzeugte auch aus einem zweiten Grund: Das Gebäude ist dadurch so gegliedert, dass unterschiedliche Zonen entstehen, Bereiche zum konzentrierten Lesen und Lernen, zum gemeinsamen Arbeiten und Diskutieren genauso wie zum zwanglosen Aufenthalt und Austausch. Durch die Parallelität von Kern- und Galeriegeschossen entstehen akustisch voneinander abgetrennte Räume, die Begegnung und Rückzug gleichermaßen möglich machen. Dass diese unterschiedlichen Zonen auch für die Zukunft flexibel gestaltbar sind, war schließlich der dritte Punkt, dem die Jury besonderes Gewicht beimaß. „Wir leben mitten der digitalen Revolution – niemand von uns kann eine Prognose abgeben, wie wir die Bibliothek in zehn oder in 30 Jahren nutzen wollen“, sagt Brintzinger, der selbst Mitglied des Preisgerichts in dem Architektenwettbewerb war. Deshalb war es wichtig, Bereiche flexibel umwidmen zu können, also zum Beispiel Arbeitsräume und –plätze zu einem späteren Zeitpunkt verändern und anpassen zu können.

Strahlkraft für die Geisteswissenschaften
LMU-Präsident Professor Bernd Huber ist überzeugt, „dass das Philologicum den Anforderungen an eine Bibliothek im 21. Jahrhundert bestmöglich gerecht wird – und höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Die neue Bibliothek wird die Bedingungen für Studierende und Wissenschaftler in unseren Geisteswissenschaften deshalb nachhaltig verbessern.“

Das Gebäude an der Ludwigstraße 25 wurde 1833-1835 in der Ära Ludwigs I. von Friedrich von Gärtner erbaut und beherbergt derzeit mehrere Einzelbibliotheken, Büros und Unterrichtsräume der Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften und die Studiobühne der Theaterwissenschaft. Im Zuge der Baumaßnahmen werden die innere Struktur des Gebäudes, der in den 60er Jahren entstandene Teil der Westfassade und das Dach entkernt; die historischen Fassaden bleiben erhalten und werden denkmalgerecht saniert. Das Philologicum wird als größte Fachbibliothek an der LMU sämtliche Bestände der philologischen Institutsbibliotheken – unter anderem der Germanistik, Anglistik, Romanistik, der klassischen Philologie und Slawistik – sowie den philologischen Bestand der Zentralen Lehrbuchsammlung aufnehmen. Voraussichtlich kann bereits im Oktober 2015 mit der Entkernung und dem anschließenden Neubau begonnen werden; 2018 soll das Philologicum fertiggestellt werden. Die geplanten Kosten betragen rund 33 Mio Euro.