Ludwig-Maximilians-Universität München
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Multiplikatorenprogramm

Botschafter für gute Lehre

München, 28.02.2014

Das Multiplikatorenprogramm sendet seine ersten „Absolventen“ als Botschafter in die LMU. Sie sollen mit ihren Projekten Impulse für ein neues Bewusstsein für gute Lehre setzen.

Multiplikatorenprogramm - Botschafter für gute Lehre (Foto: Audimax)

Wenn Professor Dieter Frey vom Multiplikatorenprogramm spricht, lässt er keinen Zweifel, worum es ihm geht: Er möchte für Lehre begeistern. Der Leiter des Programms, der selbst seit mehr als 30 Jahren lehrt, hat eine Philosophie: „In meiner Lehre möchte ich meine gute Forschung vermitteln. Wer gute Lehre machen will, muss Verantwortung annehmen und die Neugier der jungen Menschen wecken.“ Frey macht gleichzeitig deutlich, dass es bei dem Programm, das vom Center for Leadership and Peoplemanagement koordiniert wird, nicht um Missionierung geht. „Wir wollen niemanden belehren, das ist weder sinnvoll noch angemessen. Vielmehr geht es darum, Basics zu vermitteln, Impulse zu setzen, die Gedanken zum Thema anzuregen und zu noch mehr Selbstreflexion zu ermutigen.“

Mit Basics, Theorien und Techniken zur Lehre starteten die 32 Teilnehmer Anfang 2013 mit Workshops und Seminaren, um ihr Know-How schließlich in verschiedenen Projekten umzusetzen – mit beachtlichen Ergebnissen.

Workshops – Lehren lernen
Die Teilnehmer, von denen etwa die Hälfte Professoren und die andere Hälfte wissenschaftliche Mitarbeiter und Post-Docs sind, kamen aus insgesamt 15 Fakultäten. Am Anfang waren Frey und sein Team skeptisch, ob Workshops für eine so heterogene Gruppe funktionieren. Letztlich zeigte sich aber schnell, dass die Fragestellungen der Teilnehmer sehr ähnlich waren. Inhaltlich fokussierten sich die Seminare auf Themen wie Führung, Motivation, Reflexion und Kommunikation; sie befassten sich mit allgemeinen Modellen zum Lehr-Lern-Erfolg und Erkenntnissen aus der Lernforschung. „Wir wissen natürlich, wie schlechte Lehre aussieht: einschläfernd und unstrukturiert. Viel schwerer ist es, zu sagen, was gute Lehre ausmacht“, betont Frey. Es gehe vor allem darum, sich mit dem Thema zu befassen. „Wer ein guter Dozent sein will, muss sich Fragen stellen: Wie wecke ich zu Beginn Neugierde der Zuhörer? Indem ich wichtige Fragen stelle oder Probleme aufzeige, die mit dem Stoff verbunden sind? Wie transportiere ich meine Erwartungen an die Studierenden, was gute Zusammenarbeit betrifft? Wie fördere ich auch während der Veranstaltung die Kommunikation und Interaktion zwischen den Studierenden? Wie sieht eine Feedbackkultur aus?“

In den Workshops war ebenfalls genug Platz für konkrete Tipps für gelungene Lehrveranstaltungen, insbesondere in den Diskussionen der Teilnehmer selbst. Das findet auch Dr. Alexander Haas, der für die Sozialwissenschaftliche Fakultät am Multiplikatorenprogramm teilgenommen hat. Er selbst hat bereits ein paar dieser Tipps in seinen Lehrveranstaltungen ausprobiert. Beispielsweise hat er zusätzlich zur üblichen Evaluation am Semesterende, auf die er erst im nächsten Semester reagieren kann, am Anfang jeder Vorlesung zwei Studierende bestimmt, die Feedback geben. Dieses Feedback hat er am Anfang der nächsten Sitzung aufgegriffen und verdeutlicht, welchen Wünschen er entsprechen kann und welchen nicht. „Das war tatsächlich sehr effektiv, denn es gab mir zum einen die Möglichkeit, direkt auf die Wünsche und Anregungen zu reagieren und verdeutlichte zum anderen die normalerweise unausgesprochene Erwartungshaltung auf Seiten der Studierenden und auf meiner Seite." Insgesamt nimmt Haas, der selbst ohne Erwartungen in das Multiplikatorenprojekt gestartet ist, viele Impulse mit. „Ich fand spannend, über die Fachgrenzen hinaus zu sehen, wie Lehre anderswo organisiert wird. Das Programm war sehr professionell. Gut fand ich, dass wir als Teilnehmer einerseits sehr umfangreich unterstützt wurden, andererseits auch unsere Freiheiten hatten.“

Projekte – Vom Runden Tisch bis zum E-Learning-Programm
Dabei gab es im Vorfeld auch skeptische Stimmen zum Programm. Auch Haas traf durchaus auf Vorbehalte. „Im Laufe des Projekts zeigten sich die Kolleginnen und Kollegen aber sehr interessiert. Insgesamt führte unser Evaluationsprojekt zu einem erhöhten Kommunikationsaufkommen über das Thema Lehre an unserer Fakultät.“ Haas führte zusammen mit Professor Meyen eine quantitative und qualitative Studie über die Lehre an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät durch. „Grundsätzlich ist das Ergebnis, dass es kein Problem innerhalb der Lehre an unserer Fakultät gibt.“ Die Studie zeige aber durchaus Wünsche von Studierenden und Verbesserungspotenzial auf – zum Beispiel dem Wunsch nach mehr Feedback durch die Lehrenden und einer stärkeren Einbindung. Ein Anliegen, dem bei den Kommunikationswissenschaftlern durch Einführung eines Runden Tisches entsprochen werden soll. Diese Perspektive der Studierenden – als wichtigste Anspruchsgruppe innerhalb der Lehre – wird im Multiplikatorenprogramm zukünftig noch mehr eingebunden. „Wir werden den Kontakt zu den Fachschaften weiter intensivieren, denn die Studierenden sind unsere Evaluatoren“, sagt Professor Frey.

In Zweierteams setzten die neuen Botschafter für gute Lehre – unterstützt von den Mitarbeiterinnen vom Center for Leadership and Peoplemanagement sowie Hilfskräften aus dem Programm – ihre Projekte an den jeweiligen Fakultäten um. Die Projekte konnten kaum vielfältiger sein: Einige drehten sich um inhaltliche Verbesserungen, wie beispielsweise die Entwicklung eines E-Learning-Programms in der Medizin zur engeren Verzahnung des vorklinischen und klinischen Bereichs im Studium. Andere setzten sich allgemein mit der Lehre auseinander, zum Beispiel mit der Tutorenausbildung oder einem Fakultätsleitbild für gute Lehre. Eine Übersicht über alle Projekte haben die Multiplikatoren in einem Jahrbuch zusammengestellt.

Der Abschluss der Projekte und die Verleihung der Zertifikate sind aber nicht das Ende. Neben der Aufgabe, das Bewusstsein für gute Lehre zu stärken, geht es für einige Multiplikatoren konkret weiter, zum Beispiel helfen Meyen und Haas den Teilnehmern aus den Sprachwissenschaften, an Ihrer Fakultät eine ähnliche Studie zur Lehrevaluation durchzuführen. "Hier sieht man, dass die Idee des Multiplikatorenprogramms Früchte trägt", sagt Professor Martin Wirsing, der das Programm als Vizepräsident für den Bereich initiiert hat. „An der LMU als universitas ist die Lehre eine zentrale Säule, denn wir bilden die Multiplikatoren von morgen aus. Ich freue mich deshalb vor allem über den Prozess, den das Programm ins Rollen gebracht hat. Das Multiplikatorenprogramm ist für die LMU ein wichtiger Baustein zu noch mehr Professionalisierung in der Lehre – und einer Lehre, die mitreißen kann.“

Das Team vom Center for Leadership and Peoplemanagement (von links: Dr. Angela Neff, Verena Seeger, PD Dr. Silke Weisweiler, Petra Oppermann, Daniela Pachler, Prof. Dr. Dieter Frey, Dr. Simone Kaminski, Julia Specht)Bewerben für die dritte Runde
Das Multiplikatorenprogramm startete im Wintersemester 2012/13 im Rahmen des Qualitätspakts Lehre. Der zweite Jahrgang befindet sich mitten im Programm. Im Mai geht das Multiplikatorenprogramm in die dritte Runde. Interessierte Dozenten können sich ab sofort bewerben. Das Center bietet aber neben dem Multiplikatorenprogramm auch andere Möglichkeiten und Kurse zu Basic Skills in der Lehre an.

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse