München (1826 - 1945)
König Ludwig I. holte mit einer seiner ersten Amtshandlungen die Universität 1826 nach München. 1840 wurde das heutige Universitätshauptgebäude (Architekt Friedrich von Gärtner) bezogen. Die Studenten dankten es dem König aber schlecht, sie waren maßgeblich daran beteiligt, dass er im Revolutionsjahr 1848 wegen seiner Geliebten Lola Montez zum Rücktritt gezwungen wurde.
Besonders die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war geprägt vom Wirken hochrangiger Gelehrter in allen Fakultäten sowie dem kontinuierlichen Ausbau der Seminare, Institute und Kliniken. 1865 wurden die naturwissenschaftlichen Fächer erstmals in einer eigenen Sektion zusammengefasst, die 1937 zur eigenen Naturwissenschaftlichen Fakultät wurde. 1914 erhielt die LMU die Tiermedizinische Hochschule als selbständige Fakultät angegliedert.
Frauenstudium
1900 waren mit den beiden schottischen Naturwissenschaftlerinnen Maria Ogilvie-Gordon und Agnes Kelly erstmals Frauen an der LMU promoviert worden. Ab 1903 ermöglichte Bayern (nach Baden im Jahr 1900) als zweites Land im Deutschen Reich die volle Immatrikulation von Frauen zum Universitätsstudium. Im Wintersemester 1905/06 waren von den 5147 eingeschriebenen Studierenden an der LMU 53 Frauen – im Wintersemester 1918/19 waren es bereits 1191 von insgesamt 8625 eingeschriebenen Studierenden. Und 1918 konnte sich an der Universität München mit Adele Hartmann erstmals eine Frau in Deutschland habilitieren. Bis 1918 zählte die Universität München insgesamt 174 weibliche Promotionen; der juristische Doktorhut wurde 1927, der tiermedizinische 1928 erstmals an eine Frau verliehen.
Blüte nach dem Ersten Weltkrieg
Renommierte und international anerkannte Wissenschaftler prägten auch die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. In der Münchener Chemikertradition standen die beiden Nobelpreisträger Richard Willstätter und Heinrich Wieland und auf Wilhelm Conrad Röntgen folgte 1920 mit Wilhelm Wien wieder ein Physik-Nobelpreisträger. Das Institut von Arnold Sommerfeld zählte über Jahre hinweg zu einem der großen Zentren der Atomphysik. Auch der Sozialwissenschaftler Max Weber, der Herz- und Lungenchirurg Ferdinand Sauerbruch oder der Kunsthistoriker Heinrich Wölfflin gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten der Zeit zwischen den Weltkriegen.
Nationalsozialismus und „Weiße Rose“
Die nationalsozialistische Herrschaft bewirkte auch für die LMU eine gewaltige Zäsur: Jüdische und politisch nicht genehme Professoren wurden entlassen, Dozenten in ihrer akademischen Laufbahn behindert. Ein erster unrühmlicher Höhepunkt, in dem sich der Terror kommender Tage bereits ankündigte, wurde am 10. Mai 1933 mit der Bücherverbrennung auf dem Königsplatz erreicht, die vom Deutschen Studentenbund maßgeblich organisiert worden war.
1943 unternahmen die Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, die Geschwister Scholl mit ihren Freunden und Professor Kurt Huber, den Versuch, der Stimme des Gewissens in Deutschland wieder Gehör und Achtung zu verschaffen. An die sieben hingerichteten Studenten und ihren Lehrer erinnert der Geschwister-Scholl-Platz vor dem Hauptgebäude, der Professor-Huber-Platz vor dem Fakultätsgebäude der Juristen und die Benennung der Straßen in der Studentenstadt Freimann. Seit 1997 erinnert zudem eine Gedenkstätte, die vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog eingeweiht wurde, im Lichthof des Hauptgebäudes an die Widerstandsgruppe. Ihr mutiges Engagement gegen das Regime versteht die LMU als mahnende Verpflichtung für die Gegenwart, jungen Menschen einen umfassende Bildung zu vermitteln, die ein kritisches Werte- und Geschichtsbewusstsein einschließt.
