Ludwig-Maximilians-Universität München
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Geschichte der LMU

Mit Genehmigung von Papst Pius II. gründete Herzog Ludwig IX., der Reiche, von Bayern-Landshut in Ingolstadt die erste Universität Altbayerns. Die offizielle Eröffnung und Einweihung fand am 26. Juni 1472 statt, doch bereits seit März hatte die Hohe Schule zu Ingolstadt ihren Studienbetrieb aufgenommen. An dem Eröffnungsfestakt nahmen neben dem Herzog auch viele berühmte und bekannte Gäste teil, so zum Beispiel der gelehrte Rat Dr. Martin Mair, der als Festredner auftrat.

Obwohl Konrad Celtis (1459–1508) nur von 1492 bis 1497 in Ingolstadt lehrte, war er einer der ersten und wichtigsten Vertreter des Humanismus an der bayerischen Universität. Celtis – eigentlich Bickel oder Pickel – war ein weitgereister Humanist, der nach einem Aufenthalt in Prag nach Ingolstadt kam. Hier übernahm er zunächst ein Dozentur für Rhetorik und Poetik. Für Aufsehen sorgte er mit seiner vor der Juristischen Fakultät gehaltenen Rede über den deutschen Humanismus. Allerdings unterbrach er seine Lehrtätigkeit in Ingolstadt immer wieder, bis er im März 1497 durch König Maximilian eine Berufung an die Universität in Wien erhielt.

Der Sohn von Ludwig IX., Herzog Georg der Reiche von Bayern-Landshut, stiftete am 15. Dezember 1494 an der von seinem Vater gegründeten Hohen Schule in Ingolstadt das Stipendiatenkolleg Georgianum für anfänglich elf bedürftige Theologiestudenten. Es gilt somit das zweitälteste katholische Priesterseminar. Das Georgianum kam zusammen mit der Universität von Ingolstadt nach Landshut und 1826 von Landshut nach München. Im November 1841 zog das Kolleg in das von Friedrich von Gärtner neu errichtete Gebäude um, das sich am heutigen Professor-Huber-Platz befindet. Auch heute, nach über 500 Jahren, ist das Georgianum noch immer Teil der Universität. Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., oder der Pfarrer Sebastian Kneipp waren bekannte Studenten des Georgianums.

Der spätere Historiograf Johannes Aventinus – eigentlich Turmair – (1477-1534) hielt im Jahr 1507 in der Hoffnung auf eine Professur seine ersten Privatvorlesungen über Mathematik und Astronomie sowie über Cicero an der Ingolstädter Universität. Aventinus war zwölf Jahre zuvor noch selbst an der Universität immatrikuliert. Als sich die Hoffnungen auf eine Professur zerschlugen, verdingte er sich als Prinzenerzieher und war Mitglied der herzoglichen Kommission, die Differenzen an der Ingolstädter Universität aussöhnen sollte. Im Jahr 1517 beriefen ihn die bayerischen Landesherren zum Historiografen. Als solcher erwarb sich Aventinus großen Ruhm als Geschichtsschreiber.

Johannes Eck – eigentlich Maier – (1486–1543) wurde 1510, im Jahr seiner Promotion, an die aufstrebende Universität in Ingolstadt berufen. Er galt als Mann des Ausgleichs zwischen der via moderna und der via antiqua beziehungsweise dem Nominalismus und dem Realismus, den beiden unterschiedlichen Strömungen im damaligen philosophischen Richtungsstreit. 1511 wurde Eck Dekan der Theologischen Fakultät, im Jahr darauf Vizekanzler der Universität, ein Amt, das er 30 Jahre lang ausübte.

Als Vizekanzler unterstützte er die Universitätsreform, die eine Ausrichtung der Lehre am humanistischen Bildungsideal forderte. Bekannt wurde Eck vor allem als theologischer Hauptgegner Martin Luthers, wodurch die Ingolstädter Universität ihre Stellung als Bastion der Gegenreformation stärkte.

Im November 1549 kamen die ersten drei Patres der Gesellschaft Jesu an die Universität in Ingolstadt, unter ihnen Petrus Canisius (1521-1597). Der bayerische Herzog Wilhelm IV. hatte den Kontakt zum Jesuitenorden gesucht, da er sich von diesem Unterstützung bei der Reform der Universität und des theologischen Studiums versprach.

Der im niederländischen Nijmegen geborene Canisius war als bedeutender Vertreter des Jesuitenordens von November 1549 bis Februar 1552 als Professor, Rektor, Seelsorger und Vizekanzler in Ingolstadt tätig. Damit wurde erstmals an einer deutschen Universität ein Lehrstuhl mit einem Jesuiten besetzt.

Jakob Gretser (1562-1625) begann 1580 seine Lehrtätigkeit am Jesuitenkolleg zu München. Sechs Jahre später sandte ihn die Ordensleitung nach Ingolstadt. Gretser wurde 1585, dem Jahr der Übertragung der Philosophischen Fakultät an die Jesuiten, zum Professor für Philosophie ernannt, obwohl Priesterweihe und Promotion erst im Jahr darauf erfolgten. Im Jahr 1592 wechselte Gretser an die Theologische Fakultät, zunächst als Fachvertreter der scholastischen Theologie. Er brachte in großer Anzahl theologische, insbesondere gegenreformatorische Texte hervor, war jedoch auch in der Historiografie, der Philosophie und der Literatur bewandert.

Der Jesuit Christoph Scheiner (1575-1650) lehrte an der Ingolstädter Universität von 1610 bis 1616 Mathematik und Hebräisch. Scheiner hatte von 1597 bis 1600 und erneut von 1605 bis 1609 in Ingolstadt Philosophie und Theologie studiert. Zusammen mit seinem Schüler Johann Baptist Cysat entdeckte er 1611 mit Hilfe eines Fernrohrs dunkle Stellen an der Sonnenoberfläche, die sogenannten Sonnenflecken. Nicht allein diese Entdeckung, sondern vor allem die genaue Beschreibung und Interpretation der Beobachtungen sowie die Arbeiten zur Optik begründeten seinen Ruhm. Er ist der einzige Naturwissenschaftler der Ingolstädter Universität, der einen bedeutenden Beitrag zur europäischen Wissenschaftsentwicklung leistete.

Anfang Juni 1746 wurde Johann Adam Freiherr von Ickstatt (1702–1776) durch Kurfürst Max III. Joseph zum Universitätsdirektor in Ingolstadt ernannt. Ickstatt hatte sich zuvor durch seine juristischen Arbeiten in Würzburg im Bereich Jus publicum ausgezeichnet. Als neuer Universitätsdirektor reformierte er die Universität im Sinne der Aufklärung und ordnete die Juristische Fakultät neu. Bis zu seinem Tod stellte Ickstatts Wirken eine der wichtigsten Säulen in der bayerischen Bildungspolitik dar.

Adam Weishaupt (1748–1830), Patenkind von Johann Adam von Ickstatt und Professor für Kirchenrecht, gründete 1776 zusammen mit einigen älteren Studenten in Ingolstadt den radikal-aufklärerischen Geheimbund der Perfektibilisten, kurze Zeit später Illuminaten genannt. Dessen Ziel war es, durch ein Erziehungs- und Überwachungssystem eine Elite heranzubilden, die schließlich Schlüsselpositionen im Staat übernimmt. Dadurch sollte die Fürstenherrschaft Schritt für Schritt ausgehöhlt werden.

Der Geheimbund konnte sich anfangs rasch verbreiten, befand sich aber ab Mitte der 1780er Jahre im Niedergang. 1785 verlor Weishaupt nach der Ordensaufdeckung seine Professur in Ingolstadt. Kurze Zeit später ließ Kurfürst Karl Theodor Illuminaten und Freimaurer verbieten. Nach dem Tod des Kurfürsten berief dessen Nachfolger Max IV. Joseph 1799 den ehemaligen Illuminaten Maximilian von Montgelas zum leitenden Minister. Dadurch wurden viele Ex-Illuminaten rehabilitiert, einige sogar an Lehrstühle an der Universität Ingolstadt beziehungsweise Landshut berufen.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts hatte es immer wieder Diskussionen um eine Translokation der Universität gegeben. Mit dem kurfürstlichen Erlass vom 17. Mai 1800 wurde diese schließlich angeordnet. Offiziell begründet wurde der Umzug mit der akuten militärischen Bedrohung. Denn Ingolstadt war nicht nur Universitäts-, sondern auch Festungsstadt und als solche im Zuge der Napoleonischen Kriege durch die französische Armee bedroht. Inoffiziell waren die Reformerkreise in München daran interessiert, den noch immer schlechten Ruf einer als konservativ geltenden und angeblich von Jesuiten geprägten Universität in Ingolstadt zu tilgen.


Knapp vier Jahre dauerte es, bis die Universität komplett von Ingolstadt nach Landshut umgezogen war. 1802 feierte die Universität ihr Installationsfest. Bei dieser Gelegenheit wurde dem bayerischen Landesherrn Maximilian IV. Joseph für die Verlegung gedankt und die Universität auf den bis heute geltenden Namen Ludovico-Maximilianea beziehungsweise Ludwig-Maximilians-Universität, getauft. Mit dem neuen Namen sollte an den Universitätsgründer Ludwig IX. und den regierenden Maximilian IV. Joseph erinnert werden. Der universitäre Vorlesungsbetrieb begann schon im Mai 1800. Die LMU fand im Dominikanerkloster Unterkunft. Nach der Säkularisierung kamen weitere, ehemals geistliche Gebäude und Räumlichkeiten hinzu, wie beispielsweise die Aula des ehemaligen Jesuitenkollegs.

1825/26, kurz bevor die Universität nach München umzog, waren knapp 1.000 Studenten an der Landshuter Hochschule eingeschrieben. Damit rangierte die LMU auf Platz fünf der größten deutschen Universitäten – nach Leipzig, Göttingen, Halle und Berlin. Insgesamt belief sich die Studentenzahl in den Landshuter Jahren auf rund 5.700. Davon entfielen ein Fünftel auf die Philosophische, ein Viertel auf die Theologische, ein Drittel auf die Juristische und rund ein Zehntel auf die Medizinische Fakultät.

Unter der Regentschaft von König Ludwig I. sollten alle staatswichtigen Kulturinstitute in der heutigen Landeshauptstadt München konzentriert und das gesamte Bildungswesen neu organisiert werden. Zudem drohte die Universität in Landshut an Bedeutung zu verlieren. Daher ließ Ludwig I. im Oktober 1825, also bald nach seinem Regierungsantritt, Vorbereitungen für die Translokation der Universität treffen. Im November 1826 erfolgte der feierliche Umzug der Hochschule in das ehemalige Jesuitenkolleg an der jetzigen Neuhauserstraße. St. Michael diente als Universitätskirche, die Karmelitenkirche am Promenadeplatz als Aula.

Mit der Berufung des katholischen Publizisten und Historikers Joseph Görres (1776–1848) und des protestantischen Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775–1854) im Jahr 1827 gewann die Universität zu ihrem Start in München zwei herausragende geistige Persönlichkeiten jener Zeit. Görres, Herausgeber des zwischen 1814 und 1816 erschienenen Rheinischen Merkurs, war eine Art nationale Symbolfigur. Bis 1848 wirkte er als Professor der Allgemeinen und Literaturgeschichte an der LMU. Schelling galt, nach Hegel, als einer der Hauptvertreter des deutschen Idealismus. Neben seinem Ordinariat an der LMU war er zugleich Präsident der Akademie der Wissenschaften. Er arbeitete an der Entwicklung des neuen bayerischen Schulplans und der Studienordnung der Philosophischen Fakultät mit. 1841 folgte er einem Ruf nach Berlin.

Im Jahr 1830 wurde per Dekret die Einführung eines jährlichen Stiftungsfestes beschlossen, mit dem an die Gründung der Universität erinnert werden sollte. Das Fest findet in der Regel am 26. Juni, dem Tag der feierlichen Eröffnung, statt. Neben den Feierlichkeiten wurden durch die Fakultäten Preisaufgaben gestellt und die studentischen Preisträger des Vorjahres geehrt.
Auch heute noch dient das alljährliche Stiftungsfest nicht nur der Erinnerung an die eigene Geschichte, sondern auch der Präsentation und Würdigung von Forschung an der LMU.

Dabei steht besonders die Nachwuchsförderung im Fokus. Nach der Ansprache des Universitätspräsidenten und einem Festvortrag werden Förderpreise der Münchener Universitätsgesellschaft für herausragende Promotionen und Habilitationen und der von der Chiles Foundation Portland/Oregon, USA, gestiftete Georg Heberer Award verliehen.

Im Juli 1830 kam es in Paris erneut zu einer Revolution, die sich auch auf andere Städte Europas auswirkte. In München blieb die Lage vergleichsweise entspannt. Sogar der Besuch des Königs auf dem Oktoberfest verlief, entgegen vielen Befürchtungen, ohne Zwischenfälle. Erst im Dezember des gleichen Jahres kam es zu Unruhen, die allerdings eher harmloser Natur waren: Studenten hatten sich auf der Christkindldult Musikinstrumente gekauft. Mit diesen zogen sie lärmend zum Karlstor, bis das Militär eingriff und Studenten verhaftete. Tagelange Tumulte waren die Reaktion darauf. König Ludwig I. reagierte hart: Er ließ die im Mittelpunkt stehende Studentenverbindung am 28. Dezember auflösen, tags darauf die Universität schließen und alle nicht in München wohnhaften Studenten ausweisen. Doch die LMU blieb nur kurz geschlossen: Die Bitten und die Versicherung des Magistrats, weitere „Exzesse“ zu verhindern, führten zu einer Wiederöffnung der Universität am 30. Dezember.

Im Jahr 1840 konnte die LMU in das heutige, von Friedrich von Gärtner entworfene Hauptgebäude umziehen. Fünf Jahre zuvor waren – bei strömendem Regen – zeitgleich die Grundsteine für das Universitätsgebäude sowie für das Georgianum gelegt worden. Der Umzug in den neuen Bau erfolgte am 25. August, dem Geburts- und Namenstag von König Ludwig I. An der nach ihm benannten Ludwigstraße wurden neben Universität und Georgianum auch die Pfarr- und Universitätskirche St. Ludwig, die Hof- und Staatsbibliothek, die Landesblindenanstalt und das Erziehungsinstitut für Höhere Töchter angesiedelt.

Max von Pettenkofer (1818–1901) hatte unter anderem im Labor des Chemikers Justus von Liebig gearbeitet, ehe er 1847 zum Professor am neu geschaffenen Lehrstuhl für Medizinische Chemie an der LMU ernannt wurde. Während seiner Amtszeit als Münchener Universitätsrektor 1864/65 gelang es ihm, bei König Ludwig II. die Einrichtung von Hygiene-Lehrstühlen an allen drei bayerischen Universitäten – neben der LMU noch die Universitäten in Würzburg und Erlangen – durchzusetzen. In den Jahren zwischen 1876 und 1879 konnte Pettenkofer an der LMU das erste Hygiene-Institut, Vorgänger des heutigen Max von Pettenkofer-Instituts, einrichten, das zur Etablierung des Fachs beitragen sollte. Pettenkofers Expertise auf diesem Gebiet kam auch München zugute. Kanalisation und Trinkwasserversorgung verdankt die Stadt seinem Wirken. Im Jahr 1894 ließ er sich, 76-jährig, emeritieren.

Der Schließung der Universität auf Befehl König Ludwigs I. am 9. Februar 1848 ging ein außergewöhnliches Vorspiel voraus: Die Tänzerin Lola Montez hatte als Mätresse des Königs seit 1846 zunehmend Einfluss auf dessen Regierungsgeschäfte genommen. Die Auseinandersetzung zwischen Montez-Gegnern und -Befürwortern sorgte für mehrere Wechsel in Regierungsämtern und für Entlassungen von Professoren an der LMU. Im Februar kam es an der Universität zu Reibereien zwischen Studenten und der studentischen Leibgarde der Montez, der Alemannia (im Volksmund „Lolamannen“ genannt). Ludwig I. befahl daraufhin, nach vorangegangener Warnung, die Schließung der LMU bis zum Wintersemester 1848/49 und die Ausweisung aller nicht in München wohnenden Studenten. Dieses Vorgehen schürte erst recht die Proteste und ließ die öffentliche Erregung weiter ansteigen. Es ging nicht nur um die Wiedereröffnung der Universität, sondern auch um die Entfernung der Lola Montez. Am 11. Februar knickte der Monarch ein und ließ die LMU wieder öffnen. Doch die Stimmung blieb aufgeheizt. Hinzu kamen die Nachrichten über die Revolution in Frankreich. Ludwig I. sah sich schließlich gezwungen, am 19. März 1848 zugunsten seines Sohnes Max II. abzudanken.

Dem Münchener Professor Max von Pettenkofer war es zu verdanken, dass 1852 der international renommierte Chemiker Justus von Liebig (1803–1873) an die LMU berufen wurde. Liebig war zuvor lange Universitätsprofessor in Gießen. In München verlagerte er seinen Arbeitsschwerpunkt von der reinen zur angewandten Forschung. Seine Vorträge im Hörsaal des für ihn neben seinem Privathaus erbauten Laboratoriums erfreuten sich großer Beliebtheit und erlangten – nicht zuletzt durch die Anwesenheit von Mitgliedern des Königshauses – den Rang gesellschaftlicher Ereignisse.

König Maximilian II. gründete 1852 die Stiftung Königliches Athenäum, die fünf Jahre später in Königliches Maximilianeum umgetauft wurde. Sie sollte hochbegabte Abiturienten aus dem Königreich Bayern ungeachtet ihrer sozialen Herkunft fördern und ihnen ein Studium an der LMU ermöglichen. Die Geförderten – sie erhielten freie Kost und Logis, aber kein Geld – sollten so für den höheren Staatsdienst gewonnen werden. Auf ein repräsentatives Gebäude musste die Stiftung noch einige Zeit warten. Der 1857 am östlichen Isarhochufer begonnene Monumentalbau wurde erst 1874 fertiggestellt. Bis dahin war das Maximilianeum lediglich provisorisch untergebracht. Als im Jahr 1918 die Monarchie abgeschafft wurde, verschwand das Attribut „Königlich“ aus dem Namen und die Verwaltung der Stiftung ging auf den Rektor der LMU über.

Im Jahr 1900 wurden erstmals Frauen an der LMU regulär promoviert. Die Schottin Maria Ogilvie-Gordon und die Australierin Agnes Kelly, die beide zuvor in England studiert hatten, stellten sich erfolgreich dem Rigorosum in der Philosophischen Fakultät. Drei Jahre zuvor hatte Therese von Bayern als erste Frau die Ehrendoktorwürde der LMU erhalten. Doch erst im September 1903 ermöglichte Prinzregent Luitpold die volle Immatrikulation von Frauen in Bayern und somit an der LMU als "Hörerinnen". Im Jahr 1918 konnte sich als erste Frau in Deutschland Adele Hartmann an der LMU habilitieren.

Der Chemiker Adolf von Baeyer (1835–1917) erhielt im Jahr 1905 den Nobelpreis für Chemie. Damit wurde seine bahnbrechende Forschungsarbeit über die Indigosynthese sowie über die Triphenylmethan-Farbstoffe ausgezeichnet. Er war nach Wilhelm Conrad Röntgen der zweite Nobelpreisträger der LMU. Baeyer war 1873 – nach dem Tod Justus von Liebigs – an die LMU berufen worden. In München baute er ein angesehenes chemisches Forschungs- und Unterrichtslabor auf und lehrte hier bis zu seiner Emeritierung 1914. Noch heute verleiht die Gesellschaft Deutscher Chemiker die 1910 gestiftete Adolf-von-Baeyer-Gedenkmünze für herausragende Forschungsleistungen und Entdeckungen.

Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts existierten in Deutschland Ideen über allgemeinstudentische Vertretungen, die immer wieder aufgegriffen wurden. Doch viele dieser frühen Versuche scheiterten, oft an Gegensätzen innerhalb der Studentenschaft. Das Ende des Ersten Weltkriegs und die Novemberrevolution 1918 begünstigten eine erneute Gründungswelle von Studentenvertretungen, so auch in München. Der Universitätssenat billigte am 11. November 1918 einen provisorischen Satzungsentwurf. Im Monat darauf wurde in der LMU-Aula der erste Münchener Allgemeine Studentenausschuss (AStA) gewählt. Der 30-sitzige AStA bestellte einen fünfköpfigen Vorstand. Studentische Zwangsbeiträge sicherten die Finanzierung. Im Januar 1922 folgte auch die rechtliche Anerkennung des AStA an den Universitäten in Bayern durch den Freistaat Bayern.

Max Weber (1864–1920), einer der Väter der modernen Sozialwissenschaft, hatte bereits in Berlin, Freiburg im Breisgau, Heidelberg und Wien gelehrt, ehe er 1919 dem Ruf auf den Lehrstuhl für Nationalökonomie an der LMU folgte. Im politisch aufgeheizten Klima dieser Jahre wurden seine Lehrveranstaltungen immer wieder gestört. Zeitweise durften seine Vorlesungen nur noch mit Platzkarte besucht werden. Weber hatte unter anderem die milde Behandlung des Mörders von Ministerpräsident Kurt Eisner kritisiert und sich damit den Unmut vieler Studenten zugezogen. Weber konnte seiner Lehrtätigkeit schließlich nicht mehr lange nachgehen: Am 14. Juni 1920 verstarb er infolge einer Lungenentzündung.

Der angesehene jüdische Chemiker Richard Willstätter (1872–1942) war 1915 dem Ruf an die LMU gefolgt. Beinahe zeitgleich erhielt der Wissenschaftler den Chemie-Nobelpreis für seine Untersuchungen der pflanzlichen Farbstoffe, insbesondere des Chlorophylls. Zehn Jahre später trat er wegen des zunehmenden Antisemitismus an der LMU als Ordinarius zurück. Er kritisierte nicht nur den „triebhaften“ Antisemitismus der Studenten, sondern auch den Umstand, dass rassistische Gesichtspunkte bei Berufungsfragen eine Rolle spielten. Ohne Professur, aber mit privater Unterstützung, forschte Willstätter bis 1939 in München weiter, dann aber verließ er Deutschland aufgrund der zunehmenden Verfolgung der Juden in Richtung Schweiz.

Zum Sommersemester 1933 trat an der LMU das neue nationalsozialistische Studentenrecht in Kraft, das das „Führerprinzip“ und bestimmte Verpflichtungen für die Studenten festlegte. Die Übergabe des neuen Rechts wurde am 10. Mai im Lichthof der Universität gefeiert. Im Anschluss marschierten die Studenten – allerdings ohne die Teilnahme von offiziellen Vertretern der LMU – zum Königsplatz. Dort wurden, wie auch in anderen deutschen Hochschulstädten, Bücher „undeutscher“ Autoren verbrannt.

Am 27. Juni 1942, im dritten Kriegsjahr, verteilten Mitglieder der Weißen Rose die ersten Flugblätter, die zum passiven Widerstand gegen den NS-Staat aufriefen. Fünf weitere Flugblätter sollten folgen, in denen schließlich der Sturz der Hitler-Diktatur gefordert wurde. Die Studierenden Willi Graf, Christoph Probst, Alexander Schmorell, Sophie Scholl und Hans Scholl sowie Professor Kurt Huber bildeten den Kern der Widerstandsgruppe, die in losem Kontakt zu anderen Personen und Widerstandsgruppen stand.
Am 18. Februar 1943 verhaftete die Gestapo die Geschwister Scholl, nachdem diese im Hauptgebäude der LMU Flugblätter verteilt hatten. In den folgenden Tagen wurden weitere Mitglieder der Weißen Rose festgenommen und die Hauptangeklagten in mehreren Prozessen zum Tode verurteilt. Die Urteile wurden unmittelbar nach Verhandlungsende im Gefängnis München-Stadelheim vollstreckt.

München war zwar bereits ab dem Jahr 1940 alliierten Luftangriffen ausgesetzt, doch erst ab 1942 wurde die Stadt Ziel von massiven Bombardements, vor allem im Juli 1944. Ein Angriff am 13. Juli zerstörte das Hauptgebäude der LMU. Der Lehrbetrieb war nur noch rudimentär aufrechtzuerhalten - entweder zwischen Trümmern und in den Privaträumen von Professoren. Das geplante Sommersemester 1945 konnte wegen der sich verschlechternden Situation nicht mehr stattfinden.

Am 30. April 1945 wurde München den einrückenden US-Truppen übergeben. Auf Anordnung der US-amerikanischen Militärregierung musste die LMU am 14. Mai alle ihre Tätigkeiten einstellen. Einen Tag später versammelten sich 15 Professoren und bestimmten den Altphilologen Albert Rehm zum kommissarischen Rektor der LMU. Rehm war der letzte erreichbare Rektor aus der Zeit vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Bis zur Wiedereröffnung der LMU sollte fast ein Jahr vergehen. In der Zwischenzeit versuchten einzelne Professoren mit Förderkursen angehende Studenten auf das kommende Studium vorzubereiten.

Es dauerte eine Weile bis zur Wiedereröffnung der LMU. Vor allem die Differenzen zwischen dem kommissarischen Rektor Albert Rehm und der US-amerikanischen Militäradministration verzögerten den Neubeginn. Erst als Rehm im Januar 1946 resignierte und der Romanist Karl Vossler dessen Nachfolge antrat, konnte die Zustimmung der Amerikaner zur Wiedereröffnung der LMU erreicht werden. Als Beginn des ersten regulären Nachkriegssemesters wurde der 1. April 1946 festgelegt. Am 23. Juli erfolgten die feierliche Wiedereröffnung der LMU und die Amtseinsetzung von Georg Hohmann, dem ersten gewählten Nachkriegsrektor der LMU. Die Münchener Universität war damit die letzte aller Hochschulen in der US-amerikanischen Zone, die den Betrieb wieder aufnahm.

Die LMU war durch verschiedene Wachstums- und Integrationsprozesse, wie zum Beispiel durch die Angliederung der Pädagogischen Hochschule im Jahr 1972, zur größten Universität der Bundesrepublik aufgestiegen. 1973, im Jahr vor dem neuen  Bayerischen Hochschulgesetz, waren 28.500 Studenten eingeschrieben, verteilt auf 15 Fakultäten. 9.255 Menschen arbeiteten an der und für die LMU, die damit der sechstgrößte Arbeitgeber Münchens war. Diese Größe rief vereinzelt kritische Stimmen hervor, die eine Aufteilung in Einzelhochschulen forderten.

Im November 1973 beschloss der Bayerische Landtag ein neues Hochschulgesetz, das nach seinem Inkrafttreten im folgenden Jahr tiefgreifende Veränderungen für die LMU brachte. Die Fakultäten wurden weiter aufgeteilt, sodass es zunächst 21 sogenannte Fachbereiche gab, die nun unter kollegialer Leitung arbeiteten. Kurze Zeit später wurden die Fachbereiche wieder in Fakultäten umbenannt und die Zahl reduziert.
Zudem erfolgte ein wichtiger Schritt in Richtung Gruppenuniversität: Die Fachbereichsräte, der Senat und die Versammlung setzten sich durch Vertreter der Professorenschaft, der Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Studierenden zusammen. In der Gesamtuniversität kamen auch Vertreter des übrigen Personals hinzu.
Das neue Hochschulgesetz schaffte außerdem die verfassten Studentenschaften ab und ersetzte diese durch neu geschaffene Organe, die in ihren Kompetenzen beschränkt wurden. Fachschaftsvertreter und studentische Vertreter im Senat bilden seitdem den Studentischen Konvent. Aus dessen Mitte wird ein Sprecherrat gewählt, der den AStA ersetzt.

Am 5. April 1995 wurde der „Landshuter Freundeskreis“ der Münchener Universitätsgesellschaft gegründet. Der Freundeskreis erhielt keine eigene Rechtsform, sondern wirkt vertrauensvoll innerhalb der Universitätsgesellschaft. Mit dem Landshuter Freundeskreis sollten an die historisch bedingte enge Verbindung zwischen der LMU und der Stadt Landshut, die 26 Jahre lang die LMU beherbergt hatte, erinnert sowie Freunde und Unterstützer für die Universität gewonnen werden. Erste wissenschaftliche Veranstaltungen  wurden im Rahmen der LMU-Sommerakademien in Landshut abgehalten.
Die Münchener Universitätsgesellschaft indessen ist 73 Jahre älter. Sie wurde als „Gesellschaft von Freunden und Förderern der Universität München e. V.“ im Jahr 1922 gegründet, als die wirtschaftliche Not in der Weimarer Republik eine ausreichende Unterstützung der Universitäten und Studenten nahezu unmöglich machte. Die Gründungsmitglieder, darunter auch Thomas Mann und Ricarda Huch, wollten ihren Beitrag leisten, um Lehre und Forschung an der LMU aufrechterhalten zu können.
Bis heute ist der Zweck der Münchener Universitätsgesellschaft, die mittlerweile über 2.800 Mitglieder zählt, im Kern derselbe geblieben. Sie fördert wissenschaftliche Projekte und den akademischen Nachwuchs, organisiert Gastprofessuren, Vorlesungsreihen sowie Kongresse und setzt sich für die Zusammenarbeit mit anderen Universitäten ein.

Theodor W. Hänsch, Jahrgang 1941, erhielt im Dezember 2005 den Physik-Nobelpreis. Hänsch hatte - bevor er 1986 an die LMU Kam - in Stanford einen Lehrstuhl inne. Als zweiter LMU-Professor erhielt er bereits 1989 den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis. Den Nobelpreis teilte er sich mit den Amerikanern John L. Hall und Roy J. Glauber. Hänsch und Hall wurden konkret für ihre Entwicklung der laserbasierten Präzisionsspektroskopie ausgezeichnet, mit der sich die Farbe des Lichts von Atomen und Molekülen bestimmen lässt.

Mit dem Bayerischen Hochschulgesetz aus dem Jahr 2006 wurden an der LMU erneut eine Präsidialverfassung eingeführt und der Hochschulrat gestärkt. Professor Bernd Huber, der bereits seit 2002 im Amt ist, wurde Präsident. Der Präsident. Dieser wird vom Hochschulrat gewählt und verfügt nun über mehr Verantwortlichkeit und Einflussmöglichkeiten. Der Hochschulrat ist seit 2006 ferner für die sogenannte Grundordnung – das Regelwerk für die Abläufe an der LMU – zuständig. Die 16 Mitglieder des Rates kommen zur Hälfte aus dem Senat. Die übrigen sind universitätsexterne Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und beruflicher Praxis. Der Senat, als bis dato höchstes universitäres Entscheidungsgremium bei Berufungen, wurde in seinem Mitwirkungsrecht beschränkt.

Im Oktober 2006 gaben die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat das Ergebnis des bundesweiten Exzellenzwettbewerbs bekannt. Die Münchener Universität war mit allen ihren drei Förderlinien erfolgreich. 180 Millionen Euro an Fördermitteln standen so für die Einrichtung einer Graduiertenschule (Graduate Center for Systemic Neurosciences (GSN)), dreier Exzellenzcluster Center for Integrated Protein Science Munich (CiPSM), Nanosystems Initiative Munich (NIM), Munich-Centre for Advanced Photonics (MAP) sowie für das Zukunftsprojekt LMUexcellent zur Verfügung.

Zusammen mit der Technischen Universität München ist die LMU außerdem am Exzellenzcluster zur Erforschung von Zusammenhängen zwischen Mikro- und Makrokosmos (Origin and Structure of the Universe) wissenschaftlich beteiligt.

Die Ergebnisse der zweiten Phase der Exzellenzinitiative wurden im Juni 2012 bekannt gegeben. Die LMU schnitt dabei von allen deutschen Universitäten am erfolgreichsten ab. Alle eingereichten Anträge – vier Graduiertenschulen, vier Exzellenzcluster sowie das Zukunftskonzept LMUexcellent – wurden bewilligt. Bis 2017 werden somit nicht nur die drei schon in der ersten Programmphase erfolgreich etablierten Exzellenzcluster sowie die Graduiertenschule weitergefördert. Zusätzlich konnten an der LMU drei weitere Graduiertenschulen in der Systembiologie (Graduate School of Quantitative Biosciences Munich (QBM)), in den Altertumswissenschaften („Distant Worlds“: Munich Graduate School for Ancient Studies) und – gemeinsam mit der Universität Regensburg – im Bereich der Osteuropastudien (Graduate School for East and South East European Studies) eingerichtet sowie ein Exzellenzcluster im Bereich der Systemneurologie (Munich Cluster for Systems Neurology (SyNergy)) gegründet werden.

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse (Wir danken dem Universitätsarchiv der LMU und Neumann & Kamp - Historische Projekte für die Unterstützung bei diesem Projekt.)