Ludwig-Maximilians-Universität München
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Stipendiaten vorgestellt - Sagar Dithal

Die Ludwig-Maximilians-Universität München fördert im Rahmen des Deutschlandstipendiums Studierende, die im sozialen Umfeld, in der Familie, im Verein oder in einer sozialen Einrichtung besondere Verantwortung übernehmen. Unterstützt werden ebenso Studentinnen und Studenten, die erfolgreich Hindernisse im eigenen Lebens- und Bildungsweg gemeistert haben oder durch ihr Talent auffallen. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen einige der Deutschlandstipendiaten der LMU vor.

Sagar Dhital,
Medizinstudent aus Nepal

Sagar Dhital

LMU-Medizinstudent Sagar Dhital ist in einem kleinen Dorf in Nepal aufgewachsen. „Um zur Schule zu kommen, musste ich vier Stunden laufen – ohne Schuhe“, erzählt er. Dhitals Eltern können sich nicht einmal vorstellen, wie ihr Sohn in München gerade lebt. Mit seinem Vater telefoniere er zwar zweimal im Monat. „Er fragt mich dann aber oft, ob ich ausreichend Hölzer habe, um Reis zu kochen“, erzählt er. Bis jetzt gibt es in seiner Heimatgemeinde kein Internet, keine Straße und vor allem kein Gesundheitszentrum. In Nepal liegt die Müttersterblichkeit bei 170 pro 1000 und die Kindersterblichkeit bei 43 pro 1000 und Lebendgeburten. Drei seiner sieben Geschwister sind bereits gestorben. Mehr ausgebildete Ärzte sind daher lebenswichtig für das Land.

So verwundert es nicht, wenn Sagar Dhital der erste Akademiker in seiner bäuerlich geprägten Familie werden wollte. „Viele Leute warten jetzt auf mich und wünschen sich eine Behandlung“, begründet er seinen Lerneifer. Den Menschen in seinem Dorf zu helfen, ist sein erklärtes Lebensziel: „Mein Dorf hat mir geholfen, die Person zu werden, die ich heute bin.“ Zu allem Überfluss ist die Region auch noch stark von dem Erdbeben im Frühjahr betroffen gewesen. Nach dem Studium will sich Sagar Dhital daher für den Bau eines neuen Krankenhauses einsetzen, und so das Leben seiner ehemaligen Nachbarn ein wenig besser machen.

Um sein Ziel zu verwirklichen, lernte Sagar Dhital sein ganzes junges Leben lang: Nachdem er das Abitur als Klassenbester bestand, träumte er davon, einen weißen Kittel zu tragen und ein Stethoskop über seinen Schultern hängen zu haben. „Ich war schon immer vom Wunder der Medizin begeistert“, schwärmt er. Deswegen wählte er in der Oberstufe einen wissenschaftlichen Zweig („Intermediate in Science“). Danach studierte der heute 28-Jährige Humanbiologie an der Kathmandu Universität, wo er seinen Bachelor of Science wieder mit Auszeichnung abschloss. Ab 2010 arbeitete er als Diplom-Assistent am dortigen Universitätsklinikum in der Abteilung für Anatomie. Das war der Wendepunkt in seinem Leben.

Die Dhulikhel Uniklinik hat viele Beratungsstellen auf dem Land „Sie war eine der Vorreiterinnen der gemeinschaftsbasierten Krankenhäuser, welche mit den Prinzipien der sozialen Gerechtigkeit arbeiten“, erläutert Sagar Dhital. So konnte er regelmäßig armen Menschen helfen und deren Krankheitsbilder analysieren. „Es war sehr schmerzhaft zu erkennen, dass Millionen von Nepalesen in den ländlichen Gebieten aufgrund des Mangels an Transportmöglichkeiten und einfachster Medikamente wie Paracetamol sterben müssen.“ Viele Menschen litten außerdem an Gebärmutterhalskrebs, chronischer obstruktiver Lungenerkrankungen, Gicht und Diabetes.

Während seiner Arbeit kam Sagar Dhital mit vielen Medizinstudenten aus Deutschland ins Gespräch – darunter auch welche von der LMU. Kurz darauf entschloss er sich, am Goethe-Zentrum in Kathmandu einen viermonatigen Deutschkurs zu belegen. „Es war der Beginn einer Achterbahnfahrt, meinem Abenteuer“, verdeutlicht der Mediziner. Nach dem Abschied von den Menschen aus seinem Dorf flog er mit dem wenigen Geld, das seine Familie auftreiben konnte, nach Deutschland.

In Frankfurt am Main gelandet, besuchte Sagar Dhital weitere vier Monate den Vorbereitungskurs „Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang“ an der dortigen Goethe-Universität, welchen er letztes Jahr erfolgreich bestand. „Im Sprachkurs habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht und nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch viel über die Kultur, Geschichte, Politik und die Lebensweise der Deutschen gelernt“, erinnert er sich.

Um sich sein anschließendes Studium an der LMU leisten zu können, begann er zu arbeiten: Zuerst bei einer Fastfoodkette, dann in einem Restaurant und ab dem ersten Semester jedes Wochenende in einer Bar. Da ihm die deutsche Sprache noch immer Schwierigkeiten bereitet, lernt er Tag und Nacht. Doch obwohl sein Tag um 5 Uhr beginnt, fällt ihm das Aufstehen leicht: Beflügelt durch die Motivation, eines Tages die Wunden seiner nepalesischen Landsleute zu heilen, ihre Leiden zu verringern und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Bis jetzt hat er trotz der Sprachbarrieren alle Prüfungen bestanden. Und sein Fleiß zahlt sich aus: Durch das Deutschlandstipendium muss Sagar Dhital inzwischen nicht mehr jedes Wochenende schuften. Das verschafft ihm in seinem zweiten Semester mehr Zeit zum Lernen. Die Fotos von der Überreichung des Stipendiums hat Sagar Dhital nach Nepal geschickt. „Die Leute aus meinem Dorf sind froh, dass ein Junge wie ich ein Stipendium bekommen hat“, sagt er stolz. Der Medizinstudent bedankt sich daher besonders bei seinem Förderer GE Healthcare GmbH. Dieser kleine Schritt leiste einen großen Beitrag, um in seinem Dorf einmal ein effizienteres Gesundheitssystem zu schaffen und das Leben der Menschen ein wenig besser zu machen als es jetzt ist.“ Er verspricht: „Ich werde meine volle Hingabe, Leidenschaft, meinen Geist und Wissensdurst der Medizin widmen.“

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