Ludwig-Maximilians-Universität München
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Stipendiaten vorgestellt - Thomas Ciarán Zschocke

Die Ludwig-Maximilians-Universität München fördert im Rahmen des Deutschlandstipendiums Studierende, die im sozialen Umfeld, in der Familie, im Verein oder in einer sozialen Einrichtung besondere Verantwortung übernehmen. Unterstützt werden ebenso Studentinnen und Studenten, die erfolgreich Hindernisse im eigenen Lebens- und Bildungsweg gemeistert haben oder durch ihr Talent auffallen. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen einige der Deutschlandstipendiaten der LMU vor.

Thomas Ciarán Zschocke, Politikwissenschaftler

Mit Wischen politisches Interesse wecken

Deutschlandstipendiat Thomas Ciarán Zschocke engagiert sich für eine hohe Wahlbeteiligung unter jungen Wählern. Ehrenamtlich hat er deshalb an der LMU die Thesen für die App „WahlSwiper“ entwickelt – den Wahl-O-Maten für das Smartphone. Auch außerhalb des Hörsaals bringt er Jugendliche aus aller Welt mit führenden Politikern zusammen oder demonstriert auf Münchens Straßen für die europäische Idee.

Thomas Zschocke wischt auf seinem Smartphone hin und her, links, rechts, rechts, links, rechts. Der 27-jährige Master-Student nutzt aber nicht die Dating-App „Tinder“, sondern lässt sich von der App „WahlSwiper“ eine Wahlempfehlung geben. Im Juni hörte der Deutschlandstipendiat zum ersten Mal von dem Projekt. Die App funktioniert ähnlich wie der Wahl-O-Mat, bei dem der Benutzer zu verschiedenen Wahlkampfthesen Stellung beziehen muss. Die Unterschiede liegen zum einen in der Handhabung: Um zuzustimmen, wischt man nach rechts, um abzulehnen, nach links. Zum anderen kann sich der Nutzer zu jeder These ein kurzes Erklärvideo mit Informationen ansehen. Thomas war von der Idee sofort begeistert.

Der Stipendiat ist im letzten Semester im Masterstudiengang Politikwissenschaft an der LMU. Parallel studiert er „Management & Technology“ an der Technischen Universität München. „Ich glaube, dass Handel und Technologie die Menschheit voranbringen, wenn sie smart von der Politik gesteuert werden“, begründet der gebürtige Freiburger seine Wahl. Aber auch außerhalb des Hörsaals engagiert er sich politisch – zum Beispiel als einer der Mitgründer von „talKIT – Das Technologieforum“. Die gemeinnützige Organisation hat bei Konferenzen Tausende Studenten aus aller Welt mit führenden Politikern, Wissenschaftlern und Unternehmern zusammengebracht, um über die Herausforderungen der Zukunft zu diskutieren. Außerdem unterstützt Thomas die Initiative „Wir wählen 2017“: „Wir versuchen zum Beispiel die jungen Wähler mit viralen Videos auf einer emotionalen Ebene anzusprechen.“

Ausschlaggebend für sein Engagement bei WahlSwiper war der Brexit. „Dass gerade so viele junge Leute nicht zur Wahl gegangen sind, hat mich schockiert“, sagt Thomas. Er begann daher, die Pulse-of-Europe-Kundgebungen in München als Ordner, Redner und in den sozialen Netzwerken zu unterstützen. „Dass europäische Nationen, die sich über Jahrhunderte bekriegten, nun gemeinsam arbeiten, ist eine unglaubliche Errungenschaft der Menschheit.“ Doch nicht alle jungen Menschen denken wie der 27-Jährige. In Deutschland war die Beteiligung bei der Bundestagswahl 2013 in der Altersgruppe der 21- bis 25-Jährigen am niedrigsten. Mit dem WahlSwiper wollte er daher zeigen, dass Wählen Spaß macht.

Initiiert wurde das Projekt von der Berliner Digitalagentur MOVACT. Gesucht wurden in erster Linie Programmierer und Videoredakteure. Doch Thomas konnte sich mit seinem Know-how aus der Politikwissenschaft einbringen. Gemeinsam mit der Studentin Laura Nemeth kümmerte er sich um das Herz der App. „Zu zweit haben wir die Wahlprogramme aller Parteien, die es voraussichtlich in den Bundestag schaffen werden, durchgearbeitet“, erzählt Thomas. Aus mehreren Hundert Seiten Wahlprogramm schreib das Duo rund 200 Thesen der einzelnen Parteien heraus. Daraus entwickelten sie die Fragen, die sie an die Parteien weitergaben. Die Antworten kamen dann in die App. Parallel arbeitete das Video-Team an den erklärenden Videoclips.

„Viele denken, mit ihrer Stimme nichts bewirken zu gönnen“, glaubt Thomas. „Es scheitert nicht an der fehlenden Meinung, sondern vielen fehlt das Interesse und das Gefühl für die Wichtigkeit davon.“ Dabei hätten 2013 die Nichtwähler die größte Fraktion im Bundestag abgegeben. Bei Studierenden kommt sicherlich noch hinzu, dass viele im Auslandssemester nicht rechtzeitig daran denken, die Briefwahlunterlagen zu beantragen. Thomas kennt das Problem, hat er doch selbst jeweils ein Auslandssemester an der Columbia University in den USA und an der Peking University in China gemacht. „Dass wir wählen dürfen, ist aber ein Privileg“, mahnt er.

Die viele ehrenamtliche Arbeit hat sich für Thomas zum Glück gelohnt: Die App wurde eine halbe Million Mal heruntergeladen. „Die Resonanz war überwältigend“, freut er sich. Auch für die Zeit nach der Bundestagswahl hat er schon einen Plan: Er wird der neue EU-Ambassador an der LMU. Dabei informiert er zum Beispiel über eine Karriere in Brüssel und organisiert Podiumsdiskussionen und andere Events. Das passt zu seinem späteren Berufswunsch: Diplomat. „Ich möchte daran arbeiten“, erklärt er, „dass die Europäische Union durch Vielfalt und Einheit weiter gestärkt und verbessert wird.“

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