Ludwig-Maximilians-Universität München
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Stipendiaten vorgestellt - Daniel Meierhofer

Die Ludwig-Maximilians-Universität München fördert im Rahmen des Deutschlandstipendiums Studierende, die im sozialen Umfeld, in der Familie, im Verein oder in einer sozialen Einrichtung besondere Verantwortung übernehmen. Unterstützt werden ebenso Studentinnen und Studenten, die erfolgreich Hindernisse im eigenen Lebens- und Bildungsweg gemeistert haben oder durch ihr Talent auffallen. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen einige der Deutschlandstipendiaten der LMU vor.

Daniel Meierhofer,
Zahnmedizin

Daniel

Der Anzug saß. Doch bei der Vergabe der Deutschlandstipendienurkunden stach ein Stipendiat trotzdem besonders hervor: Daniel Meierhofer. Mit seinen buntgefärbten Haaren will der angehende Zahnmediziner gegen die Normvorstellung der Gesellschaft demonstrieren. „Ich bin in einem konservativen Elternhaus aufgewachsen“, erklärt er. „Jetzt will ich mich nicht länger anpassen.“ Seinen Förderer stört die Haarfarbe nicht: Sein Stipendium wird aus einem Nachlass finanziert. Doch selbst wenn der Stipendiengeber noch leben würde, wäre er vom Lebensweg und Engagement des 25-Jährigen sicher angetan. Neben der Pflege seiner an multipler Sklerose erkrankten Mutter, seinem Engagement für Flüchtlinge in München und seiner Hilfe für arme Menschen in der Ukraine hilft er als Leiter des Queerreferats an der LMU lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, inter* und queerenMenschen.

Schon als Kind hatte Daniel den Wunsch, Zahnmedizin zu studieren. Da er allerdings nur einen Realschulabschluss hatte, absolvierte er notgedrungen zuerst eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Doch obwohl seine Familie nicht viel Geld hatte, beschloss er, über den zweiten Bildungsweg an der Berufsoberschule die allgemeine Hochschulreife nachzuholen. Für seine besonderen schulischen Leistungen erhielt er sogar eine Anerkennungsurkunde von der Stadt München. „Ich weiß aber gar nicht, ob die überhaupt etwas wert ist“, sagt er bescheiden. 2013 war Daniel schließlich der erste in seiner Familie, der ein Abitur in der Tasche hatte. Und das, obwohl er die komplette Schulzeit durch seine Mutter pflegen musste. „Sie erkrankte bereits in meiner frühen Kindheit an Multipler Sklerose und wurde im Laufe der Zeit zu einem Pflegefall“, erzählt Daniel. Aus diesem Grund kümmerte er sich zu Hause gemeinsam mit seinem Vater um sie – bis zu ihrem Tod kurz vor seinem Abitur. Da war Daniel gerade mal 21 Jahre alt.

Doch das hielt den jungen Mann nicht davon ab, Zahnmedizin zu studieren. Auch dass er sich als Kind einer Nicht-Akademikerfamilie das Geld für sein Studium bis zur Aufnahme als Deutschlandstipendiat selbst ersparen und erarbeiten musste, war für den gebürtigen Münchner kein Hindernis. Vorher wollte er allerdings noch ein freiwilliges soziales Jahr beim Rettungsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes machen, weil er etwas Soziales machen und „in einem sowohl körperlich als auch psychisch fordernden Beruf Praxiserfahrung“ sammeln wollte. Jetzt macht ihm sein Studium richtig Spaß: „Es ist genau die richtige Kombination aus Medizin und Handwerk“, sagt Daniel begeistert. Er sei sehr praktisch orientiert, weshalb ein theorielastiges Studienfach für ihn nicht in Frage komme.

Neben dem Studium engagiert sich Daniel noch ehrenamtlich. Während der Flüchtlingskrise half er am Münchner Hauptbahnhof und in der Messestadt Riem bei der kurzfristigen Versorgung tausender geflüchteter Menschen aus. Er bereitete die provisorischen Betten vor, säuberte die Zimmer, half bei der Essensausgabe und sortierte im Lager gespendete Kleidung nach Größe. „Es ist wichtig, dass man sich für Menschen engagiert, die Hilfe benötigen und zeigt, dass sie in Deutschland willkommen sind“, betont er. Des Weiteren fährt der Deutschlandstipendiat seit 2008 einmal im Jahr mit dem Verein „Humanitäre Hilfe für die Ukraine in Bayern“ in eine arme Region des Landes. Vorher werden gespendete Kleidung und medizinische Geräte aus Krankenhäusern gesammelt und verpackt. „Das laden wir dann auf einen Lastwagen, fahren es in die Ukraine und verteilen es an eine Sozialstation, ein Krankenhaus und zwei Straßenkinderheime“, erläutert der 25-Jährige.

Besonders am Herzen liegt Daniel die Arbeit im Queerreferat. Es ist die Anlaufstelle für queere Studierende, also Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und alle, die sich sonst noch abseits der Heteronormativität sehen. Dazu gehören auch heterosexuelle Menschen, die nicht in klassischen Zweierbeziehungen, sondern beispielsweise polyamorös leben. „Bei uns haben sie die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen, sich auszutauschen, Vorträge anzuhören oder in Einzelgesprächen über Probleme zu sprechen“, erklärt Daniel. Manche erleben selbst auf dem Campus Diskriminierung – bisher sei aber noch immer eine Lösung gefunden worden. Außerdem werden bei der „Queer-Hour“ regelmäßig Themenabende veranstaltet, bei denen nach einem Kurzvortrag über das Thema diskutiert wird – beispielsweise über sexuell übertragbare Krankheiten. Im letzten Semester konnte sogar ein Trans*-Awareness-Workshop und ein Vortrag einer honduranischen Trans*Aktivistin angeboten werden, indem es um die Lebensrealität von Trans*Menschen in Honduras ging.

Wie wichtig eine solche Anlaufstelle ist, weiß Daniel aus eigener Erfahrung: „Ich kann mich noch gut erinnern, welche Probleme ich damals bei meinem Outing hatte“, erzählt der Queerreferent. Aus diesem Grund sei er gar nicht traurig, dass noch so viele Semester und das Staatsexamen vor ihm lägen. „So kann ich mich im Queerreferat noch länger weiter engagieren.“

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