Ludwig-Maximilians-Universität München
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Stipendiaten vorgestellt - Jakob Schillinger

Die Ludwig-Maximilians-Universität München fördert im Rahmen des Deutschlandstipendiums Studierende, die im sozialen Umfeld, in der Familie, im Verein oder in einer sozialen Einrichtung besondere Verantwortung übernehmen. Unterstützt werden ebenso Studentinnen und Studenten, die erfolgreich Hindernisse im eigenen Lebens- und Bildungsweg gemeistert haben oder durch ihr Talent auffallen. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen einige der Deutschlandstipendiaten der LMU vor.

Jakob Matteo Schillinger,
Betriebswirt und Psychologe

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Geschickt biegt Jakob Schillinger im ruandischen Kigali mit einer speziellen Maschine einen Draht zurecht. Anschließend knipst er zwei Kunststoffgläser in den entstandenen Rahmen und zieht einen kleinen Schlauch darüber – fertig ist eine schlichte, aber effektive Sehhilfe. Kosten: Ein Dollar. „Wir versuchen den 150 Millionen Fehlsichtigen auf dieser Welt die Möglichkeit zu geben, mit Hilfe einer Brille wieder aktiv am Leben teilzunehmen“, erklärt der 26-Jährige. Durch diese Idee wird er jetzt vom US-Wirtschaftsmagazin Forbes zu den 30 wichtigsten Social Entrepreneurs unter 30 Jahren gezählt.

Dank Brille wieder sehen: Was für Bewohner der Nordhalbkugel nach einer Selbstverständlichkeit klingt, ist für Menschen in Entwicklungsländern schlichtweg unbezahlbar. Die Konsequenz: Sie können nicht lernen, arbeiten und für ihre Familie sorgen. Die Welthandelsorganisation (WHO) schätzt den dadurch entstandenen Einkommensverlust auf 90 Milliarden Euro jährlich. „Genau der Betrag, der weltweit in Entwicklungshilfe investiert wird“, ergänzt Jakob Schillinger. Um den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen, möchte er sein erlerntes Wissen weitergeben und den Menschen mit Hilfe zur Selbsthilfe zur Seite stehen. Das Ergebnis ist eine in sich wirtschaftliche und nachhaltige Lösung, die in dieser Form einmalig ist.

Gelernt hat der Psychologie- und Betriebswirtschafts-Student an der LMU das Herstellen der sogenannten Ein-Dollar-Brillen bei deren Erfinder Martin Aufmuth. Dieser kooperiert seit 2012 mit der in den USA gegründeten Nichtregierungsorganisation Enactus, bei dem Jakob Schillinger Projektleiter für das Ein-Dollar-Brillen-Projekt in München ist. Neben Workshops zur Ausbildung an der Biegemaschine umfassen seine Aufgaben die Planung, Organisation und Durchführung der Projekte vor Ort. „Zudem entwickelt unser Team passende Geschäfts-, Ausbildungs- und Finanzierungsmodelle“, erläutert er. Von der Forbes-Auszeichnung verspricht er sich, dass dass Projekt jetzt international noch bekannter wird.

Insgesamt gehören dem Studentennetzwerk rund 70 Studierende der LMU, Technischen Universität und Hochschule München an. Durch ihr kürzlich sogar von Enactus Worldwide preisgekröntes Engagement wurden bereits Menschen in Afrika und Südamerika Werkzeug, Material und Fähigkeiten zur Hand gegeben, damit sie als Optiker personalisierte Sehhilfen für Betroffene in ihrer Umgebung produzieren können. Die Reisekosten für Aktionen im Ausland werden von Spendern finanziert – darunter auch die Fachschaft Psychologie der LMU. Mittlerweile konnte Enactus dadurch sogar zusätzlich ein Imkerseminar in Burkina Faso veranstalten und ein Trinkwasserprojekt in Marokko starten.

Aktuell ist Jakob Schillinger dafür verantwortlich, das Vertriebsnetz in Burkina Faso aufzubauen. In sieben Ländern wird die Ein-Dollar-Brille mittlerweile hergestellt. Seine Motivation, sich neben den beiden Studiengängen noch ehrenamtlich zu engagieren, schöpft er aus der Verantwortung für die Gesellschaft. „Viele Menschen haben nicht die Möglichkeit, die ich in meinem Leben hatte und stehen teilweise vor immensen Schwierigkeiten“, sagte er bei der Führung der Münchener Universitätsgesellschaft durch die Gebäude der Münchener Rückversicherungsgesellschaft Munich Re. Er sehe es deshalb als seine Pflicht an, Anderen zu helfen.

Wie es ist, kein Geld zu haben, spürte der gebürtige Schwabe in seiner Kindheit am eigene Leib: Seine Mutter immigrierte von Italien nach Deutschland und hatte es besonders am Anfang sehr schwer, in Filderstadt Fuß zu fassen. „Meine Eltern konnten mich deswegen nur sehr begrenzt finanziell unterstützen“, verdeutlicht Jakob Schillinger. Nur wegen der Förderung des Deutschlandstipendiums durch die Universitätsgesellschaft konnte er neben dem Studium am Ein-Dollar-Brillen Projekt arbeiten, wie er versichert. „Und nur so meine Leidenschaft für soziales Unternehmertum entdecken.“

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