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Punks in München?

Punk is not dead: In seiner Abschlussarbeit zeigt Karl Siebengartner wie sich die Münchner Punkszene ihren Platz in der oft als konservativ verschrienen Stadt erobert hat. Dafür wurde er nun mit dem Hochschulpreis der Stadt München ausgezeichnet.

Punks

Foto: (c) dpa---Bildarchiv

4.000 Euro erhielt der Student Karl Siebengartner für seine Abschlussarbeit über Punks in München. Sein Thema: Die Geschichte der Münchner Punkszene. Der Untersuchungsgegenstand: Krawalle und U-Bahn-Feste der Punks, bei denen manchmal sogar Trambahnen brannten. Ausgezeichnet wurde er dafür, dass er einen bisher kaum untersuchten Teilaspekt der Münchner Stadtgeschichte in den Vordergrund stellte. „Der Jury sind eben auch alternative Geschichten der Stadt wichtig, die nicht in der offiziellen Geschichtsschreibung vorkommen“, erzählt Karl. München sei eben nicht nur sauber, reich und konservativ. Sondern auch rebellisch, wild und nonkonform. Punkig eben.

Auf die Idee, sich mit der Punkszene in München zu Beginn der 80er zu beschäftigen, kam der Geschichtsstudent bei seinem Erasmusjahr in England. „An der Universität gab es auch Seminare zur britischen Punkszene“, erzählt Karl. „Außerdem habe ich dort einen anderen Blick auf mein Studienfach bekommen: Zwar lässt sich das Fach an der University of Sussex nicht mit der LMU vergleichen, weil die Geschichtswissenschaften in Sussex viel kleiner sind. Aber ich habe dort viel gelernt und konnte meine Idee auf Augenhöhe mit den Dozenten entwickeln.“ 

Karl Siebengartner
Karl Siebengartner erhielt für seine Arbeit „Widersprüchliche Selbst-Definition und -Organisation. Die Punkszene in München 1979-1982“ den Hochschulpreis der Stadt München.

Was ist Punk?
Zudem fand er heraus: London dient auch den Münchner Punks als Bezugspunkt und Abgrenzungspunkt. „Vor allem die ‚Do-it-yourself‘-Kultur ist unter den Punks groß“, erklärt Karl. „Zwar war mein Wissen über die Punkszene in England total hilfreich – letztlich habe ich jedoch in München neu recherchiert, welche Orte sich die Punks hier erobert haben – wie etwa das Jugendzentrum ‚Milbenzentrum‘ in Milbertshofen.“ Wichtig für seine Recherche war auch die „graue Literatur“ der bunten Punks: „Dazu gehören Magazine, die Punks selbst geschrieben haben – und mit Collagen bestückt, gestaltet und kopiert haben.“ Geholfen haben ihm außerdem die Akten der Münchner Polizei: Denn Krawalle und Ärger gehören – wie der Student herausfand – zum Image der Punks dazu. Denn das sei auch das große Thema der Punkszene: Wer gehört wirklich dazu – und wer nicht?

„Punk sein“ sei ein Aushandlungsprozess, erklärt Karl. Bin ich Punk durch mein Äußeres? Muss ich die richtige Musik hören? Oder auch mal was kaputtmachen? Karl ist dabei das beste Beispiel dafür, dass Punks sich nicht nur auf ein provozierendes Aussehen reduzieren lassen: Auf die Frage, wie viel Punk eigentlich in ihm steckt, hat auch der Student keine definitive Antwort: „Ich habe mich früher schon mit Punks identifiziert – aber das war eher ein Kuddelmuddel aus vielen verschiedenen Einflüssen. Punkig ist dabei vor allem mein Musikgeschmack“, erzählt Karl und rückt seine Brille zurecht. Wie ein Punk sieht er dabei nicht aus.
cdr

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