Ludwig-Maximilians-Universität München
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Forschen gegen den Lärm

In Indien gibt es schwerwiegendere Probleme als kaputte Zähne: An der Universität in Chennai studierte Anitha Pitchika noch Zahnmedizin, doch als sie nach Deutschland kam, beschloss sie, sich mit den Problemen ihrer Heimat auseinanderzusetzen. In ihrer Masterarbeit an der LMU ging sie der Frage nach, welche Auswirklungen Lärm und Luftverschmutzung auf die Gesundheit haben.

Anitha

Dicke Luft: Smog, Feinstaub, Verkehrslärm. Vor allem in Anithas Heimat Indien haben viele mit diesen Problemen zu kämpfen. „Meine Heimatstadt Chennai hat ein großes Problem mit der Luftverschmutzung“, erzählt Anitha. „Und viele Menschen sind sich nicht bewusst, dass die Lebenserwartung in verschmutzten Gegenden deutlich geringer ist.“

Anitha möchte Probleme am liebsten sofort angehen – das sieht man ihr an. Dennoch entschied sie sich zunächst für ein Zahnmedizinstudium. An der LMU begann sie jedoch einen Master of Science Epidemiology. Dieses Gebiet der Medizin beschäftigt sich damit, welche Faktoren für Krankheiten verantwortlich sind und welche gesundheitspolitische Maßnahmen dagegen ergriffen werden können. „Zudem bot mir der Master mehr Möglichkeiten zur Forschung“, erzählt sie. „In Deutschland ist die Forschung breiter gefächert und auch finanziell besser ausgestattet. Für mich ist ein Traum wahrgeworden.“

Wandern in Indien? Unvorstellbar.
Wenn sie ihre Familie in Indien besucht, stellt sie immer wieder fest, wie hoch die Luftverschmutzung dort ist – mehr als in irgendeiner Stadt in Deutschland, erklärt die Studentin. „Natürlich vermisse ich mein soziales Umfeld in Indien und meine Freunde. Gleichzeitig lebe ich sehr gerne in München – vor allem aufgrund der hohen Lebensqualität.“ Und sie genieße es, freier und unabhängiger leben zu können. Zum Beispiel gehe sie in Deutschland gerne wandern.

In ihrer Masterarbeit Long-Term Effects of Objective and Subjective Measures of Exposure to Air Pollution and Noise at Residence on Prevalent Hypertension and Blood Pressure untersuchte sie die Langzeiteffekte, die Schadstoffbelastungen und Lärm auf den Blutdruck haben. Die Kernerkenntnisse ihrer Arbeit: Partikel- und Lärmbelastung, denen viele Menschen besonders in Städten durch hohes Verkehrsaufkommens ausgesetzt sind, erhöht die Häufigkeit von Bluthochdruck. Sie konnte zeigen, dass Straßenverkehr als Quelle von Luftschadstoff- als auch der Lärmbelastung eine wichtige Ursache von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Zudem legte sie einen besonderen Fokus auf die subjektive Wahrnehmung, die nur wenige Studien bisher einbezogen haben. Dabei sei gerade die subjektive Wahrnehmung dieser Belastungen nicht zu unterschätzen, erklärt Anitha. Andererseits sei man den Umwelteinflüssen auch nicht ausgeliefert. Ihr Tipp: Unbedingt Sport machen! „Das ist für uns alle besser – ganz egal, ob die Umgebung stark verschmutzt ist oder nicht.“

Ihre Masterarbeit wurde nun mit dem im Rahmen von Lehre@LMU vergebenen LMU Forscherpreis für exzellente Studierende ausgezeichnet und wird zudem im Journal Science of the total environment publiziert. Ein Ansporn für Anitha, weiter an den ihr wichtigen Themen zu forschen. Dazu gehört Diabetesforschung, über die gerade ebenfalls an der LMUI promoviert. Unter anderem beschäftigt sie sich damit, welche Auswirkungen Schwangerschaftsdiabetes auf die Kinder haben. „Mit meiner Doktorarbeit möchte ich mir mehr Forschungswissen hier in Deutschland aneignen“, erklärt sie. Gerade die methodische Qualität der Forschung sei hier deutlich höher als in Indien. „Und es fehlt konkretes Wissen darüber, was gegen Krankheiten getan werden kann. Nach meiner Promotion möchte ich daher nach Indien zurückkehren, um auch dort an Forschungsprojekten weiterzuarbeiten.“

 

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