Ludwig-Maximilians-Universität München
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Deutschlandstipendiatin Caroline Schambeck

Master trotz Mukoviszidose

München, 13.01.2017

Muko-viszi-was? Nur wenige Menschen in Deutschland sind von der Stoffwechselkrankheit betroffen – eine davon ist Caroline Schambeck. Die LMU-Studentin lässt sich aber von der unheilbaren Krankheit nicht aufhalten.

Caroline Schambeck hat Mukoviszidose – trotzdem macht sie ihren Master an der LMU

Mukoviszidose ist eine Stoffwechselkrankheit. Jedes Jahr werden in Deutschland rund 200 Babys mit der unheilbaren Erbkrankheit geboren. Wie bei allen Erkrankten produziert Carolines Körper seit ihrer Kindheit einen sehr zähen Schleim. Vor allem die Lunge, aber auch andere Organe wie die Bauchspeicheldrüse sind davon betroffen. Doch obwohl die Krankheit unheilbar ist, hat die Studentin nie ihren Lebensmut verloren – ganz im Gegenteil. Gut, nach dem Abitur war Carolines erster Gedanke: „Ich brauche erst mal eine Auszeit vom Lernen“, erzählt die gebürtige Straubingerin. Als sie daraufhin in Österreich als Skilehrerin zu arbeiten begonnen hatte, kam eine neue Hiobsbotschaft: Die Lunge war so stark angegriffen, dass sie zukünftig zum Sport und zum Schlafen immer zusätzlich Sauerstoff benötigen würde, teilten ihr die Ärzte damals mit. Dieser Rückschlag traf Caroline schwer. Doch die Angestellten aus der Reha machten ihr Mut: „Du kannst das“, sagten sie. „Du musst es Dir nur einteilen.“ Und tatsächlich: Caroline wurde zwar schneller müde und musste häufiger Pausen machen. Doch die Erfahrung hat sie bestärkt, sich in München eine eigene Wohnung zu nehmen und ein Studium zu beginnen.

Caroline hat die Krankheit im Griff – nicht umgekehrt
Gerade in der kalten Jahreszeit muss Caroline besonders gut aufpassen. In der Erkältungszeit fasst sie in öffentlichen Verkehrsmitteln nichts an und setzt sich nicht neben verschnupfte Kommilitonen. Denn schon wenn sie gesund ist, muss sie viele Medikamente nehmen, täglich Atemübungen machen und jeden Tag bis zu eineinhalb Stunden inhalieren. Wenn sie krank wird, ist das für sie lebensgefährlich, weshalb sie die Dosis entsprechend erhöhen muss. „Die Tabletten sind aber schnell geschluckt“, versichert sie. Und an der LMU gebe es genug Räume, in die sie sich mit ihrem Inhalationsgerät zur Therapie zurückziehen könne. Während dem Dösen am Morgen inhaliert sie, während dem Fernsehen macht sie ihre Atemübungen und in die Physiotherapie geht sie auch einmal die Woche. Am meisten Zeit in Anspruch nehme ihre Leidenschaft und die für sie wichtigste Therapieform, erzählt sie und lacht. Gemeint ist das Gerätetraining in der Physiotherapiepraxis gegenüber ihrer Wohnung. Da wird dann auch kurzerhand eine Vorlesung zu Hause nachbereitet.

Aktuell gibt es zwar Fortschritte bei der Behandlung von Mukoviszidose, heilbar ist die Krankheit aber immer noch nicht. Als letzter Ausweg bleibt nur die Lungentransplantation – auch bei Caroline. Die notwendigen Voruntersuchungen wurden bei ihr bereits 2014 durchgeführt. „Meine Lunge ist so angegriffen, dass ich eigentlich eine neue bräuchte“, erzählt sie. Doch eine Spenderlunge zu bekommen ist schwierig und die Warteliste lang. Durch das viele Training hat die 26-Jährige aber von klein auf gelernt, mit der Krankheit umzugehen. „Meine Eltern haben mich nie in Watte gepackt“, erinnert sie sich. Dafür ist sie im Nachhinein sehr dankbar: „Dadurch haben sie dafür gesorgt, dass es mir heute gut geht, obwohl meine Werte schlecht sind.“

Trotz Therapie zum Master
Seit 2012 studiert Caroline jetzt in einem Gemeinschaftsstudiengang von LMU und Technischer Universität München Geowissenschaften. „Geochemie hat mich schon immer interessiert“, erzählt sie. "Vor allem, dass Geowissenschaften so breit gefächert ist: von Fragen der Produktion mineralischer Rohstoffe, Umwelt- und Ressoucenfragen bis zu klassischen Feldern wie Vulkanologie." An beiden Universitäten habe sie trotz ihrer Krankheit bisher nur gute Erfahrungen gemacht: Alle Professoren unterstützen sie – selbst bei Exkursionen in die Berge. Und selbst wenn sie mal längere Zeit krank ist, gibt es keine Probleme. „Wenn meine Werte nicht stimmen, muss ich öfters für zwei Wochen in die Klinik“, erläutert die 26-Jährige. Doch auch in solchen Fällen könne sie ihre Klausuren immer zu einem anderen Zeitpunkt nachholen.

Gerade kommt sie aus der Klinik, weil sie einen starken Infekt hatte. Und das ausgerechnet am Anfang des Semesters. Das bedeutet für Caroline, dass Sie nun trotz Therapie doppelt arbeiten muss für ihr Studium. Denn die Masterarbeit steht vor der Tür, die sie gerade in einem Pflichtpraktikum vorbereitet und sich intensiv in die Forschungsarbeit im Labor einarbeitet. Dort würde sie auch gerne nach dem Studium arbeiten – im Labor. Das Problem: „Mit meiner Krankheit ist es nicht möglich, in Vollzeit zu arbeiten“, klagt sie. Hinzu komme die Frage: „Soll ich die Krankheit in meiner Bewerbung erwähnen“? Doch die gebürtige Straubingerin beantwortet sich die Frage selbst. „Ich gehe offen mit meiner Erkrankung um und habe damit nur gute Erfahrungen gemacht.“ Wenn ein zukünftiger Chef von ihr die Leistungen einer Leistungsgesellschaft erwarte, müsse er eben ohne sie klarkommen, sagt sie selbstbewusst. „Bei mir steht die Gesundheit im Mittelpunkt – und nur, wenn es mir gut geht, kann ich meine Lebensqualität erhalten.“

 

Die Beratungsstelle für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung der LMU berät und unterstützt Studierende und hilft ihnen bei der Bewältigung ihres Studiumsalltags.