Ludwig-Maximilians-Universität München
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Phantastik-Preis

„Game of Thrones“ im Blick der Wissenschaft

München, 11.10.2017

„Raus aus dem Elfenbeinturm“: Für LMU-Professor Markus May heißt das, sich mit Gegenwartskultur wie der erfolgreichen Serie „Game of Thrones“ auseinanderzusetzen. Nun wurde sein Band „Die Welt von ‚Game of Thrones‘" mit dem Deutschen Phantastik-Preis ausgezeichnet.

Foto: picture-alliance / PictureLux

Seit 2000 beschäftigt sich Professor Markus May vom Institut für Deutsche Philologie an der LMU mit der Phantastik. Auf „Game of Thrones“ stieß May eher zufällig. „Der Freund meiner Tochter hat mir die erste Staffel gegeben – und ich war sofort begeistert“, erzählt er. Das Besondere an dem Buch „A Song of Ice and Fire“ von George. R.R. Martins und seiner Verfilmung „Game of Thrones“: eine spezielle Erzählweise und Weltkonstruktion, die Fans auf der ganzen Welt in den Bann zieht und auch May sofort überzeugte. Das Interessante ist das Spiel mit Konventionen der Fantasy, die teilweise so gebrochen werden, dass dahinter ein Blick auf heutige Fragen und Probleme sichtbar wird. „Game of Thrones ist eine intensive Fantasy, die den Leser in die phantastische Welt hineinwirft – ein Aspekt des zeitgenössischen Erzählens. Und dieses Phänomen der Desorientiertheit passt sehr gut zu unserem heutigen Blick auf die Welt.“

Hauptseminar „Game of Thrones“
Grund genug für May, gemeinsam mit seinen Doktoranden eine Tagung zu veranstalten, aus der nun der Band "Die Welt von ‚Game of Thrones'. Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf George R.R. Martins „A Song of Ice and Fire“ hervorgegangen ist. In der Folge wurde auch ein Hauptseminar an der LMU zu dem Thema angeboten. „Es ist vermutlich selten so leicht, Studenten für ein Seminar zu begeistern“, erzählt der LMU-Professor. Der Grund dafür: Game of Thrones spielt auf eine spektakuläre Weise mit den Erwartungen der Zuschauer. Etwa, wenn eine der Hauptfiguren schon relativ früh in der Serie stirbt. Ein klarer Bruch mit allen Konventionen des Genres. Andere Charaktere nehmen unglaubliche Entwicklungen: Jamie Lannister schiebt zu Beginn der ersten Folge einen Jungen aus dem Turmfenster und offenbart so seinen scheinbar von Grund auf bösen Charakter. Doch dieser verändert sich im Verlauf der Handlung radikal. Dies führt dazu, dass der Zuschauer zunehmend Sympathien für Jaime Lannister entwickelt und „Game of Thrones“ oder „A Song of Ice and Fire“ zeigt: die traditionellen moralischen Wertungen werden problematisch in einer stetig komplexer werdenden Welt. Damit stellt Martin auch die konventionelle Gut-Böse-Schematik in Frage, die gerade das Genre der Fantasy in der Nachfolge Tolkiens lange dominiert hat. Und auch daraus könne man die Lehre ziehen, dass Werte kulturellen Differenzen unterworfen sind, so May. Eine Erkenntnis, die auch abseits der Phantastik eine große Rolle spielen kann.

Handbuch für Phantastik
Harry Potter, Herr der Ringe, Games of Thrones: Fast jeder kennt die Welten aus Zwergen, Elfen und Zauberwesen. Dass sich auch die Wissenschaft mit Phantastik auseinandersetzt, geht dagegen oft unter. Professor May hat dazu sogar ein Handbuch herausgegeben. Denn: Wissenschaft soll sich auch Paradigmen der Gegenwart annehmen, so May. Er sagt: „Phantastik ist ein Phänomen, das in unserer Gegenwartskultur eine wichtige Rolle spielt.“ Egal, ob in Spielen oder in der Werbung. „Auch beim „Fruchtzwerg“ haben wir es mit der Umdeutung einer kultur- und literaturhistorischen Figur zu tun“, erzählt May. „Genauso wie bei Vampiren oder Kobolden.“